Die Telekom wehrt sich dagegen, ihren Konkurrenten den Breitbandausbau auf dem Land zu ermöglichen. Der Konzern reichte Eilklage gegen eine Verfügung der Bundesnetzagentur ein, nach der er Wettbewerbern Zugang zu Schaltverteilern verschaffen muss.
Die Telekom erklärte, die Regulierungsentscheidung zwänge sie praktisch dazu, den Netzausbau der Konkurrenz mitzufinanzieren. Die Bundesnetzagentur hatte entscheiden, die Telekom müsse ihren Konkurrenten Zugang zu den Schaltverteilern einräumen. Das betrifft in erster Linie ländliche Gebiete, in denen die Telekom bisher aus wirtschaftlichen Gründen kein schnelles Internet anbietet. Es geht in dem Streit nach Angaben von Experten vor allem um die Anbindung von Gemeinden, die weiter von den gut mit DSL versorgten Ballungsgebieten entfernt liegen.
Über längere Entfernungen kann das DSL-Signal nicht über normale Telefonkabel geleitet werden. Es wären aufwendige Verbindungen per Glasfaserkabel oder Richtfunk erforderlich. Allerdings würde deren Aufbau zumindest wirtschaftlicher, wenn die Telekom-Konkurrenten sie nur von den Hauptverteilern bis zu den Schaltverteilern führen müssten, die häufig am Ortsrand zu finden sind, und nicht einzeln zu den zahlreicheren sogenannten Kabelverzweigern, von denen die Anschlussleitungen der Endkunden abgehen.
Die Telekom argumentiert, der Beschluss der Bundesnetzagentur verpflichte sie, Schaltverteiler auch an Stellen aufzubauen, an denen sie diese selbst nicht benötige. Zudem bekomme sie wegen einer vom Regulierer verhängten Kappungsgrenze die anfallenden Kosten nicht in voller Höhe erstattet. "Die Kappungsgrenze führt dazu, dass die Telekom den Breitbandausbau der Wettbewerber mitfinanziert. Dies entspricht nicht der Breitbandstrategie der Bundesregierung, die von ausgehandelten Kooperationen ausgeht, bei denen das Risiko angemessen verteilt wird", kritisierte Telekom-Finanzvorstand Timotheus Höttges.
Die Bundesnetzagentur wollte sich wegen des schwebenden Gerichtsverfahrens nicht äußern. Der Branchenverband VATM kritisierte, durch das Verhalten der Telekom gerate ein wichtiger Bestandteil der Breitbandinitiative der Bundesregierung in Gefahr. "Eigentlich sind wir davon ausgegangen, dass wir die Wettbewerber und die Telekom in einem gemeinsamen Kraftakt die weißen Flecken in Deutschland schließen", erklärte VATM-Präsident Gerd Eickers. "Doch zurzeit scheint sich die Telekom beim Breitband auf dem Land in eine Art Verweigerungshaltung zu begeben." Damit wolle der Konzern Druck auf die Politik ausüben, mutmaßte Eickers.