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Angeblicher Wasserstoffbombentest UN-Sicherheitsrat: Maßnahmen gegen Nordkorea

VideoNordkorea testet Bombe
UN-Sicherheitsrat

Nordkorea hat nach eigenen Angaben erstmals erfolgreich eine Wasserstoffbombe getestet. Der UN-Sicherheitsrat will noch heute eine Sondersitzung einberufen.

(06.01.2016)

VideoNordkorea testet H-Bombe
Einwohner von Pyongyang in Nordkorea schauen am Bahnhof auf einem Videoscreen die Nachrichten im Staatsfernsehen.

Nordkorea hat nach eigenen Angaben erstmals erfolgreich eine Wasserstoffbombe getestet. Der UN-Sicherheitsrat will noch heute eine Sondersitzung einberufen.

(06.01.2016)

VideoViel Säbelrasseln bei Parade
ZDF-Korrespondent Thomas Reichart

70 Jahre Arbeiterpartei in Nordkorea: Machthaber Kim droht den USA - er sei für jeden Krieg gewappnet. "Man muss nicht alles glauben", so ZDF-Korrespondent Reichart. Aber das Land bleibe gefährlich.

(10.10.2015)

VideoReise ins verbotene Land
Arbeiter beim Marschieren in Pjöngjang.

Zum 70. Jubiläum der Arbeiterpartei in Pjöngjang ist ZDF-Korrespondent Thomas Reichart ins kommunistische Nordkorea gereist. Wie war seine Einreise? Wie viel Diktatur ist sichtbar?

(09.10.2015)

War es eine Wasserstoffbombe, war es "nur" eine weiterentwickelte Atombombe? Nordkorea erntet harsche Kritik für neue Bombentests. Der UN-Sicherheitsrat erwägt in einer Dringlichkeitssitzung, neue Maßnahmen gegen Pjöngjang einzuleiten. Sogar Nordkoreas Verbündeter China ist dafür. 

Nach der mutmaßlichen Zündung einer Wasserstoffbombe (H-Bombe) drohen Nordkorea verschärfte Sanktionen durch die internationale Gemeinschaft. Der UN-Sicherheitsrat verurteile den Test scharf und ziehe "weitere bedeutende Maßnahmen" in Betracht, sagte Elbio Rosselli, derzeit Vorsitzender des Rats, nach einer Dringlichkeitssitzung am Mittwoch. Auch die Veto-Macht China, die mit dem kommunistischen Nordkorea verbündet ist, unterstütze den Beschluss.

Verstoß gegen vier bestehende UN-Resolutionen

Nordkorea hatte nach eigenen Angaben erstmals erfolgreich eine Wasserstoffbombe gezündet und damit weltweit Empörung ausgelöst. Atomexperten in Südkorea und anderen Staaten bestätigten nach Erdbebenmessungen einen Kernwaffentest in dem international isolierten Land. Sie bezweifelten aber angesichts der begrenzten Sprengkraft, dass tatsächlich eine Wasserstoffbombe detonierte.

Die Aktion verstößt gegen vier bestehende Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. "Daher besteht weiterhin eine klare Bedrohung für die internationale Sicherheit", sagte Rosselli. "Japan wird um eine neue, schnell anzunehmende und robuste Resolution bitten", sagte Japans UN-Botschafter Motohide Yoshikawa in New York. Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Yukiya Amano, forderte Nordkorea auf, alle relevanten Resolutionen vollständig umzusetzen.

Stärke der Explosion zu schwach für eine H-Bombe

Nordkorea fühlt sich von den USA bedroht

Seinen ersten Atomtest hatte Nordkorea vor zehn Jahren durchgeführt. Die Diktatur unter Machthaber Kim Jong Un sieht sich von den USA bedroht und stockt ihr Nukleararsenal seit Jahren stetig auf. Der UN-Sicherheitsrat hat bereits eine Reihe von Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Nordkorea sowie eine Reihe von Einzelpersonen beschlossen.

Messungen von Erdbebenwarten in der ganzen Welt belegen mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass Nordkorea auf seinem Atomtestgelände im Nordosten einen Nukleartest unternommen hat. Zwischen 2006 und 2013 gab es auf dem Testgelände in Punggye Ri im Kreis Kilju drei Tests, auf die der Sicherheitsrat jeweils mit neuen Sanktionen antwortete.

Die staatlich kontrollierten Medien jubelten, mit der erfolgreichen Erprobung einer Wasserstoffbombe "in der perfektesten Weise" habe sich die Volksrepublik in die Reihe der Atommächte gestellt, die über eine solche Waffe verfügten.

Südkoreanische Militärexperten halten es aber für unwahrscheinlich, dass Nordkorea eine voll entwickelte H-Bombe gezündet hat, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul sagte. Die Stärke der Explosion sei dafür zu schwach gewesen. Eine Wasserstoffbombe setzt Energie aus einer Kernverschmelzung frei. Als Zünder enthält sie eine Atombombe.

Auch die USA kamen nach einer ersten Analyse zu anderen Ergebnissen, wie Regierungssprecher Josh Earnest sagte. Man sehe keinen Grund, von einer veränderten Bewaffnung Nordkoreas auszugehen. Washington versicherte Südkorea des gusseisernen Versprechens, das Land gegen den nördlichen Nachbar nötigenfalls militärisch zu verteidigen.

Starke Indizien für eine Nuklearexplosion

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Nach Angaben der Organisation des Vertrags über das umfassende Verbot von Nuklearversuchen (CTBT) in Wien war die aktuelle Detonation ähnlich stark wie die vor drei Jahren. Stationen hätten eine Erschütterung der Stärke 4,9 gemessen, sagte der Chef-Datenanalyst der Organisation, Randy Bell.

