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02. September 2010
 

heute-Nachrichten

 
Euro-Referenzkurs zum US-Dollar. Quelle: ZDF
Der Euro stand auch schon niedriger: Kurs in US-Dollar

Leerverkäufe verboten - Börsianer wenig begeistert

Euro geht erneut in die Knie

Etwas verkaufen, was einem gar nicht gehört und darauf wetten, es günstiger zurückzubekommen - derlei windige Finanzdeals sind in Deutschland seit Mitternacht verboten - vorerst. An den Börsen kommt das nicht gut an - der Euro gab erneut nach.

 
 
 

Deutschland schafft Fakten im Kampf gegen hochspekulative Finanzgeschäfte und verbietet ab sofort bestimmte ungedeckte Leerverkäufe. Ab Mitternacht würden Geschäfte ohne Besitz der Basis-Wertpapiere von Aktien der zehn bedeutendsten deutschen Finanzinstitute untersagt, teilte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Dienstag mit.

Das Verbot betreffe zudem ungedeckte Leerverkäufe von Staatsanleihen von Ländern der Euro-Zone. Ungedeckte Kreditausfallversicherungen - sogenannte Credit Default Swaps oder CDS - auf Ausfallrisiken auf Staaten der Euro-Zone fallen ebenfalls unter die neue Vorschrift. Griechenland hatte vor allem Spekulanten, die auf diese riskanten Finanztitel setzen, vorgeworfen, dass sie die Schuldenkrise Athens verstärkt und von der Panikwelle profitiert hätten. Auch die Euro-Krise sei dadurch geschürt worden.

 
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Börsianer verunsichert

Die Ankündigung setzte den Euro stark unter Druck. Die Gemeinschaftswährung fiel auf ein neues Vier-Jahres-Tief. In Fernost notierte sie am Mittwoch gegenüber dem Dollar bei unter 1,22 Dollar. Die überraschende Entscheidung in Deutschland, bestimmte Leerverkäufe zu verbieten, habe die Verunsicherung der Märkte verstärkt, sagte Aktienstratege Yumi Nishimura von Daiwa Securities.

Auch an den Börsen in Asien und an der Wall Street ging es bergab. Am Markt wird befürchtet, dass die Maßnahmen der Euro-Zone die Erholung der Weltwirtschaft gefährden. Investoren trennten sich vor allem von Tech-Werten, weil sie fürchteten, dass der Fall der Gemeinschaftswährung diese Branche besonders stark belastet. Zudem sind Anleger nervös wegen schärferer Regeln für den Wertpapierhandel.

Infobox

Was sind Leerverkäufe?

Leerverkäufe sind eine der hochriskanten Strategien, die Hedgefonds verfolgen, um Gewinne sowohl in steigenden als auch fallenden Märkten zu erzielen.

  • Bei Leerverkäufen leihen Hedgefonds gegen Provision große Aktienpakete von Fondsgesellschaften oder Banken aus und verkaufen diese an der Börse. Das drückt in der Regel den Kurs. Zu den dann niedrigeren Bewertungen kaufen die Hedgefonds die Papiere zurück und reichen sie an Bank oder Fondsgesellschaft wieder weiter.
  • Bei "gedeckten Leerverkäufen" leihen sich Investoren die zu verkaufenden Aktien.
  • Bei "ungedeckten Leerverkäufen" besitzen sie die Aktien gar nicht, sondern verkaufen Aktien, ohne sie ausgeliehen zu haben. Das ist möglich, weil eine Lieferpflicht für Aktien meist erst nach Tagen besteht. Solche Geschäfte laufen auch mit Staatsanleihen. Solche ungedeckten Leerverkäufe bringen Kurse besonders heftig ins Wanken, vor allem, wenn mehrere Händler einen einzigen Titel als Grundlage für Leerverkäufe nehmen, dann erhöht sich der Umfang drastisch.


Zehn Unternehmen betroffen

Künftig dürfen nach BaFin-Angaben keine ungedeckten Leerverkäufe von Aktien der Allianz, Commerzbank, Deutschen Bank und Münchener Rück, Deutsche Börse, Deutsche Postbank, Hannover Rück, Aareal Bank, Generali Deutschland und MLP mehr gehandelt werden. Die gesamten Verbote gelten bis zum 31. März und werden laufend überprüft. Schon im September 2008 hatte die BaFin ungedeckte Leerverkäufe einer Reihe von Aktien untersagt. Dieses Verbot war aber im Februar 2010 überraschend wieder aufgehoben worden.

Ein Mitglied der Unionsfraktion sagte, Bundeskanzlerin Angela Merkel werde sich am Mittwoch zu dem Verbot äußern. Hintergrund sei das Bemühen der Regierung, dem Primat der Politik in der Finanzkrise wieder Geltung zu verschaffen. Die Bundesanstalt begründete die Maßnahmen mit der außergewöhnlichen Volatilität bei Schuldtiteln von Staaten der Euro-Zone. Zudem hätten sich die CDS-Kosten mehrerer Euro-Staaten zuletzt erheblich ausgeweitet.

 
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Hedgefonds an der Leine

Auch die EU will gegen Spekulanten vorgehen und künftig Hedgefonds stärker kontrollieren. Die EU-Finanzminister beschlossen, dass Manager von Hedgefonds sich künftig erstmals registrieren lassen und Risiken sowie Strategien offenlegen müssen. Widerstand gibt es im Europaparlament. Es will die Zulassung für nicht-europäische Hedgefonds weniger streng regeln. Darauf dringt Großbritannien. In London sitzen rund 80 Prozent der europäischen Hedgefonds. Zudem ist noch völlig offen, ob die EU sich damit durchsetzen kann.

 

Ebenfalls steht völlig in den Sternen, ob der Beschluss der Bundesregierung, eine Finanzmarktsteuer einzuführen, am Ende umgesetzt wird. Darauf hatte sich am Dienstag der Koalitionsausschuss verständigt - obwohl die FDP bislang dagegen war. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält es für unwahrscheinlich, dass eine solche Transaktionssteuer auf EU-Ebene kommt. "Es macht keinen Sinn, Regelungen in Kraft zu bringen, von denen man vorher weiß, sie funktionieren nicht", erklärte er. SPD, Grüne und Linke warfen der Koalition vor, nur halbherzig gegen die Finanzbranche vorzugehen.

 
 
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