24.07.2016

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von Anna-Maria Schuck

Sie arbeiten, putzen, kochen und erziehen ihre Kinder – und das oft ganz allein. Über deutsche Super-Mamas zwischen Kinderziehung und Karriere. 

Kristina Bier ist müde. Es ist Mittwoch, einer dieser Tage, der nicht zu enden scheint. Gerade hat sie noch Tochter Joanna (6) vom Kindergarten abgeholt, jetzt wartet sie schon sehnsüchtig auf das Ende des Ballettunterrichts von Tochter Jewelyn (7). Um 16 Uhr ist ihr Tag schon über zehn Stunden lang. "Ich finde, die größte Herausforderung ist die Terminplanung. Gegen 16.30 Uhr sind wir zu Hause. Um 19.30 Uhr ist schon wieder Schlafenszeit. Das sind drei Stunden, die man noch mit den Kindern hat in der Woche."

90 Prozent der Alleinerziehenden sind Frauen

Alleinerziehende in Deutschland

Es gibt in Deutschland immer mehr Alleinerziehende mit minderjährigen Kindern. Von den rund 8,2 Millionen Familien mit minderjährigen Kindern sind inzwischen knapp 20 Prozent alleinerziehende Mütter oder Väter. In der Zeit von 1996 bis zum Jahr 2010 ist die Anzahl der Alleinerziehenden von 1,3 Millionen auf 1,6 Millionen gestiegen.

Kristina Bier ist eine von aktuell 1,6 Millionen Alleinerziehenden in Deutschland. Tendenz: steigend. Sie sind meist Anfang 20 bis Mitte 50, haben eines oder mehrere Kinder. Und: 90 Prozent von ihnen sind Frauen. "Kein Wunder", sagt Familiensoziologin Professor Anja Steinbach von der Universität Duisburg-Essen. Sie beschäftigt sich seit Jahren wissenschaftlich mit dem Thema – und der Frage nach dem Warum.

Steinbachs Antwort: "Wir leben in Deutschland noch viel zu sehr nach traditionellen Rollenbildern. Selbst bei strittigen Fällen, die vor Gericht ausgetragen werden, haben die Familienrichter oft ein sehr konservatives Familienbild. Selbst wenn die Männer ihren Anteil übernehmen möchten, wird meist den Frauen das Kind zugesprochen, weil ihnen offensichtlich mehr Kompetenzen diesbezüglich zugetraut werden."

Zwischen Kindererziehung und Karriere

Kristina Bier teilt sich das Sorgerecht mit ihrem Noch-Ehemann. Sie hat die Kinder unter der Woche, er am Wochenende. Dennoch bleibt es für sie ein Spagat zwischen Kindererziehung und Karriere. Vormittags, wenn Jewelyn und Joanna entweder in der Schule oder im Kindergarten sind, kümmert sich Bier um ihre anderen Jobs: Wenn sie nicht für die Uni lernt, arbeitet sie in einem Ingenieurbüro. "Es fühlt sich an, als ob man in einem Hamsterrad wäre. Man ist ja nicht nur Kindererziehungsmaschine, Putzmaschine und Arbeitsmaschine“, sagt Bier. Doch sie ist auf das Geld angewiesen. Denn auch wenn es nicht ihr Traumjob sei, verdiene sie genug Geld, "das uns über Wasser hält." Zusammen mit der Grundsicherung und dem Unterhaltsvorschuss komme sie so ganz gut über die Runden.

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So wie ihr geht es knapp 40 Prozent der Alleinerziehenden, die auf Grundsicherung angewiesen sind. Sie leben häufig am Existenzminimum – und damit auch ihre minderjährigen Kinder. "Es geht hier um Armut von Frauen. Das Ganze basiert genau darauf, dass wir diese traditionellen Rollen haben, und Frauen aus dem Erwerbsleben sehr zeitig aussteigen, teilweise ganz und für immer und kein Einkommen erzielen, was dann zum Beispiel einen trägt, wenn man keinen Partner mehr hat", sagt Anja Steinbach.

Mit traditionellen Rollenbildern brechen

Ziel müsse es sein, nicht nur die Rahmenbedingungen zu verbessern, also zum Beispiel die Ganztagsbetreuung auszubauen, sondern auch das Rollenverständnis der Eltern selbst zu verändern. "Idealerweise müsse auch nach der Trennung das Sorgerecht und die Erziehung auf beide Schultern gleichermaßen verteilt werden", erklärt Anja Steinbach. Erst wenn das der Fall sei, würde sich die Situation von Alleinerziehenden wie Kristina Bier verbessern.

12.03.2016
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