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09. Februar 2010
 

heute-Nachrichten

 
Der Dalai Lama grüßt die Menge in Neu-Anspach. Quelle: reuters
Der Dalai Lama betont für sich stets den Anspruch auf Gewaltlosigkeit.

Peking: "Dalai Lama nimmt Olympia als Geisel"

Tibetische Dissidenten kündigen Protest bei Fackel-Entzündung an

Chinas Kommunisten haben dem Dalai Lama vorgeworfen, er nehme Olympia als Geisel, um Zugeständnisse für die Unabhängigkeit Tibets zu erzwingen. Der Dalai Lama wies das zurück. Dissidenten kündigten Proteste bei der Fackel-Entzündung in Olympia an.

 
 
 

"Ich habe es immer unterstützt, dass die Olympischen Spiele in China stattfinden", sagte der Dalai Lama in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. China verdiene als bevölkerungsreichstes Land der Welt die Olympischen Spiele, betonte er. Der Dalai Lama versicherte wiederholt, er strebe nach einer Autonomie Tibets, nicht nach einer Unabhängigkeit von China. In einem am Sonntag in mehreren chinesischen Zeitungen veröffentlichten Leitartikel hatte es geheißen, die "Clique des Dalai Lama" wolle die Spiele als "Geisel" nehmen und Peking zum Nachgeben beim Thema "Unabhängigkeit Tibets" zwingen.

 

1000 Polizisten sollen Feier sichern

Eine Gruppe tibetischer Dissidenten will am Ostermontag im antiken Olympia gegen die feierliche Entzündung der Fackel für die Olympischen Spiele protestieren. Der Sprecher der Organisation Studenten für ein freies Tibet, Tenzin Dorjee, forderte das Internationale Olympische Komitee (IOC) dazu auf, Tibet von der Liste der Regionen zu streichen, durch die die Fackel getragen werden soll. "Die chinesische Regierung hat Blut an ihren Händen", sagte Dorjee. Griechenland will rund 1000 Polizisten aufbieten, um protibetische Proteste von der Feier fernzuhalten, zu der auch IOC-Präsident Jacques Rogge erwartet wird.

 

Die chinesische Regierung erklärte inzwischen die Unruhen in Tibet und den angrenzenden Regionen für eingedämmt. Bei den Protesten in Lhasa in der vergangenen Woche waren Peking zufolge 19 Menschen getötet worden, davon 18 Zivilisten und ein Polizist. Die tibetische Exilregierung in der indischen Stadt Dharamsala spricht von fast hundert Toten.

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IOC fordert Ende der Gewalt

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat sich für ein rasches Ende der Gewalt in Tibet ausgesprochen und zugleich die diesjährigen Sommerspiele in China verteidigt. Der Konflikt in Tibet sollte so schnell wie möglich und auf friedlichem Wege gelöst werden, erklärte IOC-Präsident Jacques Rogge am Sonntag. Gewalt, aus welchem Grunde auch immer, widerspreche den Olympischen Werten und dem Olympischen Geist.

Rogge fügte jedoch hinzu, dass das IOC keine politische Organisation sei. Wichtigste Aufgabe des Komitees sei es vielmehr, für die Sportler die bestmöglichen Olympischen Spiele zu veranstalten. Er glaube fest daran, dass das Großereignis zu einem Wandel in China beitrage.


Die chinesischen Sicherheitskräfte gingen gegen die Demonstranten hart vor und veröffentlichten am Freitag Fotos von 19 Menschen, die sie im Zusammenhang mit den Protesten suchen. Ob die Proteste noch andauern ist unklar, da es sehr wenig verlässliche Informationen aus den Protest-Regionen gibt.

Gewaltverzicht betont

China macht indes weiter gegen den Dalai Lama Front. Der Friedensnobelpreisträger und seine Anhänger planten mit Hilfe von Muslim-Separatisten aus der nordwestchinesischen Region Xinjiang Anschläge, um die Aufmerksamkeit der Welt auf sich zu lenken, hieß es in der Zeitung "Renmin Ribao" weiter.

 

Dies zeige, dass die Friedenspolitik des Dalai Lama von Anfang bis Ende eine Lüge sei. Der Dalai Lama - das geistlichwe Oberhaupt der Tibeter - hat bereits ähnliche Vorwürfe der Chinesen zurückgewiesen und alle Beteiligten zum Gewaltverzicht aufgerufen.

 

Kritik an westlichen Medien

Andere staatliche chinesische Medien kritisieren indes die westliche Berichterstattung über die Unruhen in Lhasa und anderen chinesischen Provinzen. Zehntausende chinesische Internetnutzer hätten sich über die ungerechte Berichterstattung beschwert, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

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Taiwans Wahlsieger erwägt Olympia-Boykott

Der Sieger der Präsidentenwahl in Taiwan schließt wegen des harten Vorgehens Chinas gegen Demonstranten in Tibet einen Boykott der Olympischen Spiele in Peking nicht aus. "Sollte sich die Lage in Tibet verschlimmern, würden wir in Erwägung ziehen, keine Athleten zu den Spielen zu schicken", sagte Ma Ying Jeou am Sonntag. Zugleich bekräftigte er, dass Taiwan nicht als Schauplatz für den traditionellen Fackellauf dienen werde, bei dem das Olympische Feuer von Griechenland aus rund um die Erde zum Austragungsort der Spiele gebracht wird. Ma begründete die Entscheidung damit, dass Taiwan seine Fahne bei den Spielen in Peking nicht präsentieren dürfe. Ma tritt im Gegensatz zu der aktuellen Regierung, die er im Mai ablöst, für bessere Beziehungen zu China ein. Seine Äußerungen einen Tag nach seinem Wahlsieg kamen daher überraschend. China betrachtet Taiwan als abtrünnige Provinz.


Neben dem militärischen Vorgehen trieb China zuletzt seine Medien- und Propaganda-Offensive voran, um die Autonomie-Proteste in Tibet einzudämmen. Die Niederschlagung der Proteste löste im Westen eine Debatte über einen Boykott der Olympischen Sommerspiele in Peking aus.

 

Chinesische Intellektuelle für Dialog

Eine Gruppe kritischer chinesischer Autoren und Intellektueller forderte die Regierung in Peking zum "direkten Dialog" mit dem Dalai Lama auf. In einem offenen Brief, der am Sonntag im Internet veröffentlicht wurde, forderten die 29 Unterzeichner die Regierung zu einem Stopp der "gewalttätigen Unterdrückung" auf und ermahnten gleichzeitig die demonstrierenden Tibeter zur Gewaltlosigkeit.

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Fackel-Boykott angekündigt

Aus Protest gegen die Niederschlagung der Proteste in Tibet durch China hat eine thailändische Teilnehmerin des olympischen Fackellaufs ihren Rückzug angekündigt. Narisa Chakrabongse erklärte am Sonntag in einem offenen Brief, sie wolle auf diese Weise die Botschaft an die chinesische Regierung senden, dass die Welt ihre Handlungen nicht akzeptiere. Die Tötung von Tibetern sei ein Verstoß gegen die Menschenrechte. In Thailand sollen insgesamt sechs Personen das olympische Feuer tragen. Die Fackel wird im April auf dem Weg nach Peking in Thailand erwartet.


Unter den 29 unterzeichnenden Autoren, Journalisten, Juristen und Akademikern sind auch die Namen bekannter kritischer Stimmen wie des Autoren Liu Xiaobo und des praktisch unter Hausarrest gestellten Schriftstellers Wang Lixiong.