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merkzettel

Terrormiliz IS Keine Schokoriegel mehr für Dschihadisten

BildIS-Kämpfer in Syrien
Archiv: IS-Kämpfer in Syrien am 14.012014

Es brechen offenbar härtere Zeiten für IS-Kämpfer an. Lohne werden gekürzt und auch kleinere Anreize gestrichen.

(Quelle: ap)

VideoDas Vermögen des IS
Anhänger der Terrormiliz

Umgerechnet 1,5 Milliarden US-Dollar soll das Vermögen des sogenannten "IS" betragen. Doch wie kommt die Terrormiliz an ihr Geld? heute+ zeigt, wie die Wirtschaft des "Terrorkonzerns“ funktioniert.

(08.12.2015)

VideoWurzeln des modernen Dschihads
Menschen in Saudi-Arabien

Der Wahhabismus mit seiner radikalen Auslegung des Islams ist der Nährboden für Dschihadisten wie die Anhänger der Terrormiliz IS. Saudi-Arabien finanziert den Wahhabismus mit seinen Öl-Milliarden.

(19.11.2015)

VideoNachwuchs für den Dschihad
Screenshot

Bei ihrem Dschihad im Irak und in Syrien setzt die Terrormiliz IS auch auf Kinder - als Soldaten, Attentäter oder Spione. Sie werden verschleppt, lernen den Umgang mit der Waffe - und töten.

(05.11.2015)

Die Angriffe und Sanktionen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat zeigen erste Wirkung: Das Geld wird knapper, die Löhne hat der IS bereits gekürzt, auch kleine Anreize wie Schokoriegel wurden gestrichen. Dennoch kann von einer ernsthaften Schwächung der Dschihadisten noch keine Rede sein. 

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Löhne im sogenannten Kalifat schon gekappt, die Bewohner der inoffiziellen Hauptstadt Rakka sind angehalten, ihre Rechnungen in der Schwarzmarktwährung US-Dollar zu bezahlen, und in Falludscha werden Häftlinge mittlerweile gegen eine Zahlung von 500 Dollar freigelassen.

Auch kleinere Anreize gestrichen

Die Zeiten werden härter für die Extremisten, die einst eine eigene Währung schufen. Die Luftangriffe der Koalition zeigen Wirkung, ebenso andere Sanktionen. Seit vergangenem Herbst sind dem IS Millionen von Dollar verloren gegangen. Konnten sie davor die Loyalität ihrer Kämpfer mit guten Löhnen, Hochzeits- und Babyprämien stützen, so wurden mittlerweile sogar kleinere Anreize gestrichen - zum Beispiel die kostenlosen Energy-Drinks und Snickers-Schokoriegel.

Aber auch lebensnotwendige Güter werden in den städtischen Zentren der Terrormiliz zunehmend knapp und die Inflation steigt auf breiter Front, wie Flüchtlinge und Bewohner der IS-Hochburgen berichten. Ein Flüchtling aus Rakka in Syrien, der nun in der libanesischen Hauptstadt Beirut lebt, erzählt, dass die Syrer im Ausland ihren Angehörigen Dollar schickten, damit diese die galoppierenden Preise für Gemüse und Zucker bezahlen könnten.

Strom rationiert, Löhne halbiert

In Rakka wurde der Strom rationiert und die Löhne seit Dezember halbiert. Betroffen seien nicht nur die Kämpfer, sondern auch alle Zivilbeschäftigten von den Gerichten bis zu den Schulen, berichtet ein anderer aus Rakka stammender Aktivist, der sich Abu Ahmed nennt. Er lebt mittlerweile in der türkischen Stadt Gaziantep, steht aber noch immer in engem Kontakt mit Menschen in seiner Geburtsstadt.

Doch auch dieser Sparkurs hat offenbar nicht gereicht, um die Löcher für eine Gruppe zu stopfen, die Geld für den Ersatz von bei Luftangriffen und Gefechten verlorenen Waffen braucht und ihre Kämpfer bezahlt. Nach Schätzungen des Experten Aimenn Dschawad al-Tamimi vom Middle East Forum, der Dokumente der Terrormiliz auswertet, machen diese Ausgaben zwei Drittel des IS-Etats aus.

