Die Abzocke mit Telefon-Warteschleifen bei Service-Nummern hat die Bundesbürger im vergangenen Jahr einem Zeitungsbericht zufolge knapp 150 Millionen Euro gekostet. Demnach hingen die Deutschen bis zu 616 Millionen Minuten in der Warteschleife.
"Ein heißes Ohr telefonieren." Das macht man gerne mal mit Freunden oder der Familie. Nicht so gerne macht man das im Allgemeinen mit der durchschnittlichen Warteschleife. Im vergangenen Jahr haben die Deutschen 48 Millionen Minuten in solchen - meistens mit Musik bespielten - Warteschleifen zugebracfht.
Bei durchschnittlichen Kosten von 1,20 Euro pro Minute belaufe sich die Gesamtsumme auf 58 Millionen Euro, klagt die Bundestagsfraktion der Grünen laut "Saarbrücker Zeitung". Bei den 0180-Nummern harrten die Bürger sogar 616 Millionen Minuten geduldig am Telefon aus. Bei durchschnittlichen Minutenkosten von 14 Cent seien somit 86 Millionen Euro in die Kassen von Unternehmen ohne Gegenleistung geflossen. Den Grünen zufolge fußt die Berechnung auf Branchenzahlen.
Bund und Länder wollen die Abzocke verbieten. Der Bundesrat hatte jedoch im November ein vom Bundestag verabschiedetes neues Telekommunikationsgesetz mit Änderungswünschen in den Vermittlungsausschuss verwiesen. Strittig sind vor allem andere Aspekte der Reform wie der Ausbau schneller Internetverbindungen in ländlichen Gebieten.
In dem Gesetz ist vorgesehen, dass ein Jahr nach Inkrafttreten Warteschleifen nur noch bei Gratis-Nummern oder für Anrufe bei normalen Ortsvorwahlen geschaltet werden dürfen. Zulässig sollen sie auch bleiben, wenn für den Anruf ein Festpreis gilt oder die angerufene Firma die Kosten trägt.
Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn sagte der Zeitung, die Abzocke gehe unvermindert weiter. Die Bundesregierung tue zu wenig, um konsequent dagegen vorzugehen. Höhn kritisierte, dass es bei der geplanten Neuregelung "ein riesiges Schlupfloch gibt, weil Bandansagen und Menüauswahl nicht unter die Kostenfreiheit fallen". Am 8. Februar tagt erneut der Vermittlungsausschuss.