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Gegen Zwangsabgabe
Zyperns Parlament lehnt Rettungspaket ab
VideoZypern: Parlament sagt "Nein" zur Abgabe
VideoWie wirkt die Zypern-Krise auf den Euro?
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Die Zyprer stecken in der Zwickmühle: Schmerzhafte Sondersteuern auf ihre Bankguthaben wollen sie nicht akzeptieren. Das Parlament sagt Nein. Doch dafür droht dem kleinen Land nun die Pleite.
Die kleine Inselrepublik Zypern steuert auf den finanziellen Untergang zu. Das Parlament in Nikosia brachte am Dienstagabend die geplante und hoch umstrittene Zwangsabgabe auf Bankguthaben zu Fall. Kein einziger Abgeordneter stimmte für dieEinmalmaßnahme, die Voraussetzung für das am Wochenende geschnürte internationale Hilfspaket der Europartner ist. Auf der verzweifelten Suche nach anderen Geldquellen war der zyprische Finanzminister Michalis Sarris am Abend nach Moskau geflogen, wie das staatliche zyprische Radio berichtete. Der stellvertretende Chef der Regierungspartei von Präsident Nikos Anastasiades, Averof Neofytou, brachte vor der Abstimmung die düsteren Perspektiven Zyperns auf den Punkt: "Wir stehen kurz vor einer ungeordneten Pleite." Das Geld in der zyprischen Staatskasse reicht nach früheren Regierungsangaben indes noch bis Mai.
Kein einziges "Ja" im Parlament
36 von 56 Abgeordneten stimmten nach einer hitzigen Debatte gegen die Zwangsabgabe. 19 enthielten sich der Stimme. Eine Abgeordnete war nicht anwesend. Dies teilte Parlamentspräsident Giannakis Olirou mit.Wie geht es in Zypern weiter?
Rettungspaket für Zypern
Das Rettungspaket für Zypern hat heftige Proteste ausgelöst, weil erstmals Bank-Kunden in die Pflicht genommen werden. Jetzt versucht die zyprische Regierung hektisch, ihr Konzept nachzubessern.
Ein Überblick über die wichtigsten Fragen.
Was muss als erstes geschehen?
Das zyprische Parlament sollte ursprünglich schon am Wochenende die umstrittene Zwangsabgabe für Bank-Kunden billigen. Inzwischen hat das Parlament gegen das Gesetzesvorhaben ausgesprochen. Eigentlich sollte das gesamte Hilfsverfahren bis Mitte April abgeschlossen sein.
Wie lange können die Banken geschlossen bleiben?
Die Schließung der Banken, die zunächst bis einschließlich Mittwoch festgelegt wurde, kann aus praktischen Gründen nicht viel länger gehen. "Der Zahlungsverkehr ruht. Damit ruht praktisch auch die Volkswirtschaft", beschreibt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer die Wirkung. Aber schon sehr bald werde das Geld knapp - bei Privatleuten und Firmen. Komme der Zahlungsverkehr nicht bald wieder in Schwung, werde die Wirtschaft des Landes abgewürgt.
Droht nach Wiedereröffnung der Banken ein Ansturm?
Da die Anleger bei der geplanten Zwangsabgabe doch noch geschont wurden, könnten Bilder von langen Schlangen erboster Kunden vor den Instituten vermieden werden. "Ich rechne dann nicht mit einem großen Bank-Run, der das Finanzsystem destabilisiert", sagt Krämer.
Die großen Investoren, oft aus dem Ausland, werden nach Einschätzung von Experten ihre Guthaben bei zyprischen Banken weiter abbauen. Um einen dramatischen Abfluss zu stoppen, bleibt dem Land das Mittel zwischenzeitlicher Kapitalverkehrskontrollen. Zyperns Notenbankchef Panicos Demetriades sieht allerdings nach wie vor die Gefahr eines Ansturms auf die Filialen. Mindestens zehn Prozent der Einlagen könnten abfließen, sobald die Schalter wieder geöffnet würden, sagte er.
Wie muss sich Zypern aus Sicht der EU ändern?
Das zyprische Geschäftsmodell mit niedrigen Steuern und hohen Zinsen sowie einer laxen Aufsicht in Sachen Geldwäsche dürfte mit den scharfen Auflagen für das Hilfspaket infrage gestellt werden. "Klar, das soll ja auch so sein", meint Krämer. Und auch Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft sieht Zypern vor einer tiefgreifenden Umstrukturierung.
Derzeit liegen auf den Konten zyprischen Banken Einlagen im Umfang von rund 70 Milliarden Euro - das ist etwa das Vierfache des Bruttoinlandsproduktes. Die Hälfte dieser Einlagen kommt aus dem Ausland. Zu einem überdurchschnittlich hohen Teil geht es hier um sehr große Guthaben. Die Forderung der Euro-Länder an ihr Partnerland lautet: den Bankensektor kräftig zurückstutzen.
