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09. Februar 2010
 

heute-Nachrichten

 
abgedrängter Airbus. Quelle: dpa,www.lifeleak.com
Ein Amateurvideo hält die kippelige Landung fest.

Beinahe-Flugzeugkatastrophe wird untersucht

Frage nach Landebahn - Piloten verhindern Katastrophe

Nach der Beinahe-Katastrophe eines Lufthansa-Airbus während des Orkantiefs "Emma" haben die Behörden Ermittlungen aufgenommen: Der Flugschreiber und das Verhalten des Piloten werden untersucht. Auch die Pilotenvereinigung Cockpit erhebt Vorwürfe.

 
 
 
 

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) begann mit der Auswertung der Flugschreiber, teilte die Behörde am Montag mit. "Wir werden die Frage stellen müssen, warum das Flugzeug nicht auf der Landebahn 33 gelandet ist, sondern auf der 23, wo der Seitenwind viel stärker war", sagte Lothar Müller von der BFU. Es gebe aber keine Hinweise auf ein Fehlverhalten des Piloten, betonte Müller. "Wir suchen die Ursache, wir verurteilen niemanden."

Andere Landebahn besser?

Cockpit-Vizepräsident, Niels Stüben, sagte am Montag, auf einer zweiten Landebahn sei die Landung der Lufthansa-Maschine am Samstag ja problemlos gelungen. Der Pilot bekomme die Landebahn von Flughafen und Flugsicherung zugewiesen. Die Piloten des Airbus A320 seien beim Anflug wohl "mental schon auf Durchstarten vorbereitet" gewesen, sagte Stüben. Dieses Manöver werde im Simulator immer wieder geübt und sei von den Piloten "sehr professionell durchgeführt" worden.

 

Als die Flügelspitze der A320 von einer Böe auf den Boden gedrückt wurde, sei die Entscheidung zum Durchstarten offenbar schon gefallen gewesen. Die Triebwerke benötigten zwei Sekunden, um von Leerlauf auf Volllast umzuschalten.

"Situation, die man nicht üben kann"

Mit einer fliegerischen Meisterleistung hatte am Samstag der 39 Jahre alte Lufthansa-Kapitän Oliver A. eine Katastrophe verhindert, als seine Maschine beim Landanflug in Hamburg durch eine Böe des Sturms "Emma" erfasst wurde. 131 Passagieren waren an Bord. Bei der Landung berührte der Airbus A 320 an Bord die linke Tragfläche den Boden und wurde beschädigt. Geistesgegenwärtig gab Oliver A. den Triebwerken vollen Schub und startete durch. Nach einer Platzrunde setzte der Airbus "Suhl" knapp eine viertel Stunde später problemlos auf. Ein Lufthansa-Sprecher am Montag: "Eine Situation, wie man sie nie in Wirklichkeit üben kann."

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Wind ein Planungsfaktor

Flugzeuge starten in der Regel gegen den Wind. Dies verkürzt die Startstrecke, zusätzlich zur Geschwindigkeit des Flugzeuges erhöht auch noch der Gegenwind den Auftrieb an den Tragflächen. Bläst der Wind nicht genau von vorn, korrigiert die Besatzung mit den Seiten- oder Querrudern die Abweichung durch den Wind.

An den Flughäfen wird das Wetter kontinuierlich beobachtet und gemessen. Plötzliche Böen lassen sich aber nicht bis ins letzte Detail vorhersagen. Hier ist nicht nur Sturm ein Risikofaktor. Auch sogenannte Scherwinde können dazu führen, dass eine Besatzung den Anflug abbricht. Dies sind Luftströmungen mit schnell wechselnden Richtungen.


Nicht nur bei Lufthansa-Flug 044 verlief die Landung am Samstag kritisch. Auch zahlreiche Maschinen anderer Fluggesellschaften mussten durchstarten, um dann im zweiten Versuch sicher zu landen. Ungewöhnlich hoch, so berichtete der Lufthansa-Sprecher, war überall "der Verbrauch der berühmten Tüten", weil Passagieren übel wurde.

 

Lufthansa-Kapitän Oliver A. und seine Besatzung waren am Montag schon wieder im Dienst. Sie seien "ganz normal auf Mittelstreckenflügen in Europa unterwegs", berichtete Lufthansa-Sprecher Thomas Jachnow. Die Besatzung habe den Vorfall sehr gefasst aufgenommen. A. wolle sich aber nicht öffentlich zu seinem gelungenen Manöver äußern.

 

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Das Durchstarten

Plötzliche Windwechsel oder Hindernisse - in solchen Fällen bricht eine Flugzeugbesatzung in der Regel den Landeanflug ab und startet durch. Das Manöver wirkt recht unsanft: der Pilot schiebt die Gashebel nach vorn, zieht die Maschine hoch, Landeklappen und Fahrwerk werden eingefahren - Wechsel vom Landeanflug zum Start in wenigen Sekunden. Die Verfahren werden aber regelmäßig trainiert und sind nicht gefährlich.

Neben den richtigen Handgriffen geht es bei der Schulung auch um die Entscheidungsfindung: Verläuft die Landung unsicher, dann müssen sich die Piloten schnell entscheiden und den Anflug abbrechen. Ein Durchstartmanöver ist in der Regel ein gutes Zeichen für den Trainingsstand der Piloten. Sie erzwingen die Landung nicht um jeden Preis, sondern entschließen sich aus Sicherheitsgründen für einen zweiten Versuch.