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Vatikan Papst: Verhütung "kein absolutes Übel"

BildPapst Franziskus
Archiv - Papst Franziskus am 17.11.2015 auf dem Petersplatz in Rom

(Quelle: dpa)

VideoPapst beendet Mexiko-Reise
Zum Ende seiner fünftägigen Mexiko-Reise hat Papst Franziskus zur Solidarität mit Flüchtlingen in aller Welt aufgerufen. In Ciudad Juarez hielt er zum Abschluss eine Messe vor 300.000 Gläubigen.

Zum Ende seiner fünftägigen Mexiko-Reise hat Papst Franziskus zur Solidarität mit Flüchtlingen in aller Welt aufgerufen. In Ciudad Juarez hielt er zum Abschluss eine Messe vor 300.000 Gläubigen.

(18.02.2016)

VideoKuba: Papst trifft Patriarch
In Kubas Hauptstadt Havanna hat Papst Franziskus den russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill I. getroffen. Die beiden wollen die Christenheit wieder stärker zusammenführen.

In Kubas Hauptstadt Havanna hat Papst Franziskus den russisch-orthodoxen Patriarchen Kirill I. getroffen. Die beiden wollen die Christenheit wieder stärker zusammenführen.

(13.02.2016)

VideoWie gefährlich ist der Zika-Virus?
Mutter mit Baby

Die Nachricht, dass der Zika-Virus auch sexuell übertragen werden kann, alarmiert die Welt. Mit HIV vergleichen kann man ihn jedoch nicht.

(03.02.2016)

Einmal mehr hat Papst Franziskus für Überraschungen gesorgt. Die Vermeidung einer Schwangerschaft sei - anders als Abtreibung - "kein absolutes Übel", sagte das Kirchenoberhaupt mit Blick auf die Gefahren des Zika-Virus. "In bestimmten Fällen" könne der Gebrauch von Verhütungsmitteln erlaubt sein. 

Der Vatikan hat die veränderte Haltung der katholischen Kirche beim Thema Verhütung bestätigt, die Papst Franziskus auf dem Rückflug von Mexiko nach Rom angedeutet hatte. "Verhütungsmittel oder Präservative können in Fällen besonderer Not einer ernsthaften Gewissensprüfung unterzogen werden", betonte Vatikansprecher Federico Lombardi am Freitag im Sender Radio Vatikan: "Das sagt der Papst." Entwicklungshilfe-Experten und die katholische Basisbewegung "Wir sind Kirche" begrüßten die neue Tonlage im Vatikan.

Verhütung "kein absolutes Übel"

Angesichts der in Lateinamerika grassierenden Zika-Epidemie hatte Franziskus am Donnerstag nach Abschluss seiner Mexiko-Reise erklärt: "Eine Schwangerschaft zu verhindern, ist kein absolutes Übel." Das Zika-Virus wird für Schädel-Fehlbildungen bei Neugeborenen (Mikrozephalie) verantwortlich gemacht. Die Epidemie ist mittlerweile in 30 Staaten nachgewiesen worden, wobei Brasilien und Kolumbien am stärksten betroffen sind.

Lombardi verwies auf Papst Paul VI. (1897 bis 1978). Dieser habe Ordensfrauen im Kongo, denen Vergewaltigungen durch Rebellen drohten, ausdrücklich erlaubt, zu verhüten.
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Der Vatikansprecher erinnerte zudem an Äußerungen von Papst Benedikt XVI., der im Interviewbuch "Licht der Welt" den Einsatz von Kondomen für Prostituierte nicht ausschloss. Als das Buch des Journalisten Peter Seewald 2010 erschien, bemühte der Vatikan sich noch, die darin angedeutete Lockerung des Kondom-Verbots abzuschwächen.

Moraltheologe: Papst nicht reformistisch

Der Paderborner Moraltheologe Peter Schallenberg sagte, möglicherweise zeichne sich nun eine Modifizierung der katholischen Lehre ab. Demnach wäre die Empfängnisverhütung im Sinne einer Güterabwägung das kleinere Übel als eine mögliche gesundheitliche Beeinträchtigung von Mutter oder Kind bei einer Schwangerschaft, sagte er.

Franziskus sei allerdings "nicht systemisch progressiv oder reformistisch", erläuterte Schallenberg. "In anderen Punkten wie der Familienpolitik ist er ja auch eher konservativ." Der Papst wolle aber den Gläubigen helfen, die Anforderungen des Glaubens im Alltag zu leben.

Letzte Entscheidung liegt bei Eltern

"Wir sind Kirche" begrüßte die Äußerung des Papstes. In ethischen Fragen sei eine Weiterentwicklung der katholischen Lehre möglich und notwendig, erklärte der Sprecher der Basisbewegung, Christian Weisner. "Da ist es gut, wenn der Papst in diesem Fall künstliche Verhütungsmittel nicht ausschließt." Die letzte Verantwortung und Gewissensentscheidung für eine verantwortete Elternschaft liege nach katholischer Lehre bei den Eltern.

Links
Vatikan-Blog "Papstgeflüster"
Die Stiftung Weltbevölkerung hofft nun auf eine breitere Akzeptanz der Familienplanung in Lateinamerika. Die Worte des Papstes "werden sicher dazu führen, dass mehr Frauen gewillt sind, zu verhüten", sagte die Sprecherin der Stiftung, Ute Stallmeister, dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Aber es darf nicht nur um Zika gehen", betonte Stallmeister. "Denn sollen die Frauen aufhören zu verhüten, wenn die Epidemie vorbei ist oder ein Impfstoff gefunden wurde?"

