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merkzettel

Verbesserter Service Facharzt-Termin: Ab Montag soll es schneller gehen

VideoSchneller zum Facharzt
Sprechstundenhilfen am Empfangstresen

Ab kommender Woche bietet die kassenärztliche Vereinigung Termin-Servicestellen an, die gesetzlich Versicherten die Termine innerhalb von 4 Wochen vermitteln sollen. Wir haben den Praxis-Test gemacht.

(22.01.2016)

VideoÄnderungen 2016
Arzt mit Patient

Schnell einen Termin beim Facharzt bekommen - für gesetzlich Versicherte oft unmöglich. Das soll sich jetzt ändern. Was sich für Patienten sonst noch ändert, erklärt Anja Charlet.

(18.01.2016)

VideoService: Kassenwechsel
Internetseite mit Krankenkassenvergleich

Sie haben sicher auch schon Post von Ihrer Krankenkasse bekommen. Und sind auch Ihre Zusatzbeiträge erhöht worden? Wenn Ihre Kasse teurer geworden ist, können Sie problemlos wechseln.

(08.01.2016)

Bis Montag sollen die Kassenärztlichen Vereinigungen die neuen Terminservicestellen eingerichtet haben. Mit ihnen soll verhindert werden, dass gesetzlich Versicherte selbst in akuten Fällen monatelang auf einen Behandlungstermin warten müssen. Hier ein Überblick über die neuen Patientenrechte. 

Die neuen Servicestellen müssen auf Wunsch des Kassenpatienten innerhalb von vier Wochen einen Termin bei einem Facharzt vermitteln. Der Patient soll innerhalb einer Woche von der Servicestelle über einen entsprechenden Behandlungstermin benachrichtigt werden. Kann innerhalb der Vier-Wochen-Frist kein Behandlungstermin angeboten werden, hat die Terminservicestelle den Versicherten innerhalb einer weiteren Woche einen Behandlungstermin in einem Krankenhaus anzubieten.

Gilt nicht für Bagatellen

Voraussetzung für eine solche Vermittlung ist, dass der Versicherte eine Überweisung an einen Facharzt hat. Für einen Termin bei einem Augen- oder Frauenarzt ist dies nicht erforderlich. Die Pflicht zur Vermittlung eines Termins innerhalb von vier Wochen gilt nicht bei Routineuntersuchungen und verschiebbaren Untersuchungen (Bagatellerkrankungen). Und: Der Versicherte hat keinen Anspruch auf einen Termin bei einem bestimmten Arzt.

Der Weg zu einem Facharzt darf in der Regel nicht mehr Zeit in Anspruch nehmen als bis zum nächstgelegenen Kollegen plus 30 Minuten, in bestimmten Fällen (etwa Anästhesisten, Kinder- oder Jugendpsychiater) nicht mehr als bis zum nächstgelegenen Kollegen plus 60 Minuten. Wird diese Zumutbarkeitsgrenze überschritten, muss auch hier ein Behandlungstermin in einem Krankenhaus angeboten werden.

Solche ambulanten Behandlungen im Krankenhaus sollen dann über die Kassenärztlichen Vereinigungen abgerechnet werden. Dazu sollen von den Terminservicestellen mit entsprechenden Krankenhäusern Kooperationsabsprachen getroffen werden.

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Gröhe: "Patientenrechte werden gestärkt"

Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) erwartet einen reibungslosen Start der neuen Vermittlungsstellen. Die zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen hätten einen fristgerechten Aufbau zugesichert. "Uns geht es um die Stärkung der Patientenrechte", betonte Gröhe.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hält die neuen Terminvergabestellen allerdings für überflüssig. Die Wartezeiten entstünden, weil es zu viele Patienten gebe, die wegen derselben Beschwerden zu zwei, drei oder sogar noch mehr Fachärzten gingen, sagte KBV-Vorstandsvorsitzender Andreas Gassen den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Krankenkassen: "Ein starkes Stück"

Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) wies diese Darstellungen zurück. "Das ist schon ein starkes Stück", sagte der GKV-Sprecher Florian Lanz. "Die Statistik, die die Aussage belegt, dass kranke Menschen lange auf Facharzttermine warten müssen, weil sie nicht nur zu einem, sondern wegen derselben Erkrankung zu mehreren Fachärzten gingen, möchte ich gerne mal sehen."

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, erklärte, Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern sowie aus der Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) machten deutlich, dass eine Steuerung der Patienten durch Hausärzte "der beste Weg ist, um die Qualität der Versorgung zu steigern und gleichzeitig die Effizienz der Strukturen zu verbessern".

Neue Terminservicestellen

Warum gibt es die neuen Terminservicestellen?

Archiv - Eine Ärztin hält am 18.09.2015 in einer Arztpraxis in Schwerin ein Stethoskop in den Händen

Kassenpatienten warten teilweise monatelang auf einen Facharzttermin - im Gegensatz zu Privatversicherten. Das will die Regierung ändern. Kommende Woche sollen die Terminservicestellen einsatzbereit sein.

Wie sind die Terminservicestellen zu erreichen?

Zuständig für die Terminservicestellen sind die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) im jeweiligen Bundesland. Auf den entsprechenden Webseiten können sich Patienten über die Rufnummern und die telefonische Erreichbarkeit informieren. Einen Überblick über die einzelnen KVen gibt die Internetseite der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Wie läuft die Terminvergabe ab?

