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merkzettel

Autobranche Ölpreis: Doping für Spritfresser

BildGefragt: SUVs
SUV-Produktion von Ford in Chicago

(Quelle: ap)

VideoWie lange reicht unser Öl?
Unser Öl könnte schon 2058 zu Ende sein – sicher ist das aber nicht. Der Ölpreis, ein Stimmungsbarometer für Ölreserven? Je höher – umso weniger – je niedriger – umso mehr Öl?

Unser Öl könnte schon 2058 zu Ende sein – sicher ist das aber nicht. Der Ölpreis, ein Stimmungsbarometer für Ölreserven? Je höher – umso weniger – je niedriger – umso mehr Öl?

(15.12.2015)

VideoCES: Neuer VW-Bulli
Mann mit 3-D-Brille

Gestern begann die Consumer Electronics Show, kurz CES, in Las Vegas. Volkswagen stellte sein Budd-e vor, Bosch ein Geisterfahrer-Warnsystem und Valeo eine Scheibenheizungs-App, Scheibenkratzen adé.

(07.01.2016)

VideoDetroit: VW entschuldigt sich
Vorstandsvorsitzender von Volkswagen, Matthias Müller

Gala-Empfang vor dem Start der Autoshow in Detroit. Alle sind da, die Manager von VW nicht. Sie betreiben Krisenmanagement abseits der Party, bei ausgewählten Journalisten.

(11.01.2016)

Wenn die Auto-Industrie in Detroit ihre neuen Modelle vorstellt, stehen einmal mehr die dicken Spritschlucker im Mittelpunkt. Zwar geben sich die Hersteller gerne modern und umweltbewusst -  tatsächlich aber interessiert sich die US-Kundschaft vor allem für schweres Gerät. 

Das harte Durchgreifen der US-Behörden in der VW-Abgasaffäre könnte den Eindruck erwecken, in den USA wird beim Autogeschäft besonders penibel auf die Umweltverträglichkeit geachtet. Aber ein Blick auf die Absatzstatistik in der weltgrößten Volkswirtschaft zeigt: Monströse Pritschen- und Geländewagen mit üppigem Verbrauch liegen voll im Trend. Die meistverkauften Modelle sind alles andere als energiesparende Öko-Fahrzeuge. Entsprechend nehmen auf der ersten wichtigen Branchenmesse des Jahres in Detroit benzinschluckende SUV-Geländewagen und Pickup-Trucks wieder breiten Raum ein.

"2015 war ein herausragendes Jahr für die Auto-Industrie", sagt Toyota-Topmanager Bill Fay. Das stimmt zwar, doch würde man unterscheiden zwischen gewöhnlichen Pkw auf der einen und SUV's und Pickup-Trucks auf der anderen Seite, so würde sich ein völlig anderes Bild für den US-Markt ergeben. Nur dank eines 13-prozentigen Absatzplus' in letzterer Produktkategorie konnte die Branche mit knapp 17,5 Millionen verkauften Neuwagen ein Rekordjahr verbuchen. Die Nachfrage nach kleineren Fahrzeugen schrumpfte hingegen.

Die Flotte schluckt mehr

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Das schlägt sich in den Verbrauchswerten nieder: Dem Transportation Research Institute der Universität von Michigan zufolge verschlechtert sich die Kraftstoffbilanz der gesamten US-Neuwagenflotte seit August 2014 das erste Mal seit Jahren wieder - und zwar deutlich. Grund sei der Trend weg von effizienteren Kleinwagen hin zu Kleinlastern und SUV's, erklärte Uni-Professor Michael Sivak jüngst in der "New York Times".

Für die deutschen Hersteller ist die Entwicklung eine Herausforderung. Bei den Pickup-Trucks sehen sie gegen die US-Hersteller ohnehin keinen Stich und bei den SUV-Geländewagen haben die deutschen Autobauer vor allem Modelle für den dickeren Geldbeutel zu bieten. "Das Wachstum wird aber im Moment eher vom mittleren Preissegment getrieben", erklärt Commerzbank-Autoexperte Sascha Gommel. "Das hängt auch mit den niedrigen Benzinpreisen zusammen: Die Kunden gucken beim Autokauf nicht so sehr auf den Verbrauch". In der Folge entscheiden sich viele eher für einen komfortablen SUV-Spritfresser als für eine klassische Limousine.

Niedriger Ölpreis: Wem er nutzt

Gewinner

Anzeigetafel einer Tankstelle

Die Verbraucher: Für Endverbraucher wie Autofahrer oder Heizölkunden ist die Situation derzeit sehr angenehm. Der Preis für einen Liter Dieselkraftstoff beispielsweise fiel am Donnerstag an einigen Orten in Deutschland zeitweise unter einen Euro. Ein wichtiger Faktor dafür ist der geringe Rohöl-Preis. E10-Super-Benzin kostet im bundesweiten Schnitt 1,30 Euro und damit ebenfalls deutlich weniger als etwa noch 2012 mit mehr als 1,60 Euro. Auch der Preis für Heizöl ist aktuell auf dem tiefsten Stand seit sechs Jahren.

