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Menschenrechte in Iran Amnesty: Dutzende junge Straftäter vor Hinrichtung

BildIran - Todesstrafe
Flagge vom Iran

(17.01.2016)

VideoIran-Sanktionen aufgehoben
Irans Präsident Hassan Ruhani

Die USA und die EU haben ihre Sanktionen gegen Iran aufgehoben. Zuvor hatte die Internationale Atomenergiebehörde bestätigt, dass Iran sein Atomprogramm wie vereinbart zurückgefahren hat.

(17.01.2016)

VideoIran vs. Saudi-Arabien
Trauerfeier für den hingerichteten schiiten Al-Nimr.

Was zunächst ein Konflikt zwischen zwei Ländern war, droht immer mehr zum Flächenbrand für die gesamte arabische Welt zu werden. Jetzt brechen weitere sunnitische Staaten ihre Beziehungen zu Iran ab.

(04.01.2016)

Video"Wirtschaft wird durchstarten"
Michael Lüders (links) und Wolf-Christian Ulrich

Das Aufheben der Sanktionen gegen Iran "ist eine gute Nachricht für die Region", sagt Nahostexperte Michael Lüders. Die nun freigegebenen 100 Milliarden Dollar machten Iran zur Wirtschaftsmacht.

(18.01.2016)

Amnesty International zeigt sich alarmiert über den Umgang Irans mit jungen Straftätern: Dutzende von ihnen drohe die Exekution, berichtet die Menschenrechtsorganisation. Iran dürfte der Report in Zeiten von Annäherungsversuchen gen Westen ungelegen kommen. 

Dutzenden Straftätern im Jugendalter droht in Iran laut Amnesty International trotz jüngster Justizreformen die Exekution. Die Betroffenen seien für Verbrechen festgenommen worden, die sie vor ihrem 18. Lebensjahr begangen haben sollen, hieß es in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation. Viele hätten schon Jahre im Todestrakt verbracht.

"Feindschaft gegen Gott"

Laut Amnesty wurden zwischen 2005 und 2015 in Iran mindestens 73 jugendliche Straftäter hingerichtet, darunter mindestens vier im vergangenen Jahr. Der Großteil sei wegen Mordes zum Tode verurteilt worden, andere wegen Vergewaltigung, Drogenvergehen und Gefährdung der nationalen Sicherheit, unter der auch der Tatbestand der "Feindschaft gegen Gott" fällt.

Weitere Links zum Thema

Ermittler von Amnesty konnten den Angaben zufolge Namen und Standorte von 49 jungen Todeskandidaten in Erfahrung bringen. Doch dürfte die Dunkelziffer der Betroffenen höher liegen, hieß es in dem Report. Ein UN-Bericht aus dem Jahr 2014 etwa hatte die Zahl junger Straftäter in iranischen Todestrakten mit mehr als 160 angegeben. Zugleich wies Amnesty auf Justizreformen in Iran hin. Die im Jahr 2013 eingeführten Neuerungen würden Richtern mehr Ermessensspielraum bei der Berücksichtigung der psychischen Reife der Beschuldigten geben.

Amnesty: Es muss mehr geschehen

Dies ermögliche mildere Strafen. Zudem hat das Oberste Gericht Irans erlaubt, dass Prozesse, an deren Ende ein Todesurteil ergeht, neu aufgerollt werden können. Erst 2015 erlassene Zusatzreformen sähen im Übrigen vor, dass Fälle von jungen Leuten vor besonderen Jugendgerichten verhandelt werden müssten.

Und dennoch müsse mehr geschehen, forderte Amnesty. Trotz einiger Reformen im Jugendstrafrecht hinke Iran dem Rest der Welt immer noch hinterher, mahnte die in London ansässige Organisation. So halte Teheran an Gesetzen fest, die Exekutionen erst neunjähriger Mädchen und fünfzehnjähriger Jungen erlaubten. Iranische Regierungsvertreter äußerten sich zunächst nicht zu dem Bericht.

Gleich hinter China

Iran gehört zu den Ländern, in denen die Todesstrafe besonders oft angewandt wird. Im Jahr 2014 rangierte es laut Amnesty auf der Liste der Staaten mit der höchsten Exekutionsquote hinter China auf Platz zwei. Im Schnitt werden die meisten Todesurteile in Iran wegen Drogenschmuggels vollstreckt.

Der 110 Seiten starke Amnesty-Bericht fällt in eine Zeit verstärkter Bemühungen Teherans um einen Wiederaufbau seiner Beziehungen zum Westen im Zuge des Atomdeals. Das Abkommen wurde kürzlich mit der Aufhebung von Sanktionen gegen Teheran unter Dach und Fach gebracht, nachdem das Land Schritte zur Eindämmung seines Nuklearprogramms vorweisen konnte. Irans Präsident befindet sich derzeit auf einer Europareise, die ihn zunächst nach Italien führte. Weitere Stationen sind der Vatikan und Frankreich.

26.01.2016, Quelle: ap
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