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11. März 2010
 

heute-Nachrichten

 
Dollarscheine. Quelle: imago

Gefangen zwischen Angst und Aufschwung

US-Notenbank belässt Leitzins bei fast null Prozent

Kommentar von Ulrich Reitz

Trotz der Erholung der US-Wirtschaft hält die Notenbank Fed an ihrer Nullzinspolitik fest - eine riskante Entscheidung. Denn die Notenbanker bekämpfen die Krise auch weiterhin ausgerechnet mit dem Gift, das sie ausgelöst hat: mit billigem Geld.

 
 
 

Die US-Notenbanker haben entschieden: Sie belassen den Leitzins im Bereich von null bis 0,25 Prozent. Ein Ende der Nullzinspolitik ist nicht zu erkennen. Im Gegenteil: Der Satz werde noch "für einen längeren Zeitraum" auf dem "außergewöhnlich niedrigen Stand" bleiben, teilt die Federal Reserve Bank (Fed) mit.

Bizarre Entscheidung

Das ist bizarr: Ausgerechnet die Währungshüter bescheinigen der US-Wirtschaft wieder allmähliches Wachstum und betonen, wie wichtig der Exit aus der Niedrigzinspolitik ist. Gleichzeitig warnen sie vor zu großem Optimismus und stellen fest, dass es die Zeit höherer Zinsen noch nicht gekommen ist.

 

Das zeugt von Angst. Davor, den wirtschaftlichen Aufschwung durch eine - wenn auch nur geringe - Zinserhöhung abzuwürgen. Die Notenbanker trauen dem Aufschwung selbst nicht. Sonst hätten sie beherzter gehandelt und die Zinsschraube zumindest etwas bewegt.

 

Banker jubeln über Zinssatz

Banker und Börsianer freuen sich über den weiterhin niedrigen Zinssatz. Kredite bleiben historisch billig. Das heizt die Börsen an, die Profite steigen. Die Wirtschaftskrise scheint überwunden - aber nur auf den ersten Blick.

 

Die Angststarre birgt große Gefahren. Die Notenbanker bekämpfen die Krise auch weiterhin ausgerechnet mit dem Gift, das sie ausgelöst hat - mit billigem Geld. Notenpressen laufen immer heißer, Staatshaushalt und Dollarkurs geraten außer Kontrolle. Die aktuelle Blase droht sich zu einer Superblase auszuwachsen, deren Platzen womöglich das gesamte Finanzsystem zum Einsturz bringt.

US-Notenbank in Zwickmühle

Wenn das passiert, ist rettende Medizin verbraucht. Die Währungshüter verfügen dann nicht mehr über die finanziellen Spielräume, den sie beim Eintritt der zurückliegenden Krise noch hatten. Denn der Leitzins läge dann schon im Moment des Platzens bei null Prozent. Und der Staat könnte auch nicht wirklich helfen. Schon jetzt er so hoch verschuldet, dass neue Konjunkturpakete nur unter extremen Inflationsrisiken zu schnüren sind.

 

Die US-Notenbank steckt in der Zwickmühle. Sie kann die Wirtschaft durch eine Zinserhöhung gefährden - oder eine neue Blase schüren. Mit ihrer aktuellen Entscheidung hat sich die Fed für das zweite Szenario entschieden, weshalb ein folgenschwerer Wiederholungsfehler droht.

 

Niedriger Leitzins führte zu Kreditblase

Der Beginn der aktuellen Krise war den niedrigen Nominalzinsen geschuldet. Die US-Notenbanker hatten im Vorfeld den Leitzins viel zu lange viel zu niedrig gehalten. Das führte zur Kreditblase, die sich dann folgenschwer entlud.

 

Eine ähnliche Entwicklung ist schon zu erkennen. Mit ihrer Niedrigzinspolitik treibt die Fed und andere Notenbanken im Ausland die Investoren erneut in alle möglichen Anlageklassen. Die Banker reiben sich aufs Neue die Hände. Und haben ein weiteres Mal ein scheinbar risikoloses Geschäft entdeckt: Institute mit guter Bonität leihen sich Geld zu historisch niedrigen Zinsen und investieren es in erstklassige Staatsanleihen und zocken an der Börse. Die zum Teil üppigen Quartalsgewinne der Banken beruhen zum Großteil auf diesem Geschäft.

Die Zeit drängt

Das wird auch dazu führen, dass die Aktienmärkte ihre bisherigen Höchststände übertreffen und die Häuserpreise in den einstigen Boomregionen wieder anziehen. Irgendwelche Finanzgenies werden den Menschen wieder zu erklären versuchen, warum es diesmal wirklich so komplett anders sei. Menschen sind vergesslich. Aber irgendwann werden die Anleger den Mechanismus erkennen. Der Anstieg droht dann abrupt beendet zu werden.

Die Zeit drängt. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Eine Zinsänderung wirkt erst ein bis zwei Jahre später. In der Zwischenzeit wächst die Blase weiter. Jetzt ist die Europäische Zentralbank gefragt. Die Euro-Notenbanker müssen sich fragen, ob sie bereit sind, den Leitzins der Eurozone vor den USA hochzufahren. Sie sollten notfalls im Alleingang handeln. Es ist höchste Zeit für einen Exit. Sonst stehen bald noch viel größere Probleme an.