Privates kann man jetzt mit Google suchen: Social Search findet Texte, Videos und Bilder, die von Freunden und Bekannten im Mitmachweb gepostet wurden. Die Suche wird persönlicher. Das funktioniert umso besser, je mehr Google von seinen Nutzern weiß.
Wer wissen will, wo seine Freunde sind, woran sie gerade denken und womit sie sich beschäftigen, fragt künftig Google. Der kalifornische Suchgigant hat eine neue Suchfunktion gestartet. Ihr Name: Social Search(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) - soziale Suche. Mit diesem Dienst bekommt man angezeigt, was Freunde und Bekannte im Mitmachweb gerade von sich geben. Der Dienst ist kostenlos. Wer ihn benutzen will, zahlt "lediglich" mit seinen Daten.
Wer bei Google eine Suche startet, erhält meist eine ellenlange Trefferliste. Die Suchergebnisse sind nach Relevanz geordnet. Wichtiges steht weiter oben. Unwichtiges, das nur entfernt zum Suchwort passt, wird unter ferner liefen wegsortiert. Mit Social Search wird diese Reihenfolge nun geändert. Gleich auf der ersten Seite zeigt Google künftig Treffer an, die aus dem Mitmachweb und von den eigenen Online-Freunden stammen.
Das kann nützlich sein, wenn man zum Beispiel eine Reise plant. Über die neue Suche findet man dann etwa heraus, ob Freunde und Bekannte schon dasselbe Reiseziel hatten, was sie dort erlebt haben, und welche Tipps sie für die Reise geben können. Die Informationen stammen aus sozialen Online-Netzwerken und Blogs. Sie gehen bei der regulären Google-Suche oftmals unter.
Die neue Suchfunktion ist optional. Voraussetzung ist, dass sich der Nutzer unter google.com/experimental(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) für die soziale Suche angemeldet hat.
Social Search befindet sich noch im Experimentierstadium und ist zurzeit nur über die US-Webseite der Suchmaschine zu erreichen - auch für deutsche Nutzer: Statt google.de einfach Google.com(Externer Link - Öffnet in neuem Fenster) eintippen, dann "Google.com in English" wählen.
Wann der Dienst auch offiziell für deutsche Suchmaschinennutzer freigeschaltet wird, steht noch nicht fest.
Der neue Suchdienst findet nicht nur Texte aus dem Freundeskreis. Social Search sucht auch nach Fotos und Videos, die die eigenen Online-Freunde zum Fotoportal Flickr oder zu YouTube hochgeladen haben. Selbst Twitter-Nachrichten geraten ins Visier der Suchmaschine - sofern der Google-Nutzer die soziale Suche wünscht, bei Google einen eigenen Account besitzt und dort eine ausführliche Profilseite angelegt hat.
Name, Anschrift, Arbeitgeber - für die soziale Suche benötigt Google alle Daten, die der Nutzer in seinem Profil beim Suchmaschinenunternehmen angibt. Daneben wertet der neue Suchdienst das Adressbuch von Google Mail aus. Auch Kontakte, die man bei der Google-Tochter YouTube oder bei Picasa, dem Fotodienst der Suchmaschine, hat, werden in die Suche einbezogen.
Dasselbe gilt für die meisten sozialen Netzwerke, in denen sich der Nutzer angemeldet hat. Die jeweils zugehörigen Freundes- und Kontaktlisten werden analysiert und abgespeichert. Google strickt daraus für jeden Nutzer ein soziales "Beziehungsnetz", will sagen: Google weiß von nun an, wer wen kennt.
Bei der Suche wertet der neue Dienst nur Inhalte aus, die sowieso öffentlich zugänglich sind. Bilder etwa, die bei StudiVZ eingestellt und als privat gekennzeichnet wurden, bleiben der Suchmaschine auch weiterhin verschlossen. Dennoch wächst der Datenbestand, den Google über jeden Nutzer auf seinen Servern abspeichert, dank Social Search rapide an.
Das wird nicht jedem gefallen, zumal auch alle Suchanfragen unter dem realen Namen des angemeldeten Nutzers abgespeichert werden. Auch das diene suchtechnisch einem guten Zweck, heißt es bei Google. Denn je mehr Informationen man über einen Nutzer besitze, desto passgenauer können die Suchtreffer auf seine Interessen, Wünsche und Vorlieben zugeschnitten werden - und Googles Werbeanzeigen natürlich auch.
Datenschutzbedenken kommen auf. "Ich behaupte nicht, dass Google mit den Daten etwas Ungesetzliches anstellt", schreibt der US-amerikanische Fachjournalist und IT-Experte David Coursey im Online-Magazin "Computerworld". "Aber das Unternehmen häuft über jeden Nutzer einen gewaltigen Berg an Informationen an" - Informationen, aus denen sich am Ende detailliert herauslesen lasse, "wer wir sind, was wir tun und wie wir denken."