26.06.2016
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merkzettel

Politikpsychologe im Interview Wie man mit der AfD auch umgehen kann

Video"Kinder, die bockig sind"
Thomas Kliche, Politikpsychologe an der Hochschule Magdeburg-Stendal

Gegen die AfD kann man "nur Geduld haben, die Blödheit ignorieren, das Vernünftige dagegensetzen", sagt Politikpsychologe Thomas Kliche aus Magdeburg. AfD-Wähler seien wie "Kinder, die bockig sind".

(05.02.2016)

VideoPetry: Notfalls auf Flüchtlinge schießen
Frauke Petry

Mit dem Vorschlag, die Polizei müsse an der Grenze notfalls Schusswaffen gegen Flüchtlinge einsetzen, hat AfD-Chefin Petry für Empörung gesorgt. SPD, Grüne, Linke und Polizisten reagierten entsetzt.

(30.01.2016)

VideoWer wählt die AfD?
Frauke Petry vor einer Deutschland-Fahne

Die AfD ist im Höhenflug. Die rechtskonservative Partei kommt bei Umfragen auf zweistellige Werte im Bund. Aus Protest und dem Wunsch nach Änderungen, entscheiden sich viele für die AfD.

(29.01.2016)

VideoZerstört die AfD die Demokratie?
Screenshot

"Zerstört die AfD die Demokratie?" Mit Jakob Augstein und Nikolaus Blome

(29.01.2016)

von Annegret Oster

Gegen die AfD kann man "nur Geduld haben, die Blödheit ignorieren, das Vernünftige dagegensetzen", sagt Politikpsychologe Thomas Kliche aus Magdeburg im heute.de-Interview. 

Thomas Kliche redet Klartext – doch Panikmache liegt ihm fern: "Der Rechtsextremismus wird auf Jahre zur politischen Landschaft in Deutschland dazugehören, aber er wird vollkommen belanglos sein. Denn die anderen werden nichts mit ihm anfangen könne, es sei denn als Mehrheitsbeschaffer. Er hat ja keine Lösungen, er hat nur Fantasien. Einen Zaun bauen – das ist eine Fantasie. Sich abschließen, sich absondern von der Welt – das ist eine Fantasie. Damit kann man keine Politik machen."

Die Angst vor der Zukunft

Thomas Kliche ist Politik- und Gesellschaftspsychologe. Er lehrt an der Hochschule Magdeburg-Stendal und forscht seit mehr als 25 Jahren im Bereich der Politikpsychologie. Der AfD gilt im Moment sein besonderes Augenmerk - er ordnet die Partei klar dem rechtsextremen Spektrum zu. Panikmache allerdings hält er für nicht angebracht.

Die AfD-Wähler ordnet Kliche vier verschiedenen Gruppierungen zu: "Einmal rechtsextreme Menschenfeinde, die alles, was anders ist als sie, selber hassen. Und die auch eine Fantasie haben von ‚Wir sind ein Volk‘. Dann enttäuschte Bürgerliche, die sagen, die CDU ist so weichlich - die sorgt nicht dafür, dass wir so bleiben, wie wir sind. Dann Menschen in Sachsen-Anhalt, die von der Großen Koalition enttäuscht sind und das Gefühl haben, die Politiker steuern nicht, gestalten nicht und denen gern ein Denkzettel geben möchten. Und dann auch sehr viele, die Angst vor der Zukunft haben, weil sie keine klaren Lösungen sehen und nicht so recht wissen, welchen Platz in der Gesellschaft sie noch haben können."

Demos gegen Flüchtlinge "Form der Stressbewältigung"

2015 war das Jahr der Flüchtlinge. Quer durch ganz Deutschland wurde ihre Ankunft von hitzigen Debatten und wütenden Demos begleitet.
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Für Thomas Kliche ist das eine Form der gesellschaftlichen Stressbewältigung: "Zusammengehörigkeit, Zugehörigkeit ist ein menschliches Grundbedürfnis, und deshalb ist es Menschen auch so wichtig, dass ihre eigene Gruppe ganz toll ist - deshalb werten sie auch andere ab. Je unsicherer sie sind, desto eher neigen sie dazu, andere abzuwerten. Und je mehr die Zukunft ihnen Angst macht, desto wichtiger ist, dass sie sich in ihrer Gruppe zuhause fühlen. Das heißt, die AfD liefert ihnen ein gefühlsmäßiges Grunderleben, eine Lösung für die anstehenden Bedrängnisse des sozialen Wandels."

Die Globalisierungserfahrungen, so der Forscher, lösten makrosozialen Stress aus. "Die Menschen reagieren darauf mit unterschiedlichen Formen der Schockbewältigung. Das beginnt mit rückwärtsgewandten, regressiven, also kindlichen Fantasien, alles könnte beim Alten bleiben. Etwa, indem man nur laut genug schreit, ‚Wir sind das Volk‘, dann verschwinde das Andere."

Was ist der richtige Umgang mit der AfD?

Und die Medien? Die angebliche "Lügen-" beziehungsweise "Lückenpresse"? Was ist der richtige Umgang mit der AfD? Kliche: "Rechtsextreme haben Immunisierungsstrategien, sie haben Verschwörungstheorien, zum Beispiel den Vorwurf der ‚Lügenpresse‘. Damit ist alles, was andere Menschen tun, um ihre Weltsicht an Tatsachen zu messen, außer Kraft gesetzt. Mit solchen Menschen kann man nicht vernünftig argumentieren. Wir sind gegenüber von regressiven Rechtsextremen immer in der Situation, dass wir eigentlich wie mit Kindern reden, die bockig und unvernünftig sind – also wir sind Erwachsene, die vernünftig auf sie zugehen, aber wir werden argumentativ niemals durchkommen."

Trotz allem: Kliche blickt optimistisch in die politische Zukunft Deutschlands: "Ich bin optimistisch, dass die Menschen sich der Globalisierung als Gestaltungsaufgabe nicht mehr entziehen können und unsere Gesellschaft politischer und damit verantwortungsbewusster wird."

05.02.2016
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