Erst ein Dementi, dann eine Bestätigung: Verschiedene Berichte über NATO-Luftschläge auf die libysche Hauptstadt Tripolis haben Verwirrung ausgelöst. Am Boden gehen die Kämpfe indes weiter.
Zunächst hatte eine NATO-Sprecherin nur Angriffe 40 Kilometer südlich von Tripolis bestätigt, Berichte über Luftschläge in Tripolis aber bestritten. Später erklärte ein Offizieller, dass NATO-Piloten offenbar auch Ziele nahe des Stadtzentrums getroffen hätten. "Wir haben keine exakten Details", erklärte er.
Auch Augenzeugen hatten berichtet, es habe vier Explosionen in Tripolis gegeben und es sei Rauch zu sehen gewesen. Mehrere NATO-Flugzeuge hätten Tripolis überflogen. Eine schwere Explosion im Bereich der Residenz von Muammar al-Gaddafi in Bab al-Asisija im Süden der Stadt sei zu hören gewesen, zitierte die AFP Korrespondenten. Das Staats-TV hatte auch berichtet, dass es bei den Luftschlägen in Tripolis zivile Opfer gegeben habe.
Gaddafis Residenz war seit dem Eingreifen der internationalen Gemeinschaft in den Libyen-Konflikt bereits mehrfach Ziel von Luftangriffen. Ende März war auf dem Gelände ein Verwaltungsgebäude zerstört worden, als der Libyen-Einsatz noch unter Führung von Frankreich, Großbritannien und den USA gestanden hatte.
Auch in Sirte, der Heimatstadt von Gaddafi, soll es Luftangriffe gegeben haben. Augenzeugen sagten, sie hätten vermutlich einem militärischen Ziel gegolten. In der libyschen Stadt Adschdabija lieferten sich Gegner und Gaddafi-Anhänger schwere Schusswechsel. Wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete, ereigneten sich die Kämpfe am Nachmittag im Westen der Stadt. Gaddafis Truppen schossen mit Mörsern, die Rebellen feuerten Raketen ab.
Das libysche Staats-Fernsehen sendete Aufnahmen, die Gaddafi während der Luftangriffe zeigen sollen. Der libysche Machthaber wird darin offenbar in einem Auto durch Tripolis gefahren. Gaddafi, mit Safari-Hut und Sonnenbrille, recke in dem Video seine Fäuste in die Höhe, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.
Seit Tagen liefern sich die gegnerischen Lager heftige Kämpfe um die ostlibysche Stadt, die 160 Kilometer südlich der Rebellenhochburg Bengasi liegt. Nach schweren Kämpfen am Wochenende hatten die Rebellen die Stadt am Montag von den Gaddafi-treuen Truppen zurückerobert.
Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira meldete unter Berufung auf die Aufständischen, die Regierungstruppen hätten ein Gebiet in der Nähe des Hafens der seit Wochen belagerten westlichen Stadt Misrata angegriffen. 23 Menschen seien getötet worden, darunter drei Ägypter.