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09. Februar 2010
 

heute-Nachrichten

 
Papst Benedikt empfängt Künstler in der Sixtinischen Kapelle. Quelle: reuters

Papst will Freundschaft zwischen Kirche und Kunst erneuern

Treffen in der sixtinischen Kapelle

Kunst trifft Kirche: In die Sixtinische Kapelle hatte Papst Benedikt XVI. viele Künstler eingeladen. Er rief zur Erneuerung der Freundschaft zwischen Kirche und Kunst auf.

 
 
 
 

Zu ihr zählten bedeutende Architekten wie Daniel Libeskind (Jüdisches Museum, Berlin), die aus dem Irak stammende Zaha Hadid (Phaeno-Museum, Wolfsburg) oder der estländische Komponist Arvo Pärt und sein eher aus dem Kino bekannter Kollege Ennio Morricone ("Spiel mir das Lied vom Tod").

 

Deutscher Theaterregisseur dabei

Auch der deutsche Theaterregisseur Peter Stein und der britische Filmemacher Peter Greenaway suchten das Gespräch mit dem Kirchenoberhaupt. Als prominentester Vertreter der leichten Unterhaltung hatte sich der italienische Schauspieler Terence Hill vor Michelangelos jüngstem Gericht eingefunden.

 

An diesem hochsymbolischen Ort streckte Benedikt XVI. seinen Gästen eine Hand entgegen: Er rief zur Erneuerung der Freundschaft zwischen Kirche und Kunst auf. Die Künstler bezeichnete der Papst als "Hüter der Schönheit" und "Botschafter der Hoffnung für die Menschheit". Zugleich erinnerte er sie an die transzendenten Quellen ihres Schaffens. "Der Glaube nimmt nichts von eurem Genius, Eurer Kunst weg."

 

An Vorgänger-Initiativen angeknüpft

Mit dem Künstlertreffen knüpfte Benedikt XVI. an die Initiativen seiner Vorgänger Johannes Paul II. und Paul VI. an. Der polnische Papst warb vor zehn Jahren in einem Brief an die Künstler für ein "fruchtbares Bündnis zwischen Evangelium und Kunst". 35 Jahre zuvor, 1964, hatte Paul VI. mit einem ersten Künstlertreffen in der Sixtinischen Kapelle versucht, den, wie er sagte, "verlorenen Faden" im Gespräch zwischen Kirche und zeitgenössischer Kunst wiederaufzunehmen. Anders als Benedikt XVI. feierte Paul VI. in der Sixtinischen Kapelle damals noch eine Messe und empfing nahezu ausschließlich italienische Künstler.

 

Der amtierende Papst hingegen hat den Kreis der Gäste erheblich erweitert: Unter ihnen sind nun neben Katholiken auch Christen anderer Konfessionen, Anhänger nichtchristlicher Religionen sowie Agnostiker und Atheisten vertreten. Dass allein die ästhetische Qualität sowie eine Offenheit für existenzielle Fragen und nicht etwa der Taufschein für die Einladung ausschlaggebend war, betonte auch Erzbischof Gianfranco Ravasi, Präsident des Päpstlichen Kulturrates und Organisator der Zusammenkunft.

 

Keine Erneuerung der sakralen Kunst

Der Erwartung, dass nun umgehend eine Erneuerung der sakralen Kunst anstehe, trat der Erzbischof jedoch schon im Vorhinein entgegen. Zwar hatte eine Gruppe von Künstlern und Intellektuellen, unter ihnen der Schriftsteller Martin Mosebach, vor zwei Wochen die Renaissance einer "wahrhaften und zutiefst katholischen" Kunst gefordert - 1.300 Unterzeichner unterstützen bislang den Appell. Ravasi stellt sich die Annäherung zwischen Kirche und Kunst jedoch behutsamer und vor allem weniger zweckgerichtet vor.

 

Einen Eindruck davon, wie es um das Gespräch zwischen Kirche und moderner Kunst derzeit bestellt ist, konnten sich die 260 Gäste des Papstes am Freitag in der Sammlung für moderne Kunst der Vatikanischen Museen machen. Die etwa 500 Bilder, Skulpturen und Grafiken umfassende Abteilung hatte Paul VI. 1973 eröffnet. Neben Werken von Chagall, Dali, Matisse sind dort auch Gemälde von Paul Klee, Otto Dix und Ernst Ludwig Kirchner zu sehen. Initialzündung für die Einrichtung dieser Sammlung war das erste Künstlertreffen im Jahr 1964.