Die größte Maschine der Welt läuft wieder. Nach einer schweren Panne und einer langwierigen Reparatur fuhren Forscher den Teilchenbeschleuniger LHC bei Genf wieder hoch. Mit der Anlage wollen sie den Urknall simulieren.
Nach monatelangen Reparaturen raste der erste Teilchenstrahl am Freitagabend wieder durch den 27 Kilometer langen Ringbeschleuniger bei Genf, meldete das europäische Teilchenforschungszentrum CERN. "Es ist großartig, dass der Strahl wieder zirkuliert", sagte CERN-Generaldirektor Rolf Heuer.
Nachdem Pannen den Erststart des spektakulären Projektes im Sommer 2008 zum Fiasko hatten werden lassen, lief nun alles nach Plan. Tatsächlich floss der erste Protonenstrahl neun Stunden früher als erwartet. "Wir mussten einige Wissenschaftler zurückrufen, sie waren schon nach Hause gegangen", sagte Gillies. Wenige Stunden später wurde ein zweiter Protonenstrahl in entgegengesetzter Richtung auf den Weg gebracht, der entscheidende Schritt für die Protonenkollision.
Der LHC hatte seine Betriebstemperatur von minus 271 Grad Celsius schon am 8. Oktober dieses Jahres erreicht. Erste Teilchen wurden am 23. Oktober in die Maschine gegeben, die jedoch noch nicht zirkulierten. Erste "langsame" Teilchenzusammenstöße soll es laut CERN in etwa einer Woche geben.
Der Large Hadron Collider (LHC) war im vergangenen Jahr unter großem Interesse der Öffentlichkeit gestartet worden, musste aber bereits 36 Stunden nach der Inbetriebnahme wegen eines Problems an einem Transformator abgeschaltet werden. 53 der 9.300 Magneten der Anlage wurden beschädigt. Die Reparaturarbeiten dauerten mehr als ein Jahr. Zuletzt hatte Anfang November ein Brotstückchen, das ein Vogel in einer Außenanlage verloren hatte, einen Notstopp ausgelöst.
Der Large Hadron Collider (LHC) ist der größte jemals gebaute Teilchenbeschleuniger. In dem 27 Kilometer langen und knapp 4 Meter hohen Tunnel im schweizerisch-französischen Grenzgebiet bei Genf werden die kleinsten Bausteine der Materie, Elementarteilchen, nahezu auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt. Supraleitende Magneten halten sie auf der Kreisbahn. Bei voller Energie besitzt jeder Protonen-Strahl soviel Energie wie ein Auto bei einer Geschwindigkeit von 1.600 Kilometern in der Stunde. Bis zu eine Milliarde Mal pro Sekunde prallen dann einzelne Protonen aufeinander. Deren elementare Bestandteile - Quarks und Gluonen - erzeugen neue Teilchen und Energie. Es werden Temperaturen erreicht wie in der ersten Billionstelsekunde nach dem Urknall. Die Beobachtung der Prozesse im LHC, für die gigantische Detektoren gebaut wurden, ist daher wie ein Blick auf einen Moment kurz nach der Entstehung des Universums im Urknall.
Mit der rund drei Milliarden Euro teuren Anlage wollen die Physiker dem Urknall so nahe kommen wie nie zuvor und fundamentale Erkenntnisse über die Natur gewinnen. Sie erhoffen sich Antworten auf grundlegende Fragen nach der Entstehung und dem Aufbau des Universums und Hinweise auf die Natur der rätselhaften Dunklen Materie und der ebenso mysteriösen Dunklen Energie, die zusammen rund 95 Prozent des Universums ausmachen sollen. Die ersten Experimente sollen im kommenden Jahr durchgeführt werden.