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09. Februar 2010
 

heute-Nachrichten

 
Annette Schawan. Quelle: dpa
Mit Freude lernen: Schavan präsentiert einen Mathe-Koffer auf der Messe Didacta.

Schavan: Deutsche Schulen sind besser als ihr Ruf

Bildungsministerin eröffnet Fachmesse Didacta

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat davor gewarnt, das deutsche Schulsystem schlechtzureden. "Wir haben im Bildungswesen weniger eine Qualitätskrise als eine Vertrauenskrise", sagte sie zur Eröffnung der Bildungsmesse Didacta in Stuttgart.

 
 
 

"Wir tun so, als ob Schule nur anstrengend, schädlich und ein Diebstahl von Kindheit sei", sagte Schavan. Das liege auch daran, dass Politiker ständig die verschiedenen Schulformen infrage stellten und damit Eltern und Schüler verunsicherten. So sei zuletzt der Eindruck erweckt worden, die Reform der Gymnasien sei "verkorkst". Tatsächlich sei das achtjährige Gymnasium aber eine sinnvolle Weiterentwicklung.

Ministerpräsident Oettinger kritisiert

"Es wird nirgendwo in Deutschland eine Rolle rückwärts geben", sagte die frühere Kultusministerin von Baden-Württemberg. Schavan kritisierte auch die von Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) angestoßene Diskussion über die Belastung der Gymnasiasten im Südwesten. "Baden-Württemberg ist das modernste Bildungsland. Was soll das Geknatsche?"

 

Schavan forderte eine andere Haltung der deutschen Gesellschaft, um bei der Bildung voranzukommen. "Wir brauchen eine Atmosphäre wie vor hundert Jahren." Damals hätten die Bürger in einer Gesellschaft des Umbruchs gemerkt, dass Kinder die Gestalter von morgen seien. "Das war die Geburtsstunde der Reformpädagogik." Zugleich sprach sich die Ministerin erneut für "die Vergleichbarkeit der Schulabschlüsse" und damit für ein Zentralabitur aus.

 

Schulbuchverlage: Mehr Geld für Bildung

Kritik an der Bildungspolitik kam vom Veranstalter der Didacta, dem Verband der Schulbuchverlage. Der jüngsten Pisa-Studie zufolge entscheide in vielen Fällen noch immer die soziale Herkunft über den Schulerfolg, sagte Verbandschef Wilmar Diepgrond. "Die Durchlässigkeit des Schulsystems hat abgenommen." Er forderte eine Verdopplung der Bildungsausgaben auf eine Milliarde Euro. Im europaweiten Vergleich seien die Investitionen viel zu gering. Die Didacta ist Europas wichtigste Bildungsmesse mit rund 800 Ausstellern aus 17 Nationen.