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23. Februar 2012
 

heute-Nachrichten

 
Nicolas Sarkozy begrüßt die G20-Finanzminister. Quelle: reuters

G20: Von Gas-Gebern und Bremsern

Keine Regeln für Finanzmarkt - Gipfel der vertanen Chancen

von Michael Bewerunge

Dass der G20-Gipfel wieder keine Regeln für die Finanzmärkte aufstellt, war absehbar. Nur: Wer Gas gibt, ohne bremsen zu können, rast in den nächsten Crash.

 
 
 

börsenkurs

Euro-Dollar-Kurs

Was ist eigentlich der Kern der sogenannten Euro-Krise? Jedenfalls keine Krise des Euro. Der ist putzmunter. Es handelt sich zunächst um eine Staatskrise. Unverantwortliche Regierungen haben über Jahrzehnte ihre Staatshaushalte heruntergewirtschaftet. Dazu haben ihnen unverantwortliche Banken die Hand gereicht, und, als es abwärts ging, die Spirale mit eiskalter Spekulation beschleunigt. Daraus ist eine Schuldenkrise geworden. Und eine Bankenkrise.

Vertane Chancen

Das Problem war nicht mangelnde Liquidität, sondern zu große. Genau das war übrigens auch die Ursache für den Beinahe-Crash 2008. Zu viel Geld war damals in zu viele und zu schlecht abgesicherte Kreditbriefe gewandert, die dann weltweit verhökert wurden.

 
"Großes Risiko für die Euro-Retter"
 

Wie reagieren nun die G20? Genauso wie nach 2008, nämlich eigentlich gar nicht. Statt das Handeln der Akteure in sichere Bahnen zu lenken, haben sie weiter freie Hand. Sicher: die Eigenkapitalquote der Banken wird deutlich angehoben. Damit haben sie in der Krise größere Reserven. Andere Anti-Kriseninstrumente wurden nicht angepackt. Eine Finanztransaktionssteuer wird es weiterhin nicht geben. Die ist kein Allheilmittel, bremst aber die nackte Zockerei am Computer, wo Promille-Cent schnell zu Milliarden wachsen. Mit der Steuer könnten zumindest einige Kollateralschäden gemildert werden. Die USA und Großbritannien blockieren aus Angst um ihren Finanzplätze.

 

Der Handel mit Derivaten und Leerverkäufen bleibt unkontrolliert. Was einmal als Absicherung von Börsengeschäften gedacht war, hat sich zum reinen Spielcasino ohne Grenzen entwickelt. Gezockt wird zunehmend von sogenannten Schattenbanken auf Schattenmärkten abseits der großen Handelsplätze. Nur zaghaft versuchen die G20 etwas Transparenz in diese Geschäfte zu bringen.

 
Athen: Papandreou stellt Vertrauensfrage

Sparen statt ausgeben

Stattdessen geben sie schon wieder Gas bei der Liquidität. Der IWF soll neue Kreditlinien auflegen. Und die EZB, die gerade den Leitzins gesenkt hat, soll weiter verstärkt faule Staatsanleihen aufkaufen. Schließlich wird Deutschland explizit genannt: Es soll die Binnennachfrage stärken. Nur: Das Geld zu all diesen Maßnahmen wird entweder wiederum geliehen oder gedruckt.

Das heizt die Inflation an und löst nicht das Grundproblem: die dramatische Staatsverschuldung. Die kann am Ende nur durch Sparen und nicht durch Geld ausgeben oder Geld leihen gesenkt werden.

 

Athens aussichtsloser Kampf

In diesem Zusammenhang wird leider auch immer wieder von der "Ansteckungsgefahr" gefaselt, die von Griechenland für andere Staaten ausgeht. Dabei ist weder Italien noch sonst ein anderer Staat völlig unschuldig von einer bösen Seuche infiziert worden. Italien hat seine Finanzen mutwillig und sehenden Auges heruntergewirtschaftet und wird dem Schicksal Griechenlands nur entgehen, wenn es mit einem harten Sparkurs die Wende schafft.

 

Apropos Griechenland: Das Land führt einen aussichtslosen Kampf, selbst wenn der angekündigte Schuldenschnitt kommt. Die Reduzierung seiner Staatsschulden von 170 Prozent seiner Wirtschaftsleistung auf 120 Prozent stellt sich aus Sicht der Griechen etwa so dar: Statt auf einen 17.000 Meter hohen Berg muß Sisyphus seinen Stein nur noch auf 12.000 Meter hinaufrollen. Wer das glaubt, wird nicht selig, sondern sollte sich für seinen Zynismus schämen.

 
 
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