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merkzettel

Arbeiten in Kalifornien Wenn der Traum vom Silicon Valley wahr wird

BildFred Fahlke bei Nest
Fred Fahlke vor dem Schild des Automatisierungsunternehmens Nest

"Noch bevor ich 30 bin, lebe ich in Kalifornien." Fred Fahlke hat sich seinen Traum erfüllt.

(Quelle: Fred Fahlke)

VideoAchtjährige gibt Programmierkurse
Die achtjährige Samaira hat ein Brettspiel entwickelt, das Kindern Programmierkonzepte näherbringt. Sie zeigt Kindern im Silicon Valley, dass programmieren cool sein kann - und nicht langweilig sein muss.

Die achtjährige Samaira hat ein Brettspiel entwickelt, das Kindern Programmierkonzepte näherbringt. Sie will Kindern zeigen, dass programmieren cool sein kann - und nicht langweilig sein muss.

(13.12.2015)

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Hacker auf der Konferenz des CCC

Das soziale Netzwerk Diaspora verfolgt einen anderen Ansatz als Facebook: Die Kontrolle über persönliche Daten soll beim jeweiligen Nutzer bleiben. Vertrieben wird das Netzwerk über private Server.

(29.12.2015)

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Google-Logo

Google ist weit mehr als eine beliebte Suchmaschine: ein Konzern, der in vielen Bereichen Einfluss auf unser Leben nimmt. Grund genug, sich den Technologie-Riesen einmal genauer anzuschauen.

(10.11.2015)

von Christiane Hübscher, Silicon Valley

Fred Fahlke hat immer gesagt: "Noch bevor ich 30 bin, lebe ich in Kalifornien." Das hat 2015 geklappt. Mit 27 kam er als Praktikant ins Silicon Valley - und blieb. Als Web-Designer für Nest, eine Firma, die inzwischen von Google gekauft wurde. Dorthin kam er mit einer außergewöhnlichen Bewerbung. 

Fred, der Web-Design-Student aus Hamburg, ist sein Ziel Silicon Valley ganz strategisch angegangen - und vor allem nicht allein: "Ich habe mich mit meinem Freund Carsten im Team beworben. Wir wollten beide hierher. Also haben wir eine Liste gemacht mit sechzig Adressen, von Google, Apple bis zu den kleinen Startups. Und wir haben uns nicht wie üblich mit unserem Lebenslauf beworben, sondern mit einer eigens gebauten interaktiven Website." Auf der Seite stellen sich die beiden Web-Designer vor (Vegetarier vs. Meat-Lover), präsentieren ihr Portfolio und sagen, was sie suchen: ein Praktikum von März bis September und etwas Hilfe bei der Visa-Beschaffung. Kurz: "Wir wollen den Sommer unseres Lebens erleben."

Abenteuer Silicon Valley

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Sie kriegen nur eine Antwort, aber die kommt schnell: Schon einen Tag später meldet sich Nest, eine Firma, die intelligente Thermostate, smarte Rauchmelder und WLAN-Sicherheitskameras baut. Das Vorstellungsgespräch findet per Skype statt. "Wir waren furchtbar aufgeregt, denn das Silicon Valley war eigentlich unerreichbar für uns", sagt Fred. Direkt neben dem Skype-Rechner haben sie einen Laptop stehen, auf dem ein Übersetzungsprogramm geöffnet ist. Falls sie während des Interviews schnell ein englisches Wort nachschlagen müssen.

Das Gespräch läuft gut, man bietet den beiden Jungs aus Hamburg sofort ein gut bezahltes Sechs-Monate-Praktikum im Marketing-Team an. Und so beginnt das Silicon Valley-Abenteuer für zwei deutsche Design-Studenten im Sommer 2014. Sie teilen sich eine Wohnung für 3.000 Dollar Miete und entdecken am Wochenende Kalifornien.

Aus dem Sommer des Lebens wird ein unbefristeter Job

Schon nach zwei Wochen bittet der Kreativ-Chef den Praktikanten Fred, zu bleiben. Aber der 27-Jährige will erst seinen Master in Gestaltung/Digital Media zu Ende machen - und zurück zu seiner Freundin nach Deutschland.

Doch Nest, das inzwischen von Google gekauft wurde, lässt nicht locker. Ein festes Angebot samt Sechs-Jahres-Visum gibt schließlich den Ausschlag: Seit September 2015 ist Fred nun fest in Palo Alto, mit dem deutschen Master-Abschluss in der Tasche und diesmal hat er seine Freundin mitgebracht. Auch sein Freund Carsten hat einen Vertrag bei Google unterschrieben. Aus dem Sommer ihres Lebens wurde ein unbefristeter Job in der Bucht von San Francisco.

