Sie twittern, mailen, chatten - doch mit dem IT-Basiswissen deutscher Schüler steht es nicht zum Besten. Das hat eine bundesweite Auswertung von 120.000 Online-Tests zum IT-Wissen ergeben. Fast jede zweite Frage wird von Schülern falsch beantwortet.
Wie gut kennen sich die Deutschen mit Computer und Internet aus? Ein bundesweiter IT-Fitness-Test(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) soll darauf eine Antwort geben. Er wurde im März 2007 auf der Computermesse CeBIT gestartet. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Achim Berg, Deutschland-Chef von Microsoft, gaben damals in Hannover prominente Starthilfe.
Seitdem haben mehr als zwei Millionen Internetnutzer den Online-Test absolviert. Die Testergebnisse wurden gesammelt. 120.000 Tests wurden genauer unter die Lupe genommen und statistisch ausgewertet. Das Ergebnis zeigt: Große Teile der Bevölkerung besitzen erhebliche Wissenslücken im Umgang mit Computern und Internet. Das Testergebnis ist aber auch ein Armutszeugnis für das deutsche Bildungswesen.
Denn gerade Schüler und Auszubildende schnitten beim IT-Test besonders schlecht ab. "Viele Jugendliche können jede zweite Frage nach gängigen IT-Basiskenntnissen nicht korrekt beantworten", heißt es in der Testauswertung. Von 42 möglichen Punkten erreichten sie im Mittel gerade einmal 25. Nur Deutschlands Rentner haben noch weniger Ahnung von IT. Sie schneiden aber nur zwei Punkte schlechter ab als ihre Enkel.
Studenten belegen beim Online-Test den Spitzenplatz. Aber auch sie konnten lediglich drei von vier Fragen richtig beantworten. Mit seinen durchschnittlich 31,5 Testpunkten lag der akademische Nachwuchs nur 3,5 Punkte über dem Durchschnitt aller Deutschen (28 Punkte). Ein berauschendes Ergebnis sieht anders aus.
Der Online-Test zum IT-Wissen besteht aus 42 Fragen - davon zehn Fragen zum Thema "PC-Grundlagen und Betriebssystem" sowie jeweils acht Fragen zu den Bereichen Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Internet und E-Mail. Für jede richtige Antwort gibt es einen Punkt. Im Durchschnitt wurden 28,10 Punkte erreicht.
Am besten schnitten Studenten ab. Sie erreichten im Durchschnitt 31,51 Punkte - gefolgt von Lehrern (30,51 Punkte) und Beamten (30,28). Besonders mangelhaft ist das Computerwissen bei Auszubildenden (28,23 Punkte), Arbeitssuchenden (27,45), Schülern (25,54) sowie Rentnern (22,98).
Frauen sind noch immer weniger "IT-fit" als Männer - auch das ist ein Ergebnis der Studie. "Vor allem Frauen zwischen 30 und 40 Jahren fehlt das Computerwissen, das für einen erfolgreichen Wiedereinstieg in den Beruf, etwa nach einer Mutterpause, nötig ist", heißt es in der Studie.
Nach Bundesländern aufgeschlüsselt ergibt sich folgendes Bild: Bayern (durchschnittlich 31,26 Punkte), Baden-Württemberg (30,91) und Nordrhein-Westfalen (30,69) führen die Liste an. Schlusslichter sind Sachsen-Anhalt (21,65 Punkte), das Saarland (21,44) und Bremen (20,50). Vor allem in den neuen Bundesländern mit hoher Arbeitslosigkeit sei die IT-Fitness laut Studie gering.
"Vielen Menschen in Deutschland mangelt es an grundlegenden berufsrelevanten IT-Kenntnissen", kommentiert Microsoft-Chef Berg die Testergebnisse. "Gerade junge Menschen, die an der Schwelle von Ausbildung und Beruf stehen, weisen besorgniserregende Wissenslücken auf." Das Ergebnis sei "alarmierend" und ein "Weckruf für die Politik". Ob dieser Weckruf auch gehört wird, kann bezweifelt werden. Ertönt er doch keinesfalls zum ersten Mal.
Schon die PISA-Studie von 2006 hatte den deutschen Schulen beim Einsatz von Computern ein deutliches "ungenügend" ins Zeugnis geschrieben. Im Vergleich aller OECD-Staaten bekam Deutschland als Schlusslicht die rote IT-Bildungslaterne verpasst. In keinem anderen OECD-Land werde der Computer als schulisches Lernwerkzeug seltener eingesetzt, hieß es in der Studie.
Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Untersuchung, die die von Microsoft unterstützte Initiative IT-Fitness vor zwei Jahren in Auftrag gegeben hat. Das Ergebnis damals: Schule findet in Deutschland weitgehend unter Ausschluss der modernen Kommunikationstechnik statt.
Jeder dritte Schüler komme im Unterricht nie mit Computern und Internet in Kontakt. Ein weiteres Drittel dürfe pro Woche nicht mehr als zwei Stunden vor einem schulischen Rechner sitzen. Der Rest lerne länger am PC - meist im Informatikunterricht, obwohl selbst Informatik in vielen Fällen nur in einer Art Trockenübung unterrichtet werde. Zwei von zehn Schülern erklärten, auch im Informatikunterricht den Computer "eher selten" zu benutzen.
Kritiker werfen dem IT-Test vor, er sei zu Microsoft-lastig. Tatsächlich beziehen sich viele Fragen auf den Umgang mit Programmen aus dem Hause Microsoft. Wer die Programme anderer Anbieter nutzt und zudem mit einem anderen Betriebssystem als Windows arbeitet, ist zweifellos im Nachteil und kann einen Teil der Fragen nicht beantworten.
Inwieweit das Gesamtergebnis des IT-Tests dadurch verfälscht wird, lässt sich nicht beantworten. Zu berücksichtigen sind jedoch die hohen Marktanteile, die Microsoft bei Betriebssystemen und Bürosoftware in allen Altersklassen und sozialen Schichten besitzt. Grundlegend andere Ergebnisse sind deshalb auch mit weniger Microsoft-lastigen Fragen nicht zu erwarten. Die Tendenz der Untersuchung hat Bestand: Computerwissen mangelhaft.
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