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merkzettel

Armutsbericht 2016 "Lawine der Altersarmut" droht

VideoArmut in Deutschland
Bettler in Köln

Der Armutsbericht 2016 zeigt: Das Armutsrisiko in Deutschland bleibt weiterhin hoch. Gefährdet sind vor allem Alleinerziehende, Erwerbslose und Rentner. Die Schere zwischen Arm und Reich öffne sich, sagen Experten.

(23.02.2016)

VideoGesichter der Armut
Mutter mit ihren zwei Kindern

In Mecklenburg-Vorpommern lebt jeder fünfte Einwohner in Armut. Dies heißt, er hat weniger als 50 Prozent des durchschnittlichen Nettoeinkommens zur Verfügung. Wer verbirgt sich dahinter?

(23.02.2016)

InfografikArmut nach Bundesländern

(Quelle: zdf)

InteraktivWebdoku: Die Armuts-Bilanz

Die Webdokumentation "Die Armuts-Bilanz"

(Quelle: imago)

3,4 Millionen Rentner gelten als arm - bei keiner anderen Bevölkerungsgruppe ist die Armutsquote in den letzten Jahren so stark gestiegen. Auch sind immer mehr ältere Menschen auf Grundsicherung angewiesen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband warnt vor einer "Lawine der Altersarmut". 

Die Krücken sind ihre ständigen Begleiter: Anna-Christine Rupp hat ihr Leben lang gearbeitet, als Verkäuferin, Putzfrau, Erzieherin. Dann wurde sie krank. Heute ist sie 77 Jahre alt, bekommt eine kleine Rente und hat Pflegestufe 1. Das Geld reicht gerade noch so, aber wie lange noch? Die Pflege verschlingt jetzt schon einen Großteil ihrer Mittel. Dass das Geld in Zukunft einfach nicht mehr reicht, ist ihre große Angst.

Zahl armer Rentner wächst

Anna-Christine Rupp ist kein Einzelfall -  sie steht für eine immer größer werdende Zahl von Menschen, die im Alter arm sind. Nach dem jüngsten Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes sind 12,5 Millionen Menschen in Deutschland von Armut betroffen, 3,4 Millionen von ihnen sind Rentner. Vor allem bei dieser Gruppe ist die Armutsquote rasant gestiegen – um 46 Prozent seit 2005 und damit zehnmal so stark wie beim Rest der Bevölkerung. Mit 15,6 Prozent lag sie im Jahr 2014  erstmals etwas über dem Durchschnitt.

Und der Verband weist noch auf eine weitere Entwicklung hin, die er als äußerst alarmierend betrachtet: Die Zahl der älteren Menschen, die auf Grundsicherung angewiesen sind, hat sich in elf Jahren praktisch verdoppelt: Waren 2003 noch rund 258.000 Rentner auf diese Hilfen angewiesen, waren es 2014 bereits etwa 512.000.

"Lawine der Altersarmut" droht

Diese Zahlen seien aber nur "Vorboten einer Lawine der Altersarmut", warnt  Verbandsgeschäftsführer Ulrich Schneider. In den nächsten zehn bis 20 Jahren werden immer mehr Menschen in die Altersarmut abrutschen.

Weitere Links zum Thema

Allein die Zahl der Menschen, die Grundsicherung brauchen, wird sich laut Verbandsschätzungen bis zum Jahr 2025 auf eine Million noch einmal verdoppeln. Viele ältere Menschen lebten bereits jetzt an der Grenze zur Armut oder in der "verdeckten Armut", das heißt sie beantragen keine Hilfe aus Scham oder auch aus Angst, dass ihre Angehörigen dann zur Kasse gebeten werden, sagt Sozialexperte Joachim Rock vom Paritätischen Wohlfahrtsverband zu heute.de.

Rentenniveau seit Jahren im Sinkflug

Der Hauptgrund für die massive Zunahme der Altersarmut in den kommenden Jahren sei "der sinkende Rentenwert, der politisch veranlasst wurde, kombiniert mit Sicherungslücken, etwa durch unterbrochene Erwerbsverläufe", so Rock. Bis 2030 wird das Rentenniveau durch eine Reihe von Reformen seit Anfang der 1990er Jahre von derzeit noch etwa 47 Prozent weiter auf 43 Prozent absinken - dies entspricht dem derzeitigen Mindestsicherungsniveau. Zudem hinke seit Jahren die Erhöhung der Renten der Lohnentwicklung hinterher, kritisiert Rock.

Um zu verhindern, dass immer mehr Menschen in Altersarmut abrutschen, müsse zuallererst das Rentenniveau stabilisiert und auf 50 Prozent angehoben werden, fordert der Sozialexperte. Zudem müsse sich Vorsorge wieder lohnen. So sollte es Freibeträge zusätzlich zur Grundsicherung geben, so dass die Betroffenen einen Teil ihrer Ersparnisse behalten könnten. Bei Menschen mit Erwerbsminderung sei es wichtig, die Leistungsansprüche anzuheben.

Wer als arm oder armutsgefährdet gilt

Nach EU-Definition gilt als arm oder armutsgefährdet, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat.

In Deutschland liegt die Schwelle für Alleinstehende bei 917 Euro im Monat, für Alleinerziehende mit einem Kind unter sechs Jahren bei 1.192 Euro und für ein Paar mit einem kleinen Kind bei 1.651 Euro. Die Schwelle variiert nach dem Alter der Kinder und beträgt etwa für Paare mit zwei älteren Kindern rund 2.100 Euro.

Bei Rentnern werden alle Einkünfte gezählt, nicht nur die Renten selbst. Besitz geht aber in den Armutsbericht nicht ein.

23.02.2016, Quelle: ZDF
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