Nach den Olympischen Winterspielen steht für Vancouver und die Skiregion um Whistler mit den Paralympics das nächste Großereignis an. Kein Zweifel: Die Bewährungsprobe Olympia haben die Gastgeber 2010 hervorragend überstanden.

Die Paralympics-Teilnehmer freuen sich bereits auf die Wettkampfstätten, die den deutschen Startern bei den Winterspielen viele Medaillen einbrachten. Und sie hoffen dabei auf besseres Wetter. Wenn eines bisher für Verdruss sorgte, dann war es das instabile Klima. Das kann während des Folge-Ereignisses Paralympics nur besser werden. Sollte es auch, denn weiter steigende Temperaturen würden es Organisatoren und Sportlern erheblich schwerer machen, Wettkämpfe unter gleichen und fairen Bedingungen durchzuführen.
Insgesamt 64 Wettbewerbe stehen in den fünf Disziplinen Ski Alpin, Langlauf, Biathlon, Rollstuhl-Curling und Schlitten-Eishockey auf dem Programm. Außer im Schlitten-Eishockey, für das sich die deutsche Mannschaft nur knapp nicht qualifizieren konnte, gehen sechs Frauen und 14 Männer in Vancouver an den Start. Und das mit herausragenden Chancen auf vorderste Plätze, denn sie zählen in ihren Disziplinen immer zum engeren Favoritenkreis.
Im Gegensatz zu den Sommersportarten mit einer sehr hohen Zahl sportlicher Klassen unterscheidet der Winter bei den Skiwettbewerben nur nach drei Kriterien: Stehende, Sitzende und Sehbehinderte. Für Wertungsgerechtigkeit innerhalb der Kategorien der stehenden und sitzenden Fahrer sorgt ein Klassifizierungssystem, bei dem die Leistungsdifferenz - etwa wegen fehlender Gliedmaßen - ermittelt und in einen Zeitvorteil umgewandelt wird.
Das bedeutet: Bei der geringsten Behinderungsstufe läuft die Zeit wie üblich, steigt der Behinderungsgrad, läuft sie um einen festgelegten Prozentsatz langsamer. Der Vorteil liegt auf der Hand. Die Starterfelder werden größer und für die Zuschauer, die eine derartige Verlangsamung der mitlaufenden Uhr kaum erkennen können, steigt das Spannungsmoment erheblich. Wer also auf diese Weise die 'Bestzeit' erzielt, ist der Sieger.
Alle Sehbehinderten tragen eine Augenbinde und werfen allein durch einen vorausfahrenden Begleitläufer gelenkt - auch, und das scheint fast unglaublich, im alpinen Skisport von Abfahrt bis Slalom.
Curling: Die deutsche Mannschaft kommt als Europameister nach Vancouver und trifft nach dem Modus jeder gegen jeden auf neun Mannschaften. Neben der europäischen Konkurrenz sind das Japan, Kanada, Korea und die USA. Die beiden Besten bestreiten das Endspiel, die beiden Folgenden spielen um Platz 3. Gerade beim Curling bedeuten Titel wenig, Tagesform aber eine ganze Menge. Deshalb sind die deutschen Curler selbst gespannt, was sie erreichen werden.
Ski Alpin: Der DBS schickt mit den beiden Vorzeigeathleten Gerd Schönfelder (stehend) und Martin Braxenthaler (sitzend) zwei hohe Favoriten ins Rennen. Chancen auf vordere Plätze haben außerdem Andrea Rothfuß (stehend), die erst 17-jährige Anna Schaffelhuber (sitzend) und Gerd Gradwohl (sehbehindert).
Langlauf und Biathlon: Quasi unter einem Dach starten Langläufer und Biathleten, da viele Athleten beide Sportarten parallel betreiben. Verena Bentele (sehbehindert) zählt klar zu den Top-Favoritinnen. Im deutschen Lager wäre sie die einzige Frau, wenn sich nicht mit Andrea Eskau (sitzend) die Handbike-Siegerin von Peking nun auch im Wintersport versuchen würde. Eine interessante Entwicklung bei der als sehr ehrgeizig geltenden Sportlerin. Bei den Männern ist es eine Altersfrage. Frank Höfle (sehbehindert), jahrelang Vorzeigeathlet, ist mittlerweile 43, Thomas Oelsner (stehend) fast 40 Jahre alt. Aber vielleicht siegt hier Routine vor jugendlicher Unbekümmertheit.
Eine Frage bleibt bei alledem noch ungeklärt, welche Nation nämlich sich als die stärkste erweist. Russland lag in Turin weit vorne (13x Gold, 13x Silber, 7x Bronze) vor Deutschland (8/5/5) und der überraschenden Ukraine (7/9/9). Die Kanadier, 2006 auf Rang 6, könnten bei den Spielen in Ihrer Heimat wie schon bei den Olympischen Winterspielen eine dominierende Rolle einnehmen.
Welche Maßstäbe man auch immer anlegen will, eine Hoffnung muss für alle gelten: dopingfreie Spiele. Im heutigen Leistungssport ist die Manipulation ein ständiger Begleiter. Zu wünschen ist, dass man den Betrügern rechtzeitig auf die Spur kommt.