In Mexiko-Stadt hat es in der Zentrale des staatlichen Ölkonzerns Pemex eine schwere Explosion gegeben. Dabei wurden mindestens 25 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt. Dutzende Verschüttete werden noch unter den Trümmern vermutet. Wie es zu der Explosion kam, ist unklar.
Im Schatten des Pemex-Wolkenkratzers in Mexiko-Stadt hat sich eine blutige Tragödie ereignet: Bei einer Explosion am Firmensitz des staatlichen Ölkonzerns wurden nach Unternehmensangaben mindestens 25 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt. Innenminister Miguel Angel Osorio Chong ergänzte, dass die Zahl der Opfer noch steigen könne. Rettungskräfte suchten am Abend (Ortszeit) noch nach Dutzenden Verschütteten in den Trümmern.
Ursache der Explosion unklar
Pemex-Tower
Der Pemex-Tower wurde 1984 gebaut und ist mit 214 Metern das zweithöchste Gebäude in Mexiko-Stadt. Es gilt als besonders erdbebensicher.
Offizielle Details zur Ursache der Explosion, die sich in den unteren Etagen eines Verwaltungsgebäudes neben dem Pemex-Turm im Stadtzentrum ereignete, wurden zunächst nicht genannt. Die mit vollem Namen Petróleos Mexicanos heißende Firma hatte auf ihrer Twitterseite kurz vor der Detonation geschrieben, dass das Gebäude wegen eines Stromausfalls evakuiert worden sei. Später wurde nachgeschoben, die Evakuierung sei erst nach einer Explosion erfolgt, deren Gründe noch rätselhaft seien. Eine Mitarbeiterin erzählte indes, die Explosion sei offenbar durch den Defekt einer elektrischen Schaltanlage ausgelöst worden.
Bilder vom Unglücksort zeigten zerborstene Scheiben und eine schwarze Rauchsäule, die den mehr als 50 Stockwerke hohen und schwer beschädigten Wolkenkratzer einnebelte. Auf Fernsehaufnahmen war kurz ein riesiger Feuerball zu sehen. Feuerwehrwagen und schwer bewaffnete Soldaten umringten das evakuierte Gebäude, in dem normalerweise Hunderte Angestellte arbeiten.
Menschen verschüttetWie viele Menschen von den Trümmern im schwer beschädigten Erdgeschoss eingeschlossen wurden, ist noch unklar. Von etwa 30 Verschütteten war die Rede. Rettungskräfte bahnten sich ihren Weg durch Betonblöcke und bogen Stahlteile zur Seite, um an die Verschütteten heranzukommen. Die Höhle könne bei einem verfrühten Rettungsversuch aber jederzeit einstürzen, begründete ein Helfer das vorsichtige Vortasten.
Präsident Enrique Peña Nieto, Innenminister Miguel Angel Osorio und der Bürgermeister von Mexiko-Stadt eilten zu dem Unglücksort. "Ich bedauere zutiefst den Tod der Arbeiter von Pemex", schrieb Peña Nieto auf seiner Twitterseite. "Mein Mitgefühl gilt ihren Familien." Firmenchef Emilio Lozoya Austin brach seine Geschäftsreise durch Asien sofort ab und machte sich auf den Rückweg nach
Mexiko.Am Fuße des Wolkenkratzers spielten sich dramatische Szenen ab. Rettungskräfte trugen blutverschmierte Opfer zu Dutzenden Krankenwagen und in wartende Hubschrauber, panische Augenzeugen griffen in der Sorge um Bekannte und Angehörige zum Handy. Die Straßen rund um den Pemex-Komplex wurden geschlossen. "Das Gebäude zitterte, der Strom fiel aus, und plötzlich lagen überall Trümmer herum", zitierte der britische Sender BBC eine Augenzeugin. "Kollegen halfen uns nach draußen." Eine weitere Person sagte dem Fernsehkanal Milenio TV, sie habe das Drama aus einem Haus nebenan verfolgt: "All diese verletzten und mit Staub bedeckten Menschen strömten aus dem Gebäude. Dann haben sie auch uns evakuiert."
Dritter Unglücksfall in zwei JahrenGerade einmal zwei Stunden vor dem Unglück hatte sich das Unternehmen auf seiner Twitterseite noch gebrüstet, die Zahl der Sicherheitspannen in den vergangenen Jahren deutlich reduziert zu haben. Im internationalen Vergleich liege Pemex bei der Unfallrate unter dem Branchenschnitt.
Für den 1938 nach der Nationalisierung der mexikanischen Ölindustrie gegründeten Konzern ist es nicht die erste Hiobsbotschaft dieser Art: Erst im September waren beim Brand einer von Pemex betriebenen Gaspipeline im Norden Mexikos 30 Menschen ums Leben gekommen. Im Dezember 2010 wurden ebenfalls 30 Menschen getötet und Dutzende Häuser zerstört, als in der zentralmexikanischen Stadt San Martin Texmelucan eine Pipeline platzte. Die jüngste Explosion verdeutliche erneut das systematische Fehlen geeigneter Schutzvorkehrungen, sagte der mexikanische Sicherheitsexperte Alberto Islas.
Der Staatskonzern hat ein Monopol auf das Ölgeschäft in
Mexiko, von den Bohrungen bis hin zum Benzinvertrieb an Tankstellen. Durch verschiedene Steuern, Lizenzgebühren und andere Abgaben trägt der Industriegigant etwa ein Drittel zum mexikanischen Staatshaushalt bei. Außenminister Jose Antonio Meade betonte umgehend, dass die Explosion das Geschäft der Firma nicht beeinflussen werde: "Es gibt keine Auswirkungen auf die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit oder Produktion von Pemex."