Andere Arbeitskultur gefällt

"Ich bin nicht hier, weil immer die Sonne scheint, sondern weil ich hier Sachen lerne, die ich in Deutschland nicht lernen würde." Fred kann der Firma beim Wachsen quasi zuschauen: "Während meines Praktikums waren das hier 300 Leute, jetzt sind wir schon 1.200." Er mag die andere Arbeitskultur und wie schnell er Verantwortung übertragen bekam. Allerdings nerven die vielen Meetings. Wichtigste Erkenntnis: "Wir hatten so viel Respekt vor dem Silicon Valley, aber wenn man hier ist, stellt man schnell fest, dass man durchaus mithalten kann."

Ob er für immer bleiben will? "Das glaub' ich nicht", sagt Fred. "Aber ich bleibe genau so lange, wie es mir hier gefällt." Und wenn er eines Tages zurück nach Deutschland geht, dann, um dort etwas Neues zu gründen und all das einzubringen, was er in Kalifornien gelernt hat.

Fünf, die seit 2015 im Valley arbeiten

Sprung nach Kalifornien

Sie sind Software-Entwickler, Maschinenbauer oder Lehrerin - und haben dieses Jahr den Sprung über den großen Teich gewagt. Noch fünf Deutsche, die 2015 für ihren Job ins Silicon Valley gezogen sind, erzählen, wie ihnen das gelungen ist.

Benjamin Dellal - Ingenieur bei Tesla

Benjamin Dellal bei dem Autohersteller Tesla im Silicon Valley.

Er ist erst 22, aber sein Schreibtisch steht gerade mal zehn Meter entfernt von dem von Tesla-Chef Elon Musk: Benjamin Dellal gehört zum Antriebsstrang-Team der Luxus-Elektro-Marke aus dem Silicon Valley. Er ist aufgewachsen in Mecklenburg-Vorpommern, schraubte schon als Junge an seiner ‘Simson’ herum. Dann studiert er Maschinenbau an der Uni Braunschweig und bewirbt sich währenddessen frech um ein sechsmonatiges Praktikum bei Tesla in den USA. 

"Ich war super nervös und bin da am ersten Tag im Hemd mit schicker Hose hin. Mein Manager hat mich ausgelacht. Tatsächlich kann ich mir hier noch so richtig die Hände schmutzig machen." Dellal liebt das Praktikum, verlängert und schreibt noch seine Bachelor-Arbeit im Silicon Valley, danach fliegt er nach Hause nach Deutschland. Doch Tesla will ihn zurück. Der Jung-Ingenieur muss dem Chef in einem zehnseitigen Essay Fragen zu seinem Lebenslauf und seiner Motivation beantworten - dann setzt Elon Musk seine Unterschrift unter den Arbeitsvertrag. Seit Mai ist Dellal wieder im Silicon Valley, diesmal als Angestellter, mit einem Visum für sechs Jahre. "Der Erfindergeist, das Arbeitsklima und die Risikobereitschaft hier sind einzigartig. Deshalb konnte ich nicht nein sagen. Wir arbeiten jeden Tag hart daran, die Automobilindustrie zu revolutionieren, während in Wolfsburg Abgaswerte manipuliert werden."

Lotte Woll - Lehrerin an deutscher Schule

Lotte Woll vor der "German International School of Silicon Valley San Francisco Campus"

Lotte Woll hat sich schon vor fünf Jahren während eines Auslandssemesters in San Francisco verliebt. Seitdem ließ sie die Stadt nicht mehr los: Einmal richtig hier leben, das war immer ihr Traum. Im Januar 2015 sah sie die Stellenanzeige der German International School of Silicon Valley (GISSV): Grundschullehrerin mit Inklusions-Erfahrung gesucht. Woll war bis dahin Sonderschullehrerin an einem Sprachheilzentrum in Calw im Schwarzwald. Alles passte. Das Job-Interview mit der Schulleitung führt sie per Skype. "Danach hab ich praktisch auf dem Handy geschlafen und als die Zusage der Schule kam, vor Freude einen ganzen Tag geheult", erinnert sich Woll. Sie wird von ihrer Heimatschule beurlaubt und kommt am 1. August in San Francisco an, wo sie sofort eine erste Klasse übernimmt.

"Der Anfang war schwer, die Klasse musste sich finden, ich musste mich finden. Das Deutsch- und Mathekonzept hier ist ganz anders." Die deutsch-internationale Schule hat ihren Hauptsitz mitten im Silicon Valley, die Außenstelle in San Francisco ist noch jung und winzig: Nur vier Klassen mit jeweils etwa zehn Kindern. Deswegen gibt es nicht mal eine Sekretärin, die Lehrer besorgen sogar das Kopierpapier selbst. Jetzt, nach einem halben Jahr, laufe es rund, sagt Woll. Ihr Zimmer hat die 29-Jährige bei Airbnb gefunden und neulich hat sie beim Schwimmen an der Golden Gate Bridge einen Wal gesehen. "Früher hab ich Klassentreffen immer gefürchtet, weil alle geheiratet oder ein Baby bekommen hatten - nur ich nicht", gibt Woll zu. "Aber jetzt geh ich jeden Tag in San Francisco zur Arbeit und das gibt mir ein ganz neues Selbstgefühl."

