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Geheime Partys
Zwischen Illegalität und Marketing
BildIllegale Partys
Sie organisieren Elektro-Partys im Park oder Kinoabende in Fabrikruinen und wollen dabei als Veranstalter von illegalen Events möglichst unerkannt bleiben. Trotzdem kommunizieren viele Akteure der Subkultur im Netz über Facebook, Blogs und Newsletter.
Auch die Veranstelter dieser illegalen Events müssen ihr Publikum informieren und das Internet ist dafür ideal. Allerdings bewegen sie sich auf einem schmalen Grat zwischen Öffentlichkeit und geheimer Exklusivität: Die Polizei liest mit.Filme in alten FabrikkellernMartin ist einer von ihnen. Gemeinsam mit sechs Freunden lädt er einmal im Monat zu einem Filmabend in die Keller alter, verfallener Fabrikgebäude, von denen es in Leipzig unzählige gibt. Beamer, Boxen, Laptop, einen Heizlüfter, einen kleinen Glühweinkocher und eine Reihe von bunten LEDs, um den Weg innerhalb der Ruine zu markieren: Mehr Equipment brauchen sie für ihre Abende nicht. Decken und Kissen zum Sitzen auf dem Boden bringt das Publikum selber mit.
Es gehe ihnen nicht um Gewinn, sondern darum alte, ungenutzte Räume kulturell wieder zu erschließen und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, sagt Martin. Dass sie dabei die Grenze der Legalität überschreiten, nehmen sie in Kauf: Hausfriedensbruch und Urheberrechtsverletzung nennt es der Gesetzgeber. Eine große Herausforderung sei es daher, eine Menschenmasse von bis zu 150 Personen pro Veranstaltung unauffällig zu versammeln und unbemerkt durch Hinterhöfe, über Zäune und durch Mauerlöcher zu schleusen.
Das Publikum ist online, die Polizei auch
Noch wichtiger sei es jedoch, das Publikum überhaupt erst zu erreichen und über den nächsten Kinoabend zu informieren. Denn nur die wenigsten Zuschauer sind Stammgäste. Viele kämen anfangs zwei bis drei Mal und dann eher sporadisch. Um aber ein konstantes Publikum zu erhalten, sind Martin und seine Freunde daher auf effektives Marketing angewiesen. Dafür nutzen sie fast ausschließlich das Internet. Sie haben ein Blog, eine Facebook-Seite und einen E-Mail-Verteiler eingerichtet. Dieser ist in den vergangenen fünf Jahren allerdings so sehr gewachsen, dass es immer schwieriger wird, zu kalkulieren, wie viele Hobby-Cineasten wohl bei der nächsten Veranstaltung kommen. Alle 800 Adressaten auf einmal ließen sich nirgendwo unbemerkt unterbringen.
Mittlerweile, so ist Martin überzeugt, ist auch die Polizei im Verteiler. Denn wer hinter all den E-Mail-Adressen, Facebook- und Blog-Kommentaren steckt, weiß er nicht. Dennoch postet die Gruppe ihre Kontaktmail hin und wieder bei Facebook oder in ihrem Blog. Lieber ein bisschen mehr Öffentlichkeit als eine schlecht besuchte Veranstaltung.
Keine illegalen Spuren hinterlassen
Um neue Zuschauer anzulocken, gab es anfangs auf ihrem Blog auch detaillierte Infos vergangener Veranstaltungen. Etwa, welche Filme gezeigt wurden. Aber da das Netz zwar vergesslich ist, aber sehr langsam vergisst, haben sie diese Infos wieder gelöscht und versuchen nun, alle konkreten Hinweise auf Illegalität aus ihrer Öffentlichkeitsarbeit herauszuhalten.Auf den leicht zu ergoogelnden Webpräsenzen halten sie ihre Angaben seitdem eher kryptisch. Letztlich verlassen sie sich nur auf ihr Bauchgefühl, wann und wie sie wieder etwas mehr an die Öffentlichkeit gehen, ohne den Kopf dabei ganz aus der digitalen Anonymität zu strecken.
Zwischen Exklusivität, Selbstschutz und Paranoia
Andere Veranstalter seien noch vorsichtiger, so Martin. Die nutzten Facebook allein zur Promotion und zum gelegentlichen Austausch mit der Masse. Die wirklichen Veranstaltungen aber bleiben so gut wie möglich geheim. Dann posten sie den Veranstaltungsort nur in komplexer Rätselform. Andere geben einen Ort bekannt, an dem sie tagsüber exakt 100 Eintrittskarten persönlich übergeben. Abends kommt nur rein, wer eine Karte hat und den Ort kennt.
Bei mitunter mehreren Tausend Facebook-Fans ist das eine äußerst restriktive, exklusive und umstrittene Strategie. Oftmals ist es aber auch die nötige Absicherung, um die Polizei oder andere ungebetene Gäste fern zu halten. Das klappt jedoch nicht immer. Auch Martins Veranstaltungen wurden schon von Beamten aufgelöst. Da aber niemand gestört wurde und alles unkommerziell war, hat die Polizei bisher immer Augenmaß bewiesen. Außer Platzverweisen gab es für Martin und seine Gäste bisher keine rechtlichen Konsequenzen.