Was bedeutet das für die zyprische Wirtschaft?
Zypern braucht also ein neues "Geschäftsmodell", was Anpassungen erforderlich macht. "Zypern steht vor harten Zeiten", sagt Commerzbank-Ökonom Krämer voraus. Matthes verweist darauf, dass die konjunkturelle Schwächephase durch die Strukturanpassungen verstärkt wird. Das könnte die Rezession vertiefen und mehr Arbeitslose nach sich ziehen. Vor allem aber gehe der Wohlstand verloren, der mit dem Kapital aus dem Ausland zusammenhing.
Können andere Länder sich anstecken?
Hier sind sich die Experten noch uneins. "Die Anleger der Krisenländer dürften sich der Sonderstellung Zyperns bewusst sein", meint etwa Krämer. Dagegen hält Matthes die Gefahr, dass Einleger in anderen Ländern verunsichert würden, noch nicht für gebannt.
"Die Risiken, dass Menschen skeptischer werden, dass sie noch weniger an gegebene Versprechen glauben - etwa die 100.000-Euro-Garantie bei Einlagen - und in Zukunft die Lage bei der einen oder anderen Bank wieder prekärer wird, sind nicht von der Hand zu weisen." Die deutsche Regierung jedenfalls sah sich schon genötigt, ihre Garantie zu erneuern, dass der Sparer hierzulande nicht um seinen Notgroschen fürchten muss.
(von Gernot Helle, reuters)
Zerreißprobe für neue Regierung
Der Stopp der Zwangsabgabe im Parlament stellt die eben erst gewählte Regierung von Präsident Anastasiades auf die Zerreißprobe. Unter dem Druck massiver Proteste hatte die Regierung die einmalige Abgabe für Bankkunden vor der Abstimmung bereits abgeschwächt. Nach der Änderung sollte das Gesetz Guthaben bis zu 20.000 Euroverschonen. Anastasiades hatte die ganze Nacht über versucht, seine Konservativen und die oppositionellen Abgeordneten auf seinen Kurs einzuschwören.Das reichte allerdings nicht, um die Parlamentarier zu besänftigen. Während der Debatte sagten mehrere Abgeordnete, es sei "eine Frage der Ehre, Nein zu sagen". Der Präsident der Zentrumspartei (DIKO), Marios Karogian, rief den Parlamentariern zu: "Wir sagen Nein. Und wir sagen Nein für unsere Kinder und Enkel. Vor uns steht nun ein Leidensweg, aber wir werden es schaffen." Draußen vor dem Parlament skandierten Demonstranten: "Wir werden nicht die Sklaven des 21. Jahrhunderts werden." Die Polizei hatte das Parlamentsgebäude weiträumig abgesperrt.
Das Hilfspaket für Zypern
Hilfskredite
Bis zu zehn Milliarden Euro stellen die Geldgeber der klammen Mittelmeerinsel zur Verfügung. Das Geld ist sowohl für die Rekapitalisierung von Banken als auch zur Finanzierung des Staatshaushalts vorgesehen. In welcher Höhe der Internationale Währungsfonds sich beteiligt, ist noch unklar.
Abgabe auf Bankeinlagen
Bankkunden in Zypern werden kräftig zur Kasse gebeten. Bei Einlagen unter 100.000 Euro wird ein Einmal-Beitrag von 6,75 Prozent fällig, bei höheren Summen sind es 9,9 Prozent. Das soll insgesamt 5,8 Milliarden Euro bringen. An das Geld kommen die Anleger nicht mehr heran.
Schuldentragfähigkeit
Die Staatsverschuldung wird mit dem Hilfsprogramm deutlich steigen. Sie soll bis zum Ende des Jahrzehnts auf 100 Prozent der Wirtschaftsleistung begrenzt werden.
Steuern
Die niedrige Steuer für Unternehmen steigt. Statt bisher zehn Prozent werden künftig 12,5 Prozent fällig. Auch auf Kapitaleinkünfte gibt es höhere Abgaben.
Schrumpfkur für den Bankensektor
Der aufgeblähte Bankensektor soll auf Normalmaß schrumpfen. Bis 2018 soll er im Verhältnis zur Wirtschaftskraft des Landes das Durchschnittsniveau der EU erreichen.
Sparen
Zyperns Regierung muss weniger ausgeben. Der Inselstaat soll Ausgaben in Höhe von 4,5 Prozent seiner Wirtschaftsleistung einsparen.
Kampf gegen Geldwäsche
Ein strenges Vorgehen Nikosias gegen Geldwäsche war eine Bedingung für das Hilfspaket. Zypern lässt die Maßnahmen unabhängig überprüfen.



