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20. März 2010
 

heute-Nachrichten

 
"The Berlin Twitter Wall" berichten Nutzer, was sie zum Thema Mauerfall bewegt.

Chinesen besetzen Berliner Mauer

Mitmach-Mauer gegen die "Große Firewall"

von Anatol Locker

Auf "The Berlin Twitter Wall" berichten Nutzer, was sie zum Thema Mauerfall bewegt. Seit chinesische Blogger das Berliner Kulturprojekt nutzen, um gegen Zensur zu protestieren, ist die Seite in China nicht mehr erreichbar.

 
 
 

"Teile der Welt deine Gedanken zum Fall der Berliner Mauer mit oder sag uns, welche Mauern noch fallen sollen, damit die Welt lebenswerter wird." Mit diesem Aufruf startete die Organisation "Kulturprojekte Berlin" am 20. Oktober die "BerlinTwitterWall". Mitmachen ist einfach: Wer seine Twitter-Nachricht mit "#fotw" versieht, kann sie Minuten später auf der BerlinTwitterWall lesen. Das kryptische Kürzel steht übrigens für "Fall of the Wall".

 

Berliner Mauer, Chinesische Mauer

Die animierte Webseite ist hübsch aufgemacht: Die Nachrichten scrollen die Berliner Mauer im Spaziergang-Tempo entlang. Über 4600 Menschen teilten bislang ihre Gedanken, Erinnerungen und Wünsche zum Mauerfall in maximal 140 Zeichen mit. Doch deutsche Posts sind rar - die meisten Nutzer schreiben chinesisch. Der Grund: Die chinesische Webinitiative "China Great Firewall" hatte über ihre Mailingliste einen Hinweis auf die "BerlinTwitterWall" verbreitet. "Wenn die chinesischen Internetnutzer weiter posten, dann wird diese virtuelle Berliner Mauer zur größten Mauer der Demokratie für China", so der Aufruf.

 
Wo waren Sie, als die Mauer fiel?
 

Danach stiegen die Beiträge chinesischer Nutzer rapide an: Blogger und Systemkritiker nutzen die virtuelle Pinnwand, um Nachrichten zu hinterlassen. Die meisten Posts fordern ein Ende der "großen Firewall": Die chinesischen Behörden zensieren das Internet mit einem Bündel von Maßnahmen, die als "Der Goldene Schild" oder "Die große Firewall" bekannt sind. Der Name spielt mit den Bezeichnungen der Chinesischen Mauer und einer Netzwerks-Sicherheitskomponente ("Firewall"). Am Montag reagierten die chinesischen Behörden. Seitdem ist die "BerlinTwitterWall" in China nicht mehr zu erreichen.

Proteste gegen chinesische Sperren

Neben dem Berliner Bürgermeister Wowereit kritisierte die Organisation "Reporter ohne Grenzen" die Blockade scharf. "Chinesischen Internetnutzern darf der Zugang zur Berliner Aktion nicht verwehrt werden", so Reporter ohne Grenzen, "Initiativen wie die diese sind wichtige Plattformen für den freien Meinungsaustausch, für kritische Stimmen und Proteste." Erst wenige Wochen zuvor haben sich Repräsentanten Chinas bei der Frankfurter Buchmesse für eine Förderung des kulturellen Austausches ausgesprochen. "Gleichzeitig bleiben viele ausländische Informationsseiten sowie soziale Netzwerkseiten für chinesische Nutzer und Nutzerinnen weiterhin nicht erreichbar."

 

Mit einer Geschwindigkeit von etwa 150 Tweets pro Tag wird die Mauer immer länger - und die Appelle für Meinungsfreiheit immer drängender. Dabei mehren sich die Tweets, die den amerikanischen Präsidenten Obama auffordern, sich für ein Ende der "Great Firewall" einzusetzen.