Seit zwei Wochen würden die Extremisten nur noch Dollar für die Bezahlung von Steuern, Wasser und Strom akzeptieren, sagt Abu Ahmed. Ein anderer früherer Bewohner von Rakka, der ebenfalls noch mit Angehörigen dort in Verbindung steht, bestätigt den Bericht.

Angriffe und Ölpreis-Verfall bringen IS in Bedrängnis

Neben den Angriffen bringen auch der dramatische Ölpreisverfall und die Zerstörung der Öl-Infrastruktur die Terroristen in Bedrängnis - schließlich generierten sie mit Ölverkäufen einen großen Teil ihrer Einnahmen.

Die irakische Regierung hat damit aufgehört, Zivilbeschäftigte zu entlohnen, die in Gebieten unter der Kontrolle der Terrormiliz leben. Diese Gehälter wurden vom IS bislang mit einem Satz von 20 bis 50 Prozent besteuert - mit der Einstellung der Zahlungen gehen den Terroristen nach Schätzungen von Experten und Regierung etwa zehn Millionen Dollar pro Monat verloren.

Zudem werden unter der Führung der USA Lagerhäuser für Geld bombardiert. US-Vertreter sind zuversichtlich, dass man damit das Vermögen der IS-Terrormiliz deutlich verringern kann. "Wir sehen, dass unsere Bemühungen Auswirkungen auf ihre Finanzströme haben", sagt Lisa Monaco, Antiterror-Beraterin von US-Präsident Barack Obama. Allerdings sei es schwierig, den Umfang der Auswirkungen zu bestimmen, da die Terroristen viele illegale Wege hätten, mit denen sie an Geld kämen.

Geldstrafe statt Peitschenhiebe

Weitere Links zum Thema

In der irakischen Stadt Falludscha bekommen IS-Kämpfer, die bislang mit 400 Dollar pro Monat entlohnt wurden, gar nichts mehr ausgezahlt. Ihre Lebensmittelrationen wurden auf zwei Mahlzeiten pro Tag zusammengestrichen, wie ein Bewohner berichtet.

Eine Familie, die in der Stadt festsitzt, berichtet, dass Einwohner den Ort nur verlassen dürften, wenn sie 1.000 Dollar bezahlten - eine Summe, die die Möglichkeiten der meisten Menschen in der Stadt weit übersteigt. Der IS erlaube es den Bewohnern zudem, Häftlinge für 500 Dollar aus dem Gefängnis freizukaufen - offenbar um der Organisation Geld in die Kassen zu spülen.

In Mossul berichten Bewohner, dass der IS damit begonnen habe, Bürger mit Geldstrafen zu belegen, wenn sie sich nicht an die strengen Bekleidungsregeln hielten - statt sie wie früher auszupeitschen.

Experte: Wahrscheinlich nicht fatal für den IS

Nach Einschätzung von US-Experten sind die IS-Kämpfer in ihrer Bewegungsfreiheit und ihren Finanzen so eingeschränkt wie seit Monaten nicht mehr. Aber die Gruppe kontrolliere noch immer ein großes Territorium. Die syrische Regierung selbst habe kaum etwas von den Extremisten zurückerobern können.

Die Soufan Group mit Sitz in New York, die Regierungen und multinationale Organisationen in Sicherheitsfragen unterstützt, kam in einer Analyse vom 27. Januar zu dem Schluss, dass der IS sich nach alternativen Finanzierungswegen in Libyen umsehe. Dort stehe die Gruppe weniger unter Druck und müsse nicht mit Luftangriffen rechnen.

Was die Wirkung der bisherigen Maßnahmen gegen die Terrormiliz angeht, so ist Experte Al-Tamimi skeptisch. "Ich denke nicht, dass das fatal für den IS ist", sagt er. "Ich sehe nicht, dass dabei eine interne Revolte herauskommt. Es sieht eher wie ein schrittweiser Verfall und Niedergang aus."

Der Aufstieg des IS

Terror im Namen Allahs

Jubelnde IS-Anhänger

Die Doku zeichnet nach, wie die islamistische Terrororganisation IS im syrischen Bürgerkrieg innerhalb eines Jahres an Stärke gewann, wie sie sich finanziert und wie sie agiert.

18.02.2016, Quelle: von Lori Hinnant, Zeina Karam und Susannah George, ap
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