Voraussetzung ist, dass der Patient gesetzlich krankenversichert ist und eine Überweisung zum Facharzt hat. Nur für Besuche bei Augenärzten und Gynäkologen kann er sich ohne Überweisung an die Terminservicestelle wenden. Nach dem Anruf muss die Terminservicestelle dem Versicherten binnen einer Woche einen Termin geben. Die Wartezeit darf maximal vier Wochen betragen. Kann der Patient den vorgeschlagenen Termin nicht wahrnehmen und sagt diesen am gleichen Tag wieder ab, bietet die Servicestelle einen Ausweichtermin an.

Was, wenn die Frist nicht eingehalten wird?

Kann die Terminservicestelle innerhalb von vier Wochen keinen Behandlungstermin vermitteln, muss sie dem Patienten einen Termin zur ambulanten Behandlung in einem Krankenhaus anbieten. Es reicht nicht, lediglich auf die Behandlungsmöglichkeit in einem bestimmten Krankenhaus zu verweisen. Für den Krankenhaustermin gelten dann dieselben Fristen.

Gibt es Ausnahmefälle bei der Terminvermittlung?

Ja. Ausgenommen sind Routineuntersuchungen, Vorsorgetermine und sogenannte Bagatellkrankheiten, bei denen sich der Gesundheitszustand nicht weiter verschlechtert, wenn die Behandlung nicht innerhalb von vier Wochen beginnt.

Besteht Anrecht auf Wunschtermin oder Wunscharzt?

Nein. Der Patient kann sich weder einen konkreten Termin noch einen bestimmten Arzt aussuchen. Die Servicestelle vermittelt nur Termine, die von Ärzten als frei gemeldet werden. Dafür müssen Patienten - wie derzeit noch häufig - nicht mehr selbst verschiedene Ärzte wegen eines Termins abklappern.

Gilt die Terminvergabe für alle Fachärzte?

Nein. Nicht vermittelt werden Termine bei Zahnärzten und Kieferorthopäden. Auch Hausärzte, Kinder- und Jugendärzte und Psychotherapeuten sind ausgenommen.

Muss man auch weite Entfernungen in Kauf nehmen?

Unter Umständen ja. Das Gesetz spricht hier von einer "zumutbaren" Entfernung. Konkret gilt zum Beispiel für Augenärzte, Frauenärzte oder Hautärzte als zumutbare Anfahrtzeit die Entfernung von der Wohnadresse des Patienten zum nächsten Arzt dieser Fachgruppe plus einer Fahrzeit von höchstens 30 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Bei spezialisierten Fachärzten wie Schwerpunktinternisten oder Radiologen gilt eine zusätzliche Fahrzeit von bis zu 60 Minuten als zumutbar.

Ist Terminvergabe über die Servicestellen Pflicht?

Nein. Nach wie vor gilt die freie Arztwahl. Versicherte können also weiter versuchen, bei ihrem Wunscharzt einen Termin zu bekommen. Auch den von der Terminservicestelle vermittelten Facharzt und die angebotene Behandlung im Krankenhaus können sie ablehnen und sich selbst kümmern, auch wenn dies vielleicht länger dauert.

Was ist, wenn es ganz schnell gehen muss?

Sind Untersuchungen oder Behandlungen nötig, für die aus medizinischen Gründen auch eine Wartezeit von bis zu vier Wochen zu lang ist, sollte der Patient wie bisher auch weiterhin direkt einen Termin machen.

Was bemängeln die Kritiker?

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und ihre regionalen Gliederungen leisteten lange Widerstand gegen die Vermittlung. Jetzt sicherten sie zu, am Montag rechtzeitig an den Start zu gehen. KBV-Chef Andreas Gassen bekräftigte aber, eine bessere Steuerung der Arztbesuche mache Terminvergabestellen überflüssig. Die Wartezeiten entstünden, weil es zu viele Patienten gebe, die wegen derselben Beschwerden zu zwei, drei oder sogar noch mehr Fachärzten gingen.

Was sagen die Befürworter?

Die gesetzlichen Krankenkassen weisen darauf hin, dass Privatpatienten in der Regel schneller einen Termin beim Facharzt bekommen als Kassenpatienten. Daher seien die Servicestellen richtig. Sie könnten auch gut funktionieren, wenn sich die ärztlichen Stellen wirklich darum bemühten. Der Sozialverband VdK meint jedoch, solange es für Ärzte lukrativer sei, Privatpatienten zu behandeln, würden gesetzlich Versicherte bei der Terminvergabe benachteiligt.

Wie lange sind die Wartezeiten derzeit?

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) spricht von einem deutschen "Luxusproblem": "Während in Deutschland nur sieben Prozent der Patienten länger als zwei Monate auf einen Facharzttermin warten mussten, sind es in Schweden und Norwegen rund ein Drittel."

Welchen Haken hat die Sache für die Patienten?

Ein Anspruch, zu einem bestimmten Arzt vermittelt zu werden, besteht nicht. Wer den Service nutzt, verwirkt also freiwillig sein Recht auf freie Arztwahl.

Quelle: dpa / AFP

22.01.2016, Quelle: dpa, afp
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