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01. August 2010
 

heute-Nachrichten

 
Iranische Urananreicherungsanlage in Natans. Quelle: dpa
Atomanlage in Natans

Konfrontationskurs: Iran baut weitere Atomanlagen

Trotz Protesten: Teheran fährt Urananreicherung hoch

Iran geht im Atomstreit auf Konfrontationskurs und fährt die Urananreicherung hoch: Am Dienstag soll die Produktion in Natans beginnen, zehn weitere Anlagen will Teheran in diesem Jahr errichten.

 
 
 

Nach Angaben des iranischen Atombehörden-Chefs Ali Akbar Salehi will Teheran am Dienstag in Natans die Produktion von auf 20 Prozent angereichertem Kernbrennstoff starten. Inspektoren der Internationalen Atombehörde IAEA sollen dabei anwesend sein. Innerhalb eines Jahres sollen zehn weitere Urananreicherungsanlagen errichtet werden. Das kündigte Salehi am Montag an. Schon im Vorjahr hatte Teheran Bedarf für zehn Anlagen angemeldet, doch wurden bisher nur Standorte ausgewählt. Salehi will am Montag die Internationale Atombehörde in Wien über den Beginn der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent informieren.

"Weiter zu Abkommen bereit"

Der Behördenleiter hatte noch am Vorabend betont, dass Teheran gezwungen sei, die Anreicherung selbst vorzunehmen, da es kein anderes Abkommen gegeben habe. "Wir sind weiter zu einem Abkommen über einen Austausch bereit und wann immer eine Übereinkunft getroffen wird und sobald wir den Brennstoff aus dem Ausland erhalten, werden wir den Anreicherungsprozess (auf 20 Prozent) stoppen", sagte Salehi weiter.

 

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte den Schritt zuvor bereits angekündigt und damit empörte Reaktionen hervorgerufen. Die USA und Deutschland drohten der Islamischen Republik mit einer Verschärfung der Sanktionen.

 

Infobox

Urananreicherung

Uran ist der Ausgangsstoff für Kernenergie. Bevor jedoch aus Uran Energie erzeugt werden kann, sind technisch anspruchsvolle Arbeitsschritte notwendig. Das in der Natur vorkommende Uran enthält nur zu etwa 0,7 Prozent das spaltbare und damit für die Kernenergie verwertbare Isotop Uran-235. Der Rest ist das nicht spaltbare Uran-238. Der natürliche Anteil an Uran-235 reicht für Energiezwecke bei weitem nicht aus.

Daher wird die Konzentration auf drei bis fünf Prozent erhöht. Meist mit Hilfe von Gaszentrifugen wird aus Natururan ein angereicherter und ein abgereicherter Teil hergestellt. Dieser Vorgang wird als Urananreicherung bezeichnet. Die Anreicherung auf 3,5 Prozent für den Einsatz in Kernkraftwerken kann der Iran inzwischen selbst bewerkstelligen. Für den Einsatz in medizinischen Reaktoren - etwa für die Krebstherapie - wird ein Anreicherungsgrad von 20 Prozent benötigt. Uran gilt dann bereits als hochangereichert.

Es wird befürchtet, dass der Iran in einer weiteren Stufe Uran noch höher anreichern könnte, um schließlich die Fähigkeit zum Bau von Atombomben zu erlangen. Für Atomwaffen ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent erforderlich. Deshalb will die Weltgemeinschaft auch die niedrigere Anreicherung nicht im Iran selbst zulassen, sondern im Ausland aufbereitetes Uran liefern.

 

US-Senator droht mit Militärschlag

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz war Teheran am Wochenende mit seinen Forderungen gescheitert, unter einer Reihe von Bedingungen Uran im Ausland anreichern zu lassen, so dass es nicht mehr waffenfähig sei. US-Verteidigungsminister Robert Gates sagte, wenn die internationale Gemeinschaft jetzt zusammenstehe, könnten Sanktionen noch wirken. Der einflussreiche US-Senator Joe Lieberman sagte in München, wenn "harte wirtschaftliche Sanktionen" nicht fruchteten, bleibe nur eine militärische Aktion.

 
Irans Angebot: Mottaki kann in München nicht überzeugen
 

Auch der deutsche Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg reagierte empört und forderte Sanktionen des Weltsicherheitsrats, um iranische Atomwaffen zu verhindern. Iran habe die ausgestreckte Hand der internationalen Gemeinschaft erneut "nicht nur nicht ergriffen, sondern weggeschlagen". Der Auftritt des iranischen Außenministers Manutschehr Mottaki vor den 300 Teilnehmern der Sicherheitskonferenz sei ein enttäuschendes Schauspiel gewesen.

 

China fordert Geduld

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte, er habe deutsche Wirtschaftsvertreter bereits auf mögliche Sanktionen gegen Iran vorbereitet. Iranische Atomwaffen würden die gesamte Region destabilisieren und ein weltweites nukleares Wettrüsten auslösen. Im ZDF betonte der FDP-Chef am Sonntagabend, eine Lösung müsse auf dem Verhandlungsweg erreicht werden: "Überlegungen irgendwelcher militärischer Optionen gibt es in der Bundesregierung nicht, und dabei bleibt es."

 

Auch der russische Außenminister Sergej Lawrow nannte iranische Atomwaffen inakzeptabel, sprach aber nicht von Sanktionen. Nur der chinesische Außenminister Yang Jiechi hatte ausdrücklich mehr Geduld mit Iran gefordert. Mit der Anordnung zur Uran-Anreicherung setzt sich Iran allerdings offen über eine auch von China mitgetragene Resolution des Sicherheitsrates hinweg.

 

Der iranische Außenminister Mottaki hatte in München beteuert, ein Ende des Atomstreits mit der UN sei in greifbarer Nähe. Sein Land sei unter einer Reihe von Bedingungen bereit, Uran für einen Forschungsreaktor im Ausland anreichern zu lassen, so dass es nicht mehr waffenfähig sei. Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Yukiya Amano, sagte dagegen, Mottaki habe keinen konkreten Vorschlag unterbreitet. Guttenberg sagte, Iran habe nur auf Zeit gespielt.

 
 
 
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