Julia Steier - Produktmanagerin bei SAP

Julia Steier steht vor dem Schild des Sofwareherstellers SAP

"Am schwierigsten waren anfangs so banale Dinge wie eine private Auto-Versicherung abzuschließen", sagt Julia Steier, seit April Produktmanagerin für SAP in Palo Alto. Die 23-Jährige hat Software-Entwicklung am Hasso Plattner-Institut in Potsdam studiert und kam durch die Verbindung der Uni zu SAP an ein Praktikum im Silicon Valley. Danach bot man ihr dort sofort einen Job an. "Es war keine leichte Entscheidung, denn ich hatte eigentlich schon eine Stelle in Berlin, aber ich habe sie keine Minute bereut", sagt Steier. "Ich lerne nicht nur im Job, sondern auch fürs Leben. Nach ein paar Monaten hat es auch sprachlich richtig 'klick' gemacht, seitdem habe ich das Gefühl, dass ich viel sicherer auftrete." Aktuell unterstützt Steier einen Sportausstatter dabei, Daten aus Fitness-Apps mit Hilfe von SAP-Software nutzbar zu machen. Ihr Team ist mit US-Kollegen, Deutschen, Indern und Asiaten sehr international. Und durch die Zeitunterschiede ist es wahrlich kein "9-to-5-Job": Oft hat Steier früh morgens oder spät abends noch Video-Konferenzen. "Die Amerikaner finden mich effizient und genau", sagt sie. Was sie vermisst? "Deutsches Brot, meinen Turnverein in Potsdam und natürlich meinen Freund, der auch gerne hier wäre, aber leider bis jetzt kein Visum hat."

Stephan Alber - Software-Entwickler bei Facebook

Stephan Alber vor einem Plakat mit dem abgebildeten "Gefällt-mir-Button" von Facebook

"In Deutschland war ich einer der besten Entwickler - hier schwimme ich im Talentpool ganz unten." Facebook lehre Demut, sagt Stephan Alber, seit Januar im Headquarter in Menlo Park. Der 33-Jährige ist Software-Entwickler für technische Dokumentation und zugleich technischer Schreiber. Bedeutet: Er schreibt den Code und dazu die nutzerfreundlichen Bedienungsanleitungen für Facebook-Apps. "Ich hatte immer zwei Träume: Einmal in den USA leben und irgendwann für Facebook arbeiten." Beides hat geklappt. Schon mit 16 hat Alber zuhause in der Nähe von Stuttgart mit HTML herumprobiert. Damals, das war 1997, ging das meist nur offline. Mit 18 gründete er seine erste Firma: eine Party-Event-Seite. Er studiert Online-Medien in Furtwangen und baut bald Facebook-Apps für die deutschen Webseiten großer Firmen. Zugleich schreibt er auf Fach-Blogs über Facebook-Technologie und arbeitet später auch für eine New Yorker Marketingagentur.

Für die Bewerbung in Kalifornien muss er Interviews mit fünf Leuten führen. Nach vier Stunden der Anruf: "Wir schicken Ihnen ein Angebot." Seit Januar ist er nun im Silicon Valley und sagt: "Ich habe in diesem Jahr bei Facebook mehr gelernt als in fünf Jahren in Deutschland." 9.000 Kilometer von der Familie weg zu sein, sei schwierig, aber der kalifornische Lifestyle entschädigt ihn: "Ich will unbedingt noch surfen lernen!"

Dolores Volkert - Repräsentantin der TU München

Dolores Volkert in San Francisco

"Ich fühle mich wie ein Pionier", sagt Dolores Volkert, die seit September für die TU München in San Francisco ist. Ihr Job: Die Uni in Nordamerika bekannt machen, US-Studenten nach Europa locken, ein Alumni-Netzwerk aufbauen. Es gab hier vorher keine Repräsentanz, deshalb "ist es ein bisschen, als hätte ich selbst ein Startup gegründet”, sagt die Juristin, die zuvor für die Nationale Akademie der Wissenschaften in Berlin gearbeitet hat. Die Partneruniversitäten Berkeley und Stanford sind nah, ein Networking-Termin jagt die nächste Konferenz. "Ich bin mit zwei großen Koffern gekommen und hatte viel zu viele Kostüme und Hosenanzüge dabei." Denn das Silicon Valley ist immer lässig. Der Preis für das WG-Zimmer in San Francisco aber war ein Schock: 1.800 Dollar. Auch an die vielen Obdachlosen in der Stadt hat sich Volkert noch nicht gewöhnt. Wie lange sie bleiben will? "Ich mache keine Pläne. Mein Traum ist, dass mein Mann - noch Anwalt in Berlin - hier einen Job findet." Sorgen ums Visum muss sie sich jedenfalls nicht machen: Volkert hat in der Greencard-Lotterie gewonnen.

Text: Christiane Hübscher

30.12.2015
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