Google hat seinen Übersetzungsdienst "Translate" aufgebohrt. Sprachausgabe, simultane Übersetzung und weitere Neuerungen sollen fremdsprachige Texte zugänglicher machen. Mehr als ein Wort-für-Wort-Übersetzer ist es aber nicht, sagen Experten.
Do sure ba densha no eki ni ike masu ha? Wer da nur Bahnhof versteht, liegt goldrichtig. "Wie komme ich am schnellsten zum Bahnhof?" lautet die Übersetzung des obigen Satzes in Japanisch. Das behauptet zumindest der Google-Dienst "Translate", der ihn ausgespuckt hat. Dessen Leistungsumfang wurde vor kurzem um mehrere Funktionen erweitert, die das Übersetzen von Wörtern und ganzen Sätzen per Mausklick künftig zum Kinderspiel machen sollen.
Die offensichtlichste Neuerung bemerkt der User gleich, nachdem er loslegt. So werden Vokabeln in "Translate" jetzt direkt beim Eintippen in die Zielsprache übersetzt, das lästige Anklicken des "Übersetzen"-Buttons entfällt. Wird ins Englische übersetzt, erscheint neben dem fertig übersetzten Begriff zusätzlich ein Lautsprechersymbol. Ein Klick darauf - schon erklingt die Stimme eines Muttersprachlers, der ihn korrekt ausspricht.

Den Service könnte man auch gut für die exotischen unter den insgesamt 51 vorhandenen Sprachen gebrauchen, die nicht auf dem lateinischen Alphabet basieren. Doch da muss der Google-Dienst vorerst leider passen. Als kleine Entschädigung gibt's stattdessen für einige Sprachen wie Chinesisch und Japanisch eine Umschrift, mit der man die angezeigten Vokabeln wenigstens halbwegs richtig aussprechen kann.
Wichtiger als der Bedienkomfort ist jedoch die Frage nach der Qualität der gelieferten Übersetzungen. Margrit Lingner von der Computerzeitschrift "PCGo" sieht "Translate" hier kritisch: "Als ernsthafte Übersetzungsmaschine kann man Google Translate nicht einsetzen", lautet das Urteil der Software-Expertin. "Hilfreich", so fügt sie hinzu, "ist der Dienst aber allemal, wenn man einfach den Sinn eines fremdsprachigen Textes verstehen will. Es bleibt aber im Wesentlichen ein Wort-für-Wort-Übersetzer."
Kritisch sehen auch Sprachen-Profis den Dienst. Norma Keßler etwa, Vizepräsidentin des Bundesverbandes der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ), bemängelt bei "Translate" dessen Fähigkeit, Begriffe direkt in die Zielsprache zu übersetzen: "Gerade das 'simultane' Übersetzen macht es kaum möglich, ein komplizierteres Verb oder ein Satzgefüge korrekt zu erfassen und in die andere Sprache zu übersetzen." Übersetzen, so die diplomierte Übersetzerin gegenüber heute.de, sei eben nicht bloß "Wörter austauschen".
Entscheidend, so Keßler weiter, sei letzten Endes aber, für welchen Zweck übersetzt wird: "Für Privatpersonen mit einem einfachen englischen Ausgangstext kann Google Translate nützlich sein." Wer beispielsweise eine kurze Nachricht oder ganz grob den Inhalt eines Artikels wissen möchte, ist nach Ansicht der Übersetzerin mit dem Dienst ganz gut bedient. Anders sehe es dagegen bei wichtigen Texten wie Verträgen oder Broschüren aus, die ein Unternehmen benötigt. Für diese komplizierten Dokumente wird nach wie vor ein Humanübersetzer gebraucht.
Die BDÜ-Vizepräsidentin kennt aber noch einen weiteren Grund, weshalb Firmen, aber auch Private dem Online-Dienst keine allzu vertraulichen Texte anvertrauen sollten: Bei Google "Translate" handelt es sich nämlich um ein so genanntes Translation-Memory-System. Soll heißen: Der Übersetzungsdienst verfügt über eine interne Datenbank, die sich fortlaufend aus den einmal eingegebenen Texten der Anwendern speist. Dieses Wissen wird anschließend allen Nutzern zur Verfügung gestellt und somit öffentlich. "Das mag für Privatpersonen in Ordnung sein", sagt Keßler. "Aber es birgt Risiken für die geschäftliche Nutzung."