Neue Vorwürfe gegen Ex-Verteidigungsminister Jung. Er soll bei den entführten Tanklastern in Afghanistan Informationen zurückgehalten haben. Sein Nachfolger Guttenberg leitet eine Untersuchung ein, bestätigte das Verteidigungsministerium heute.de.
Die Bundeswehr soll laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung wichtige Angaben vor der Staatsanwaltschaft zurückgehalten haben. Außerdem habe der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) viel früher über zivile Opfer des Angriffs am 4. September informiert sein müssen als bisher bekannt, schreibt das Blatt unter Berufung auf geheime Berichte der Bundeswehr. Das Bundesverteidigungsministerium bestätigte heute.de, dass Jungs Nachfolger Karl Theodor zu Guttenberg (CSU) eine Untersuchung einleiten will. Sollte ihm nicht alle relevanten Informationen zu dem Fall vorgelegen haben, werde er Konsequenzen ziehen.
Der Angriff war von dem Bundeswehr-Oberst Georg Klein befohlenen worden. Laut NATO kamen bei dem Angriff bis zu 142 Menschen ums Leben - darunter auch Zivilisten. Der Zeitung zufolge dokumentiert eine Untersuchung der Bundeswehr-Feldjäger detailliert, zu welchem Zeitpunkt Informationen über zivile Opfer vom deutschen Regionalkommando in Masar-i-Scharif ans Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam übermittelt wurden. Dieser Bericht wurde nach Informationen der Zeitung aber nicht an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet.
Der Bundestag befasst sich derzeit mit den Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Das Parlament berät zunächst in erster Lesung über die Verlängerung des Afghanistan- Mandats um ein Jahr innerhalb der internationalen Schutztruppe ISAF. Ferner geht es um den weiteren Einsatz deutscher Soldaten im US- geführten Anti-Terror-Kampf sowie der Beteiligung der deutschen Marine an der Kontrolle der libanesischen Küste. Die endgültige Abstimmungen sind für kommende Woche geplant.
Bereits am Abend des 4. September gab es laut dem Bericht dem Bundeswehrbericht zufolge Hinweise darauf, dass auch Kinder bei dem Angriff verletzt worden waren. So habe ein deutscher Oberstarzt im Regionalkommando in seinem Bericht, der ebenfalls am Abend des 4. September nach Potsdam übersandt wurde, erst von einem Kind, später von zwei Jungen geschrieben, die verletzt worden seien. Verteidigungsminister Jung habe aber noch zwei Tage später behauptet, es seien ausschließlich terroristische Taliban getroffen worden.
Der "Bild"-Zeitung zufolge dokumentieren der interne Bundeswehr-Bericht und das Angriffsvideo auch schwere Versäumnisse bei der Aufklärung unmittelbar vor dem Bombenabwurf. Demnach hatte der Augenzeuge, der behauptet hatte, es seien nur Aufständische an den Tanklastern, gar keinen Sichtkontakt zu den entführten Fahrzeugen.