28.06.2016
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Amokläufer in den USA Wie sich US-Unis gegen Attentäter wappnen

BildPolizei in Newtown
Archiv: Ein Polizeiwagen am 14.12.2012 in Newtown

(Quelle: dpa)

VideoWaffenlobby in den USA
Wie können Amokläufe verhindert werden? Die These der Waffen-Lobby: Mehr Waffen für weniger Gewalt.Inszenierte Schießereien an einer Uni in Texas sollen zeigen, wie gefährlich waffenfreie Zonen seien.

Wie können Amokläufe verhindert werden? Die These der Waffen-Lobby: Mehr Waffen für weniger Gewalt.Inszenierte Schießereien an einer Uni in Texas sollen zeigen, wie gefährlich waffenfreie Zonen seien.

(16.12.2015)

VideoAmok - Blinde Wut
Silvia Schubert (Maria Simon)

Begleitvideo zum Fernsehfilm der Woche "Silvia S. – Blinde Wut", der sich mit den psychologischen Hintergründen von Amokläufern auseinandersetzt.

(02.11.2015)

von Maya Dähne, New York

164 Schießereien an Schulen und Unis hat es in den USA seit 2013 gegeben. Nach jedem Amoklauf werden Notfallpläne aufgestellt, Sicherheitskräfte eingestellt, Überlebenstrainings durchgeführt. Die Strategien reichen von Warn-Apps über Waffen bis zu Notfall-Ratgebern. 100 Prozent Sicherheit gibt es nicht. 

"Immer wenn einer meiner Studenten mit einer Note unzufrieden oder völlig anderer Meinung ist, frage ich mich: Was wäre, wenn er oder sie plötzlich mit einer Waffe vor mir steht?", sagt Jan Arabas, Professorin für Bildende Kunst am Middlesex Community College in Massachusetts. "Ich habe Angst vor meinen Studenten", gibt die 57-Jährige offen zu.

Und damit ist sie nicht allein. Die New York Times befragte vergangenen Monat ihre Leser, ob sie persönlich Angst hätten, Opfer einer Schießerei zu werden. Tausende antworteten, darunter viele Lehrer, Professoren und Studenten.

164 Schießereien in drei Jahren

Vom Massaker an der Columbine Highschool 1999 über den Amoklauf an der Virginia Tech University 2007 und die Schießerei an der Sandy Hook Grundschule 2012 bis zum jüngsten Blutbad am Umpqua College in Oregon: Die Liste der Amokläufe an amerikanischen Schulen ist lang. Laut eines aktuellen Berichts der Non-profit Organisation "Everytown for gun safety" hat es seit 2013 insgesamt 164 Schießereien an Schulen und Colleges gegeben.

Massenschießereien sind neben Schneestürmen, Bränden und Erdbeben Notfälle, auf die sich jede Schule und jedes College vorbereiten muss. Seit dem Amoklauf an der Virginia Tech University, bei dem 32 Menschen ums Leben kamen, haben Colleges überall im Land aufgerüstet. Nach Angaben des Justizministeriums patrouillieren inzwischen an Zweidrittel der US-Unis mit mehr als 2.500 Studenten bewaffnete Sicherheitsleute.

Abhauen, Verstecken, Kämpfen

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An der West Virginia University sind 56 Polizisten für die Sicherheit von 30.000 Studenten und Professoren zuständig. Regelmäßig werden Trainings für Mitarbeiter veranstaltet. "Wer die Chance hat zu fliehen, sollte weglaufen", empfiehlt Bob Roberts, der Chef der Campuspolizei. "Wenn das keine Option ist, sollte man sich verbarrikadieren. Und wenn es um Leben und Tod geht, muss jeder die Entscheidung treffen, ob er sich dem Schützen entgegenstellt und kämpft."

In Trainingsvideos wird vorgeschlagen, den Schützen mit Topfpflanzen, Stühlen oder Büchern zu attackieren. Die Stadt Houston hat in Kooperation mit der Heimatschutzbehörde ein Video produziert. "Run, Hide, Fight", so der Titel. Darin wird ein Amoklauf in einem Bürogebäude nachgestellt. Fliehen, Verstecken, Kämpfen, das sind die drei Optionen im Notfall.

App gegen Amokläufer

Immer mehr Unis setzen außerdem auf High Tech. In Notfällen werden Professoren und Studenten via Textnachricht und Email gewarnt. Manche Schulen haben sogar eine eigene App für Studierende und Lehrende. Die Apps heißen "EmergenSee" oder "LifeSafe". Im Notfall können Betroffene darüber nicht nur wichtige Updates empfangen, sondern überall auf dem Campus geortet werden.

Einigen Hochschulen reicht das alles nicht. Sie setzen auf aktive Selbstverteidigung. Zum Beispiel die Liberty University in Lynchburg, Virginia. Der Präsident des evangelikalen Colleges, Jerry Falwell jr., hat Studenten gerade ermutigt, künftig Revolver und Pistolen mitzubringen. "Wenn mehr von den Guten Waffen hätten, könnten wir diese Muslims stoppen bevor sie Unheil anrichten können", sagte er mit Bezug auf das Terrorattentat vim kalifornischen San Bernardino.

Unis in Texas rüsten auf

Das sieht man in Texas ganz ähnlich. Ab August sollen Studenten und Professoren an sämtlichen Unis verdeckt Waffen tragen dürfen. In mehreren anderen US-Bundesstaaten, in Utah und Arkansas, Wisconsin und Idaho, Kansas und Mississippi sind Pistolen auf dem Gelände von Colleges bereits erlaubt.

Für die einen bedeutet das effektiven Schutz vor Amokläufern, für die anderen ist es blanker Wahnsinn. Steven Weinberg, Nobelpreisträger für Physik und Professor an der renommierten University of Texas in Austin, hat bereits angekündigt, dass Studenten, die Waffen tragen, von seinen Vorlesungen ausgeschlossen werden. "Auch, wenn ich dafür vor Gericht gestellt werden sollte."

30.01.2016
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