"Nach dem bisherigen Stand der Auswertung sprechen starke Indizien für eine Nuklearexplosion", teilte auch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) mit, die von einer Stärke von 5,1 sprach. Das entspreche einer Sprengkraft von 14 Kilotonnen und somit in etwa der Stärke des Tests von 2013.

Entwickelte Zwischenstufe auf dem Weg zur Wasserstoffbombe

Das Verteidigungsministerium in Seoul vermutete, dass Nordkorea eine sogenannte geboostete Spaltbombe entwickelt haben könnte, eine Zwischenstufe auf dem Weg zur Entwicklung einer H-Bombe.

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye sagte, dass Nordkorea einen entsprechenden Preis zahlen werde. Auch Nordkoreas traditioneller Verbündeter China kritisierte den neuen Test. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) ließ den nordkoreanischen Botschafter ins Auswärtige Amt einbestellen.

Nordkorea

Nach Jahrzehnten kommunistischer Diktatur ist das mehrfach von Hungersnöten geplagte Nordkorea zu einem bettelarmen Staat geworden. Die Infrastruktur ist marode, die Energieversorgung unzureichend. Das Land produziert nur wenige wettbewerbsfähige Konsumgüter, unterhält aber eine der größten Armeen in Asien.

An der Spitze der von einem Geflecht aus Arbeiterpartei und Militär beherrschten Diktatur steht Kim Jong Un, der seinen Ende 2011 gestorbenen Vater Kim Jong Il abgelöst hat. Unter der Führung von Kim Jong Uns Großvater Kim Il Sung war die "Demokratische Volksrepublik Korea" 1948 gegründet worden.

Die abgeschottete Diktatur hat rund 25 Millionen Einwohner und ist mit knapp 123.000 Quadratkilometern etwas größer als die frühere DDR. Die Verletzung der Menschenrechte ist Amnesty International zufolge an der Tagesordnung. Hunderttausende sollen in politischen Straflagern und anderen Haftanstalten gefangen gehalten werden. Nordkoreas Atomprogramm löst internationale Besorgnis aus.

(Quelle: dpa)

Übersicht: Kernwaffen

Wasserstoffbombe

erste Wasserstoffbombe 1952

Die H-Bombe wurde unter Leitung von Edward Teller und Stanislaw Ulam in den USA entwickelt und erstmals 1952 auf einem Atoll im Pazifik gezündet. Ihre Sprengkraft ist bis zu tausend Mal stärker als die einer auf Kernspaltung beruhenden Atombombe. Sie setzt Energie aus der  unkontrollierten Verschmelzung (Fusion) von Wasserstoffkernen frei. Zur Zündung des als Brennstoffs verwendenten Lithiumdeuterids dient eine Kernspaltungsbombe. Bei ihrer Zündung werden große Mengen an Röntgenstrahlung frei, deren immenser Druck eine nach innen gerichtete Stoßfront erzeugt, die das Lithiumdeuterid extrem komprimiert und erhitzt, bis die Fusionsreaktionen beginnen.

Atombombe

Sie ist das Ergebnis des Manhattan-Projekts. Der erste Test, Trinity genannt, fand am 16. Juli 1945 statt. Die Atombombenexplosionen am 6. August 1945 über Hiroshima und drei Tage später über Nagasaki beendeten den Zweiten Weltkrieg in Asien. Auf Kernspaltung beruhende Atombomben benutzen entweder hochangereichertes Uran235 oder mindestens 93 Prozent reines Plutonium239. Durch konventionellen Sprengstoff wird der Spaltstoff so stark komprimiert, dass eine sich selbst verstärkende Kernspaltungs-Kettenreaktion einsetzt. Bei den Abwürfen auf die beiden japanischen Städte geht man von zusammen rund 330.000 Toten aus.

Neutronenbombe

Neutronenbomben sind Kernwaffen, die vor allem durch harte Neutronenstrahlung töten. Sie bestehen aus einem kleinen primären Kernspaltungssprengsatz und einem ebenfalls kleinen Fusionsbooster aus Deuterium-Tritium-Gas. Sie haben keine Neutronenreflektierende Uran-Umhüllung weshalb die meisten der bei der Kernspaltung freiwerdenen Neutronen ungehindert entweichen können. Neutronenstrahlung führt bei Menschen zu schwerer Strahlenkrankheit und führt bei starker Exposition binnen weniger Stunden zum Tod.

Wirkung von Kernwaffen

Atom- und Thermonuklearbomben (Wasserstoffbomben) erzeugen vor allem sehr große Hitze. In den ersten Sekunden einer Explosion strahlt der Feuerball mit fast 100 Millionen Grad in fast allen Frequenzen des elektromagnetischen Spektrums wie eine Sonne auf Erden. In weitem Umkreis (bis zu 15 Kilometern) fängt sofort alles Feuer, was auch nur irgendwie brennen kann: Menschliche Haut und Fettgewebe, Kleidung, Vorhänge, Bäume, Gras, Holz, Kunststoffe, Autoreifen, Benzintanks, selbst Autolacke brennen spontan. Eine sich mit Überschallgeschwindigkeit ausbreitende Druckwelle folgt auf die Hitzewelle wie der Donner auf den Blitz und zerstört selbst Gebäude aus Stahlbeton. Radioaktiver Niederschlag vor allem aus Bodendetonationen überzieht ganze Landstriche mit tödlicher Strahlung.

(Quelle: ZDF, dpa)

06.01.2016, Quelle: dpa
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