Hauptnavigation:

Sie sind hier:

09. Februar 2010
 

heute-Nachrichten

 
Western Union-Filiale. Quelle: westernunion.de
Western-Union-Filiale

Western Union - Tummelplatz für Internet-Betrüger

US-Überweisungsdienst bei Kriminellen beliebt

von Alfred Krüger

Geld sofort in jedes Land der Erde schicken? Mit Western Union kein Problem. Auch Internetbetrüger nutzen regelmäßig diesen Überweisungsdienst. Western Union hat zwar die Sicherheitsmaßnahmen verschärft, Betrugsfälle bleiben trotzdem an der Tagesordnung.

 
 
 

Das Angebot klingt viel zu schön, um wirklich wahr zu sein: "Mit uns können Sie leicht 5.000 bis 6.000 Euro pro Monat verdienen", heißt es in einer E-Mail, die derzeit massenhaft verbreitet wird. Die Arbeit ist leicht. Man muss Geld, das auf dem eigenen Konto eingeht, "abzüglich einer Provision" an eine Person irgendwo im Ausland überweisen - per Western Union. Das US-Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, Geld schnell und problemlos rund um den Globus zu transferieren.

Wenig Arbeit, viel Betrug

"Gesetze der BRD" würden nicht verletzt, wird in der Mail behauptet. Experten des hessischen Landeskriminalamts (LKA) sehen das anders. Sie sprechen von Geldwäsche. Das Geld stamme regelmäßig aus betrügerischen Geschäften, warnt das LKA. "Gutgläubige Interessenten, die ihr Bankkonto für solche Geldüberweisungen zur Verfügung stellen, arbeiten so den kriminellen Hintermännern in die Hand."

 

Es ist nicht das erste Mal, dass Internetbetrüger den Überweisungsdienst Western Union für kriminelle Machenschaften missbrauchen. Experten von AntiSpam, einem gemeinnützigen Verein, der gegen betrügerische Spam-Mails vorgeht, schätzen, dass weltweit rund 80 bis 90 Prozent aller kriminellen Finanztransfers über den US-Dienst laufen.

 

Die britische BBC nennt Zahlen: Im Jahr 2005 wurden Betrugsopfer per Western-Union-Überweisung um rund eine Milliarde Pfund erleichtert - eine stattliche Summe, an der auch Western Union über die erhobenen Transfergebühren nicht unerheblich mitverdiente - unwissentlich selbstverständlich. Denn einer Überweisung sieht man den Betrugshintergrund nicht ohne weiteres an.

 

Western Union investiert in Sicherheit

Bei Western Union hat man das Problem erkannt, hängt es aber deutlich tiefer. "Die Anzahl der uns bekannten betrügerischen Transaktionen ist verschwindend gering und bewegt sich im minimalen Promillebereich", erklärt das Unternehmen gegenüber heute.de. Man halte sich streng an die Gesetze und habe die Sicherheitsmaßnahmen in den letzten Jahren verschärft.

 

Außerdem sei ein Team von rund 300 Mitarbeitern ständig damit beschäftigt, die "hohen Sicherheitsstandards noch weiter auszubauen und an die immer raffinierteren Tricks der Betrüger anzupassen", sagt Western Union. Auch das Filialnetz werde überprüft. "Zusätzlich unterziehen wir alle Partner regelmäßig einer Qualitätsprüfung."

Infobox

Regeln für Vertriebspartner

heute.de: Wie wird man Vertriebspartner von Western Union?

Western Union: Western Union hat in enger Zusammenarbeit mit den Behörden einen Kriterienkatalog entwickelt, der der europäischen Gesetzgebung entspricht. Jeder potenzielle Vertriebspartner muss diesen Kriterienkatalog erfüllen. Relevante Kriterien sind unter anderem die rechtliche, finanzielle und sicherheitstechnische Situation des potenziellen Vertriebspartners (...). Bestehende Vertriebspartner sind verpflichtet, diese Informationen regelmäßig zu aktualisieren. Anhand der Informationen führt Western Union eine Risikoanalyse durch, bevor man sich für einen Vertriebspartner entscheidet.

heute.de: Welche Identitätsnachweise muss man vorlegen, wenn man sich Geld auszahlen lassen möchte?

Western Union: Egal wo der Geldbetrag abgehoben wird, die Auszahlung eines Western-Union-Transfers erfolgt an den im Auftrag vermerkten Empfänger persönlich gegen Vorlage eines gültigen Ausweisdokuments. Der Empfänger muss den Namen des Auftraggebers der Zahlung, den ungefähr erwarteten Betrag und das Absendeland angeben.


Videotheken und Friseursalons

Kritikern gehen die Sicherheitsmaßnahmen nicht weit genug. Sie bezweifeln, ob es möglich ist, ein weltumspannendes Filialnetz in der Größenordnung von 400.000 Niederlassungen in zweihundert Ländern tatsächlich vor Ort regelmäßig und effektiv auf schwarze Schafe unter den Filialbetreibern zu überprüfen, die es mit den Auszahlungsregeln des Dienstes nicht so genau nehmen und Ausweisdokumente allenfalls flüchtig prüfen.

 

Hinzu kommt, dass ein Großteil der Filialen im Nebenerwerb geführt wird. Sie sind in Internet-Cafés, Autowerkstätten, Videotheken, Friseursalons oder Massagestudios untergebracht. So zum Beispiel in der Romford Road im Londoner Stadtteil Stratford. Hier und in den Nachbarstraßen findet man gleich mehr als fünfzig solcher "privaten" Western-Union-Niederlassungen.

Ein Fall von vielen

In einer dieser Filialen wurde im Sommer dieses Jahres der Aachener Franz Patzig um sein Geld gebracht. Online-Betrüger hatten den Facebook-Account einer Freundin gehackt. Sie setzten sich per Facebook-Chat mit Patzig in Verbindung und gaben sich als dessen Freundin aus, die in eine Notlage geraten sei und dringend Geld benötige.

Patzig überwies per Western Union. Das Geld wurde auch problemlos ausgezahlt - aber nicht an Patzigs Freundin. Die nämlich hielt sich zur fraglichen Zeit in New York auf. Die Betrüger sind bis heute unbekannt. Patzig sah sein Geld nie wieder.