Die WHO hatte Anfang Februar aufgrund der schnellen Verbreitung des Zika-Virus in Lateinamerika den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Das Zika-Virus wird von der Ägyptischen Tigermücke übertragen, die auch Gelbfieber und das gefährliche Dengue-Fieber verbreitet. Eine Gefahr stellt der Erreger vor allem für Kinder im Mutterleib dar. Zumeist löst der Erreger eine harmlose Infektionskrankheit mit grippeähnlichen Symptomen aus.

Zika-Virus - die Fakten

Ausbreitung des Zika-Virus

Infokarte: Verbreitung des Zika-Virus

Ursprünglich stammt das Zika-Virus aus Afrika, hat sich aber in Teilen Asiens ausgebreitet. Derzeit grassiert es in Südamerika. Auch aus mehreren französischen Überseegebieten in der Region wurden Erkrankungen gemeldet, darunter aus Martinique und Guadeloupe. Besonders für Schwangere ist das Virus gefährlich, weil es zu schweren Schäden des Ungeborenen führen kann.

Was ist das Zika-Virus?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Das Virus wurde erstmals 1947 in Uganda bei einem Affen entdeckt. Benannt ist es nach einem südlich der ugandischen Hauptstadt Kampala gelegenen Wald. Das Zika-Virus gehört ebenso wie die Viren des Gelbfiebers und des Dengue-Fiebers zur Familie der Flaviviridae. Der erste Fall beim Menschen wurde nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1968 bekannt. Übertragen wird das Virus durch infizierte Stechmücken, darunter der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) und der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus).

Wie wird das Zika-Virus übertragen?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Eine Übertragung ist auf vielen Wegen möglich. Einmal über die erwähnte Stechmücke. Aber auch bei sexuellem Kontakt oder bei Blutspenden - "aber das sind eher die Ausnahmen", sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Welche Symptome treten auf?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

In bis zu 80 Prozent der Fälle bleibt die Infektion unbemerkt. In den anderen Fällen ähneln die Symptome einer Grippe: Die Infizierten leiden unter Fieber, Kopfschmerzen und Muskelbeschwerden. Außerdem kann Hautausschlag auftreten. Bindehautentzündungen und Augenschmerzen sind ebenfalls möglich, ebenso wie Schwellungen an Händen oder Füßen.

Welche Komplikationen gibt es?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Bislang wurde noch kein Todesfall im Zusammenhang mit Zika gemeldet. Allerdings sind schwere neurologische Schäden wie etwa das Guillain-Barré-Syndrom, eine entzündliche Nervenkrankheit, bekannt. Für Schwangere ist das Virus besonders gefährlich: Es kann sich auf das ungeborene Kind übertragen und zu Hirnfehlbildungen sowie zu Mikrozephalie führen, einem abnormal kleinen Kopf.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Es gibt bislang weder einen Impfstoff noch ein gezieltes Medikament zur Behandlung Erkrankter. Einzig möglich ist es daher, die Beschwerden mit Schmerzmitteln zu lindern. Um sich in den betroffenen Regionen gegen Mückenstiche zu schützen, helfen lange Hosen und Hemden, Insektenmittel und Moskitonetze. Infizierte sollten unbedingt weitere Mückenstiche vermeiden, um den Verbreitungskreislauf zu durchbrechen.

Wo tritt das Virus auf?

Professor Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg

Nach Zika-Fällen in Afrika, Asien und dem Pazifik-Raum erreichte das Virus im vergangenen Jahr Südamerika. Dort ist Brasilien besonders betroffen. Auch Kolumbien rechnet in diesem Jahr mit mehreren hunderttausend Infektionen. Vergangene Woche meldeten die USA erste Fälle - alle Betroffenen hatten sich offenbar bei Reisen in Südamerika angesteckt.

Da die Asiatische Tigermücke inzwischen auch in Südeuropa heimisch ist, war es nur eine Frage der Zeit, dass Zika-Fälle hierzulande und in anderen europäischen Staaten auftreten würden. Am Mittwoch wurden aus Deutschland und der Schweiz je zwei Infektionsfälle bekannt, aus Dänemark einer. Zuvor hatten bereits Großbritannien, Schweden, Portugal und die Niederlande Fälle gemeldet. Experten raten Schwangeren von Reisen in betroffene Länder ab.

Was ist das Guillain-Barré-Syndrom?

Guillain-Barré ist eine lebensbedrohliche Nervenerkrankung. Sie beginnt meist mit Muskelschwäche in den Beinen, die sich dann auf Arme und Gesicht ausbreitet und zu Taubheitsgefühl bis hin zur Lähmung von Gliedmaßen führen kann. Die meisten Patienten erholen sich nach einigen Wochen oder Monaten, doch in schweren Fällen kann auch die Atemmuskulatur betroffen sein, so dass die Patienten künstlich beatmet werden müssen. Guillain-Barré kann Menschen jeden Alters treffen, ist jedoch sehr selten. Auslöser ist vermutlich eine Infektion - etwa durch eine Lebensmittelvergiftung.

Möglicher Zusammenhang: Zika und Guillain-Barré?

Bis vor kurzem galt das Zika-Virus mit Ausschlag und Fieber als harmlos. Dann geriet es in Verdacht, Fehlbildungen bei Ungeborenen auszulösen. Inzwischen untersuchen Wissenschaftler auch einen Zusammenhang mit Guillain-Barré. Vor allem Brasilien und El Salvador melden einen sprunghaften Anstieg dieses bisher seltenen Lähmungssyndroms.

19.02.2016, Quelle: epd, kna
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