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Armutsbericht 2016 Armut bleibt hoch - Problemgebiet Ruhrpott

VideoArmut in Deutschland

Der Armutsbericht 2016 zeigt: Das Armutsrisiko in Deutschland bleibt weiterhin hoch. Gefährdet sind vor allem Alleinerziehende, Erwerbslose und Rentner. Die Schere zwischen Arm und Reich öffne sich, sagen Experten.

(23.02.2016)

InfografikArmut nach Bundesländern

(Quelle: zdf)

VideoArm trotz Arbeit
Deutscher bei der Arbeit

Viele arbeiten Vollzeit, können aber trotzdem kaum ihren Unterhalt bestreiten. Jeder Fünfte in Deutschland ist von Armut bedroht. Asylbewerber bedeuten für sie weitere Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt.

(22.12.2015)

InteraktivWebdoku: Die Armuts-Bilanz

Die Webdokumentation "Die Armuts-Bilanz"

(Quelle: imago)

Trotz einer guten Wirtschaftslage bleibt das Armutsrisiko in Deutschland mit 15,4 Prozent hoch. 12,5 Millionen Menschen sind arm oder armutsgefährdet, berichtet der Paritätische Wohlfahrtsverband. Die regionalen Unterschiede sind groß, im Ruhrgebiet zählt mittlerweile jeder Fünfte zu den Armen. 

Alleinerziehende, Erwerbslose und Rentner sind besonders gefährdet, wie aus dem Armutsbericht 2016 hervorgeht, den der Paritätische Wohlfahrtsverband und weitere Verbände jetzt in Berlin vorstellten.

Bundesweit lag die Armutsquote im Jahr 2014 bei 15,4 Prozent und damit 0,1 Prozentpunkte unter dem Niveau von 2013. Ob der leichte Rückgang auf eine Trendwende hindeute, lasse sich noch nicht sagen, erklärten die Verbände. In den vergangenen zehn Jahren ist die Quote von damals 14 Prozent an kontinuierlich gestiegen.

Jeder Fünfte im Ruhrgebiet arm

Weitere Links zum Thema
Die Armut ist in den Bundesländern sehr ungleich verteilt. In Baden-Württemberg und Bayern ist sie am niedrigsten, in Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt am höchsten. In neun Bundesländern nahm die Armutsquote ab, darunter auch Berlin. In Bayern stieg sie von 11,3 auf 11,5 Prozent, in Nordrhein-Westfalen sogar von 17,1 auf 17,5 Prozent.

Das Ruhrgebiet blieb dem Bericht zufolge "die armutspolitische Problemregion Nummer Eins in Deutschland". Der seit 2006 anhaltende Negativtrend habe sich dort 2014 ungebrochen fortgesetzt. "Jeder fünfte Einwohner dieses größten Ballungsraums Deutschlands muss mittlerweile zu den Armen gezählt werden", sagte der Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, Ulrich Schneider.

Armutsquote bei Rentnern erstmals über dem Durchschnitt

Alarmiert zeigte sich Schneider auch von der Lage der Rentner. Bei ihnen sei die Armut seit 2005 etwa zehn Mal so stark angewachsen wie beim Rest der Bevölkerung. Erstmals liegt die Armutsquote mit 15,6 Prozent über dem Durchschnitt.

Links
Webdoku: Die Armuts-Bilanz

Auch die Armut von Kindern ist mit 19 Prozent weiterhin deutlich höher als im Schnitt. Die Hälfte dieser Kinder lebt in Haushalten von Alleinerziehenden. Bei dieser Gruppe liegt die Armutsquote bei 42 Prozent.

Verband fordert Kurswechsel

Um Armut wirksam zu bekämpfen und die soziale Kluft abzumildern, verlangt der Paritätische Verband einen sozial- und steuerpolitischen Kurswechsel, vor allem im Bund. Höhere Steuern und Abgaben dürften kein Tabu sein.

Der Armutsbericht basiert jeweils auf neuesten Daten des Mikrozensus des Statistischen Bundesamts, bei dem auch die Einkommenssituation erfasst wird.

Wer als arm oder armutsgefährdet gilt

Nach EU-Definition gilt als arm oder armutsgefährdet, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. In Deutschland liegt die Schwelle für Alleinstehende bei 917 Euro im Monat, für einen alleinerziehenden Elternteil mit einem Kind unter sechs Jahren bei 1.192 Euro und für ein Paar mit einem kleinen Kind bei 1.651 Euro. Die Schwelle variiert nach dem Alter der Kinder und beträgt etwa für Paare mit zwei älteren Kindern rund 2.100 Euro.

23.02.2016, Quelle: dpa, afp, epd
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