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23. Februar 2012
 

heute-Nachrichten

 
Dorf in der Sahelzone. Quelle: dpa

UN: Sahelzone steht vor Hungerkatastrophe

Niger und Mauretanien am schlimmsten betroffen

Das Hungerdrama in Somalia und Kenia ist nicht ausgestanden, da kommen aus einem anderen Teil Afrikas beunruhigende Nachrichten: Im Westen der Sahelzone leiden Millionen Menschen unter einer schweren Dürre. Die UN warnt: Schnelles Handeln sei nötig.

 
 
 
 

Nach der verheerenden Dürrekatastrophe am Horn von Afrika im vergangenen Jahr bahnt sich auf dem Kontinent ein neues Hungerdrama an. Im Westen der Sahelzone könnten nach Angaben der Vereinten Nationen bald über neun Millionen Menschen akut vom Hungertod bedroht sein. Allein in den am schlimmsten betroffenen Ländern Niger und Mauretanien litten bereits sechs Millionen Menschen unter Nahrungsmittelknappheit, und auch in Mali und im Tschad sei die Lage bedrohlich, sagte Ralf Südhoff, Leiter des Berliner Büros des Welternährungsprogramms (WFP).

 

Care: Zehn Millionen hungern

"Hinzu kommen düstere Anzeichen in Senegal, Gambia, Burkina Faso, Kamerun und auch dem nördlichen Nigeria", fügte Südhoff hinzu. Grund sei, dass die Region bereits von der dritten Dürre in einem Jahrzehnt heimgesucht wird. Früher seien die Regenfälle in eher regelmäßigen Abständen etwa alle sieben bis acht Jahre ausgeblieben. Aber etwa in Niger sei die letzte Dürre erst zwei Jahre her. "Die Menschen haben keine Chance, sich von den vorherigen Krisen zu erholen und jede Krise trifft sie noch heftiger."

 
Karte von Afrika mit Niger, Mauretanien, Mali, Tschad, Senegal, Gambia, Burkina Faso, Kamerun und Nigeria. Quelle: ZDF
ZDF
Vom Hunger bedrohte westfarikanische Staaten


Die Hilfsorganisation Care schätzt die Zahl der von der Hungerkrise betroffenen Menschen in der Sahelzone auf mehr als zehn Millionen. Einige Familien nähmen bereits jetzt nur noch einmal am Tag verwässerten Hirsebrei zu sich, berichtet Johannes Schoors, Care- Länderdirektor im Niger. In normalen Jahren beginne die Hungerperiode im April oder Mai, in diesem Jahr aber sei sie schon jetzt im Gange, teilte Care Deutschland-Luxemburg in Bonn mit. Die am schwersten betroffenen Menschen lebten in abgelegenen Landesteilen.

 

Infobox

Oxfam: Warnungen verhallen

Der Afrika-Direktor der internationalen Hilfsorganisation Oxfam, Irungu Houghton, kritisiert, dass die internationale Gemeinschaft Warnungen wie die der UN nicht ernst nehme und noch immer nicht genügend Mittel für die Reduzierung von Gefahren durch Naturkatastrophen bereitstelle. Houghton betonte aber auch, dass die Regierungen in Afrika selbst aktiv werden müssten, um auf solche Krisen zu reagieren: "Die Regierungen in Äthiopien und Kenia haben im vergangenen Jahr bewiesen, dass sie durchaus in der Lage sind, mit einer Dürrekatastrophe fertig zu werden."


Das WFP rief dringend zu Spenden auf, um die Katastrophe noch abzuwenden. Um zumindest einen Teil der bereits betroffenen Menschen in Niger, Mali und Mauretanien unterstützen zu können, benötige die Organisation zusätzliche 150 Millionen Dollar (115 Millionen Euro) für die Nothilfe. Es sei wichtig, dass sie Internationale Gemeinschaft schnell handele, sagte Südhoff. Bereits seit vergangenem Herbst warnten die zuständigen Hilfsorganisationen vor einer drohenden Krise im Sahel, jedoch habe es darauf bisher kaum Reaktionen gegeben: "Wenn wir aber erneut abwarten, wie 2011 am Horn, werden noch viel mehr Menschen bald hungern und dauerhaft ihre Existenz verlieren."

 

Vorbeugung wäre möglich

Dabei hätte ein frühzeitiges Einschreiten eine weitere Katastrophe durchaus mildern, wenn nicht gar verhindern können. Denn dank modernster Technologien gibt es heute Mittel und Wege um solche Krisen vorzeitig zu bekämpfen. "Der entscheidende Schritt ist, jetzt in Westafrika wie auch künftig global vom klassischen Krisenmanagement zu einem Risikomanagement zu kommen - vom Reparieren zum Vorbeugen", erklärt Südhoff. Dank präziser Satellitenbilder und detaillierten Wetter-, Markt- und Haushaltsanalysen gebe es alle nötigen Werkzeuge. Wichtig sei, diese auch zu nutzen und aktiv zu werden, wenn sich eine humanitäre Katastrophe abzeichnet - und nicht erst, wenn diese bereits zugeschlagen hat und die Lebensmittel knapp sind. "Das ist viel effektiver, viel billiger und rettet Millionen Menschenleben", sagt Südhoff.

 

Tatsächlich hatte etwa die Welthungerhilfe die drohende Krise bereits im vergangenen Oktober angekündigt: "Aktuelle Satellitenbilder zeigen, dass die Flüsse viel zu wenig Wasser führen und dass die ausgetrockneten Gebiete sich auf immer größere Flächen ausbreiten", hieß es damals. "Die Anzeichen sind alarmierend." Aber geschehen ist seither wenig. Das Gebiet der Sahelzone umfasst einen mehrere Tausend Kilometer langen Gürtel, der sich von der Atlantikküste bis zum Roten Meer erstreckt. Was zwischen den Ozeanen liegt, ist größtenteils trockenes Land, Wüste und Savanne. Bereits in den 1970er Jahren war die westliche Region der Sahel Schauplatz eines humanitären Desasters. Damals trug die Hungersnot zum Sturz des ersten Staatspräsidenten von Niger, Hamani Diori, bei. Ihm wurden Korruption und Ineffizienz im Umgang mit internationaler Hilfe vorgeworfen.

 
 
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