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11. März 2010
 

heute-Nachrichten

 
Spritze und Impfstoff. Quelle: ap

Andrang bei Schweinegrippe-Impfung

Neue Welle lässt offenbar Bedenken schwinden

In Deutschland ist erstmals ein Kind wegen Schweinegrippe an die künstliche Lunge angeschlossen worden. Insgesamt nehmen die Erkrankungen hierzulande stark zu. Es scheint, als ob gerade Kinder gefährdet sind. Experten raten vermehrt zur Impfung.

 
 
 

Die Angst vor der Schweinegrippe treibt nun doch die Menschen in Massen zur Impfung. So bildeten sich am Dienstag zum Beispiel bei der Zentralen Impfstelle des Düsseldorfer Gesundheitsamts lange Schlangen. "In der letzten Woche sind etwa 2.000 gekommen und allein am Montag schon 1.000", sagte der Sprecher der Stadt, Michael Bergmann. Um dem Andrang gerecht zu werden, würde gerade mehr Platz geschaffen.

Bedenken schwinden offenbar

Die Meldungen über die inzwischen sechs Todesfälle und die rasche Ausbreitung der Schweinegrippe - auch Tennis-Star Tommy Haas ist daran erkrankt - lassen offenbar bei vielen die Bedenken gegen die Impfung verschwinden. "Ganz viele sagen aber auch, sie hätten erst am Wochenende von der Gefahr der Schweinegrippe erfahren", berichtete Bergmann.

 

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Komplikationen bei Impfung

Bei der Schweinegrippe-Impfung in Deutschland sind erstmals lebensgefährliche Komplikationen aufgetreten. In Düsseldorf erlitt ein etwa 30-jähriger Mann nach der Impfung einen lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock, wie der Düsseldorfer Arzt Christian Wittig bestätigte. Glücklicherweise befand sich der Mann zu diesem Zeitpunkt noch in der Arztpraxis und konnte sofort notfallmäßig betreut werden. "Bei einem anaphylaktischen Schock hat man ein Zeitfenster von 90 Sekunden, um zu reagieren", betonte Wittig.

Der Patient habe einen Kreislaufkollaps erlitten, sei aber noch ansprechbar gewesen. Nach einer Notfallbehandlung wurde er in eine Krankenhaus gebracht, konnte die Klinik aber zwei Stunden später bereits wieder verlassen. Wittig betonte die Erfahrungen in Schweden - wo früher mit der Impfung begonnen wurde - hätten bereits gezeigt, dass die Impfung nicht risikolos sei. Ein lebensbedrohlicher anaphylaktischer Schock ist die extremste allergische Reaktion. Der Schock kann zum Kreislaufzusammenbruch und Ohnmacht führen. Ohne sofortige Notfallversorgung mit entsprechenden Medikamenten kann es zu einem tödlichen Atem- oder Kreislaufstillstand kommen.

 

Der Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, rät aus "bevölkerungsmedizinischen Gründen" zur Impfung. "Unsere Chance, eine Viruserkrankung auszurotten, liegt darin, das Virus gar nicht zur Ausbreitung kommen zu lassen. Deshalb ist es sozialmedizinisch richtig, möglichst viele Menschen zu impfen", sagte er der Tageszeitung "Thüringer Allgemeine".

 

"Schlechte Vorbilder"

Er selbst habe sich am Montag impfen lassen. Aufgerufen seien vor allem Menschen, die an ihrem Arbeitsplatz viele andere anstecken könnten. Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann befürchtet, "dass sich die Schweinegrippe noch weiter ausbreiten wird", wie er der "Rheinischen Post" sagte.

 

"Aus diesem Grund hoffe ich, dass viele Menschen ihre bisher skeptische Haltung jetzt noch einmal überdenken und sich impfen lassen." Der Präsident des Berufsverbands Deutscher Internisten, Wolfgang Wesiack, kritisierte seine Kollegen als schlechte Vorbilder: "Wenn sich die Ärzte nicht impfen lassen, kann man nicht erwarten, dass die Bevölkerung sich mehrheitlich impfen lässt", erklärte Wesiack in einer Pressemitteilung.

"Sehr, sehr hysterisch"

Gegen eine Massenimpfung ist weiterhin der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig. Ihm dränge sich der Verdacht auf, dass "sehr, sehr hysterisch" mit dieser Bedrohung umgegangen werde, sagte Ludwig am Dienstag im Deutschlandradio Kultur. Die Zahlen aus der südlichen Hemisphäre, wo die Grippe-Saison bereits abgelaufen sei, legten dies nahe.

Dort habe es nur eine geringe Anzahl an schwerwiegenden Erkrankungen und Todesfällen gegeben. Bei den in Deutschland aufgetretenen Todesfällen sei der ursächliche Zusammenhang zwischen der Infektion und dem Tod nicht bewiesen, sagte Ludwig. Nach seiner Ansicht sollten sich nur Beschäftigte im Gesundheitsdienst oder Personen mit schweren chronischen Erkrankungen gegen Schweinegrippe impfen lassen.

"Nur an wenigen getestet"

"Tatsache ist, dass insbesondere der Impfstoff, der jetzt verimpft wird in Deutschland, nur an ganz wenigen Personen vor der Zulassung getestet wurde und dass die wesentlichen Erkenntnisse zu den Impfstoffen jetzt natürlich aus einem Versuch nach der Zulassung resultieren müssen - nämlich aus der Impfung von vielen Hunderttausenden in Deutschland und anderen europäischen Ländern."

Der Präsident des für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts, Johannes Löwer, erklärte im "Tagesspiegel", das Feld der Epidemiologie sei in Deutschland unterentwickelt. Das Institut habe begonnen, regelmäßig alle neurologischen Kliniken anzuschreiben. So wolle man die Zahl von Erkrankungen an der Nervenlähmung Guillain-Barré-Syndrom erfahren. Die Krankheit war 1976 nach einer Impfaktion gegen Influenza in den USA vermehrt aufgetreten.

 
 

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