Der neue Chef des Europaparlaments findet keine guten Worte für das Euro-Krisenmanagement. Es werde viel diskutiert, ohne Lösungen zu finden. Die Länderchefs kochten zu sehr ihr eigenes Süppchen. Aber: Die Eurozone sei eine Schicksalsgemeinschaft.
Das von Deutschland geführte Euro-Krisenmanagement sei bisher unzureichend, sagte Martin Schulz (SPD) im ZDF. "Erfolgreich war das Krisenmanagement bisher sicher nicht". Seit zwei Jahren werde über viele Lösungsansätze diskutiert, aber keine Lösung gefunden.
Die Regierungschefs kämpften mit dem Problem, einerseits in ihrem Land Mehrheiten hinter sich bringen zu wollen und gleichzeitig in Brüssel den Euro stabil zu halten. "Man hat in den letzten zwei Jahren doch zu oft das Gefühl gehabt, das eben der Blick nach Hause wichtiger ist als das europäische Gemeinschaftswerk", kritisierte Schulz. Weil die nationalen Vorbehalte zu groß seien, könnten sich die Regierungschefs in Brüssel nicht einigen.
Schulz forderte Deutschland auf, es solle seine Ablehnung eines stärkeren finanziellen Engagements überdenken. "Wir müssen uns eine nüchterne Frage stellen: Was ist größeres Risiko? Wenn wir tatsächlich uns nicht stärker engagieren und der Euro wirklich in Gefahr kommt? Ist das für die deutsche Wirtschaft nicht das größere Risiko als wenn wir sagen, wir engagieren uns stärker?"
Es sei nicht richtig, dass jedes Land für sich seine Probleme in Ordnung bringen müsse. Denn wenn das griechische Bankensystem zusammenbreche, seien auch die deutschen Banken mit betroffen, sagte Schulz. "Der Euro und die Eurozone ist längst nicht mehr nur eine Währungsunion. Wir sind auch eine Schicksalsgemeinschaft. Entweder wir gewinnen alle oder wir verlieren alle."
Auch Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker hält einen größeren Beitrag der Euro-Länder beim Schuldenerlass für Griechenland für notwendig. "Wenn die griechische Schuldentragfähigkeit unter Beweis gestellt wird und es ein Gesamtverständnis mit dem privaten Sektor gibt, wird sich auch der öffentliche Sektor fragen müssen, ob er nicht die Hilfestellung leistet", sagte der luxemburgische Regierungschef der österreichischen Zeitung "Der Standard". Ob die Europäische Zentralbank (EZB) sich beteilige, sei aber allein Sache der unabhängigen Notenbank.
Juncker forderte die Banken auf, den Griechen ein besseres Angebot zu machen. Das Ziel, Griechenlands öffentliche Verschuldung bis 2020 auf 120 Prozent seiner Wirtschaftsleistung zu reduzieren, sei wohl nicht mehr "zur Gänze" erreichbar. "Das hat zur Folge, dass das Angebot der Banken, was die Verzinsung der neuen griechischen Anleihen betrifft, noch verbessert werden muss."