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merkzettel

Abschlussbericht zum Germanwings-Absturz Ermittler: Sicherheit vor Schweigepflicht

VideoBEA für strengere Kontrolle
Die französische Untersuchungsbehörde BEA fordert Routinekontrollen von Piloten

Als Konsequenz aus der Germanwings-Katastrophe hat die französische Untersuchungsbehörde BEA in ihrem Abschlussbericht routinemäßige Kontrollen von Piloten und internationale Regeln gefordert.

(13.03.2016)

Video"Germanwings: Keine Ermittlungen"
Theo Koll und Mitri Sirin

"Das Problem für die Fluggesellschaften wird auftauchen, wenn nachweisbar wird, dass es Fehler auf ihrer Seite gab", sagt ZDF-Korrespondent Theo Koll über Ermittlungen in der Germanwings-Katastrophe.

(12.06.2015)

VideoAbsturz-Opfer wieder zuhause
Lufthansa-Frachtmaschine

Nach dem Absturz der Germanwings-Maschine in Frankreich vor zweieinhalb Monaten wurden nun die ersten Opfer nach Deutschland überführt. Darunter auch die 16 Schüler und zwei Lehrerinnen aus Haltern.

(10.06.2015)

Video"Abschluss für Angehörige"
Prof. Elmar Giemulla

Prof. Elmar Giemulla ist Anwalt für Luftverkehrsrecht und vertritt Germanwings-Angehörige. Über die Rückführung der Verstorbenen sagt er: "Erst jetzt können die Hinterbliebenen wirklich abschließen."

(09.06.2015)

Kurz bevor er die Germanwings-Maschine in den französischen Alpen zum Absturz brachte, ist der deutsche Co-Pilot in eine psychiatrische Klinik überwiesen worden. Das teilten die Ermittler bei der Vorlage ihres Abschlussberichts mit. Sie forderten unter anderem neue Regeln für die ärztliche Schweigepflicht. 

Knapp ein Jahr nach der Germanwings-Katastrophe hat sich die französische Flugunfallbehörde BEA für strengere medizinische Kontrollen für Piloten ausgesprochen. Es müsse regelmäßig geprüft werden, ob Piloten insbesondere aus "psychologischen oder psychiatrischen Gründen" nicht in der Lage seien, ein Flugzeug zu steuern, heißt es in dem an diesem Sonntag vorgestellten Abschlussbericht der Behörde zu dem Absturz der Maschine in den französischen Alpen.

Ermittler fordern klare Schweigepflicht-Regeln

Die Ermittler forderten international klare Regeln, wenn die Gesundheit eines Patienten die öffentliche Sicherheit gefährdet. Der deutsche Co-Pilot war zwei Wochen vor der Tragödie von einem Arzt in eine psychiatrische Klinik überwiesen worden.
Ärztliche Schweigepflicht

Die ärztliche Schweigepflicht gehört laut Bundesärztekammer zum Kernbereich der Berufsethik. Sie gilt über den Tod eines Patienten hinaus sowie gegenüber Familienangehörigen. Auch Berufsordnungen der Landesärztekammern beinhalten Regelungen.

Ärzte dürfen jedoch Auskunft geben, wenn sie von der Schweigepflicht entbunden worden sind - "oder soweit die Offenbarung zum Schutze eines höherwertigen Rechtsgutes erforderlich ist". Auch wenn mehrere Ärzte an der Behandlung eines Patienten beteiligt sind, dürfen sie sich untereinander austauschen, wenn das Einverständnis des Patienten vorliegt oder "anzunehmen" ist.

Sollten Ärzte von ihren Patienten nicht von ihrer Schweigepflicht entbunden worden sein, können sie sich der Bundesärztekammer zufolge ausnahmsweise darüber hinwegsetzen, wenn etwa "besonders schwere Verbrechen" verhindert werden sollen oder eine Gefahr für Leib und Leben besteht (§ 138 und 34 Strafgesetzbuch).

Das teilten die Ermittler mit. Sie forderten, dass Medizinier Behörden davor warnen sollten, wenn die mentale Gesundheit eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen könnte, hieß es auf der Pressekonferenz in Le Bourget nahe Paris. Bisher sei die ärztliche Schweigepflicht von Land zu Land unterschiedlich geregelt.

Zugleich bestätigten die Ermittler wieder, dass der Co-Pilot Andreas Lubitz die Maschine absichtlich zum Absturz brachte. Zuvor war er wegen Depressionen behandelt worden und hatte Dutzende Ärzte aufgesucht. Niemand habe die Behörden über Bedenken wegen seiner mentalen Gesundheit informiert, teilte die BEA mit. Bereits in einem Zwischenbericht im vergangenen Mai war die BEA zu dem Ergebnis gekommen, dass Lubitz das Flugzeug absichtlich abstürzen ließ. Den Flugkapitän hatte er zuvor aus dem Cockpit ausgesperrt.

BEA: Cockpit-Türen sollten geschlossen bleiben

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Die Ermittler verzichteten dennoch auf Empfehlungen für Veränderungen an verschlossenen Cockpit-Türen. Die Türen seien wegen der Gefahr einer terroristischen Bedrohung gesichert, sagte BEA-Chef Rémi Jouty. Viele Fluglinien haben inzwischen eine Regelung eingeführt, nach der stets eine zweite Person im Cockpit sein muss. Diese zweite Person sollte aus Vertrauensgründen zuvor ausgewählt werden, sagte Jouty. Die BEA untersucht den Absturz unabhängig von den kriminaltechnischen Ermittlungen der französischen Staatsanwaltschaft.

Der Bericht zeigt nach Ansicht des Anwalts der Opfer deutliche Mängel auf bei der Auswahl, der Einstellung und der Überwachung des verantwortlichen Co-Piloten. "Der Lufthansa-Konzern hat einen psychisch krankhaft vorbelasteten Pilotenanwärter eingestellt und ausgebildet, ein Fehler mit schrecklichen Folgen", kritisierte Anwalt Christof Wellens am Sonntag auf Anfrage. Außerdem sei der Mann trotz einer eingeschränkten Flugerlaubnis wegen seiner Vorerkrankung nicht mehr psychiatrisch untersucht worden.

Gedenkfeiern am 24. März

Der Airbus A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings war auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen abgestürzt. Alle 150 Menschen an Bord kamen ums Leben, unter ihnen 72 Deutsche. Die Katastrophe in den südlichen französischen Alpen hatte international für Entsetzen gesorgt. Am 24. März, dem ersten Jahrestag des Absturzes, wird in der Region der Opfer gedacht.

Der Verlauf des Germanwings-Fluges

Grafikvideo

13.03.2016, Quelle: dpa, afp, ap
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