Die Industriestaaten: Industrieländer wie Deutschland gehören aus volkswirtschaftlicher Sicht ebenfalls zu den Profiteuren des Ölpreiseinbruchs. Sie können Öl so billig wie selten importieren. Das Überangebot des "schwarzen Goldes" kommt der Industrie zugute, sie kann wegen der geringeren Kosten für die wichtige Ressource günstiger produzieren - etwa in der Chemie, wo Öl ein zentraler Grundstoff ist.

Verlierer

Fracking - Ölgewinnung in den USA

Die Produzenten-Länder: Nach Einschätzung von Analysten ist der niedrige Preis derzeit für sämtliche Ölproduzenten und -exporteure schmerzhaft. Bei Preisen zwischen 40 und 45 US-Dollar ist die Förderung wenig profitabel. Jedoch gibt es deutliche Abstufungen. Einige Förderländer - etwa Saudi-Arabien und andere Golfstaaten - können das Preistief durch hohe Rücklagen besser und länger verkraften. Staaten wie Venezuela, deren Haushalte stark von den Öleinnahmen abhängig sind, haben hingegen große Probleme. Auch für die US-Schieferölindustrie ist der Preisverfall eine Belastung, denn die Förderung eigenen Öls und Gases mit Hilfe der umstrittenen Fracking-Methode wird hier zusehends unrentabel.

Die Rohstoffkonzerne: Den großen Ölkonzernen macht diese Entwicklung entsprechend zu schaffen. Branchenriesen wie ExxonMobil, Chevron oder Shell verzeichneten jüngst deutliche Gewinneinbrüche. Weil sie auf dem Weltmarkt keine gewohnt hohen Preise für ihr Erdöl erzielen können, haben sie ihre Investitionen bereits drastisch gekappt.

Das Klima: Die günstige Verfügbarkeit von Öl und anderen fossilen Energieträgern wie Kohle und Gas kann die Entwicklung und den Einsatz alternativer Energien weltweit hemmen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte deshalb jüngst vor mangelnden Innovationen und Investitionen bei erneuerbaren Energieträgern. Die Folge wäre unter anderem ein weiterhin erhöhter CO2-Ausstoß. Bei der UN-Klimakonferenz Paris ringen die Staaten aber gerade darum, die Emissionen des Treibhausgases endlich wirksam einzudämmen, damit die Erderwärmung innerhalb des Zwei-Grad-Zieles gehalten werden kann.

"Erwarten Rekordverkäufe"

Neben günstigem Benzin - der Ölpreis hat sich in den letzten zwei Jahren mehr als halbiert, was sich an den Tanksäulen bemerkbar macht - kurbeln die niedrigen Kreditzinsen, durch die sich Autokäufe günstig finanzieren lassen, den US-Absatz an. Auch wenn die US-Notenbank die Leitzinsen im Dezember erstmals seit 2006 minimal erhöht hat, sehen Experten unverändert gute Vorzeichen für den Markt.

"Die US-Konjunktur verzeichnet weiter Wachstum und die wichtigsten Faktoren, die die Nachfrage treiben, sind weiter gegeben - deshalb erwarten wir 2016 ein zweites Jahr mit Rekordverkäufen", erklärt Chefökonom Mustafa Mohatarem von General Motors. Am wichtigsten sei, dass der Aufschwung am US-Arbeitsmarkt anhalte und die privaten Einkommen wüchsen.

Commerzbank-Analyst Gommel ist vorsichtiger: "2016 wird schwieriger." Vor allem die Arbeitslosigkeit könne in den USA nicht mehr allzu stark sinken. Er erwartet eher, dass die Verkäufe in China wieder anziehen und dass Europa den Weltmarkt weiter stützt. Am Haupttreiber des US-Verkaufsbooms - dem Billigsprit - dürfte sich aber so schnell nichts ändern. So geht die US-Investmentbank Goldman Sachs sogar davon aus, dass der Ölpreis von zuletzt rund 36 bis auf 20 Dollar fallen wird.

Neuer Bulli

Elektro-Bulli von VW

Elektrisch statt mit dem in Verruf geratenen Dieselmotor: Auf der Technologiemesse CES in Las Vegas stellte VW-Markenvorstand Herbert Diess, wie sich der Hersteller das Autofahren der Zukunft vorstellt.  Mit dem BUDD-e will der Konzern an das Erbe des legendären Bulli anknüpfen und aus dem Schatten des Abgasskandals treten. Das Design soll an den beliebten T1 aus den 50er Jahren erinnern. "Das neue Volkswagen steht für erschwingliche Elektromobilität", verkündete Diess.

Neben dem BUDD-e führte VW auch den e-Golf Touch vor, der einen Elektroantrieb hat und im Cockpit auch per Gestensteuerung bedient werden kann. Preise wurden nicht genannt. In der Branche erhofft man sich von diesem Auftritt auch Konzepte für neue Mobilitätsangebote, die ebenfalls zum "neuen Volkswagen" gehören sollen. Der Werbeslogan "VW. Das Auto", mit dem der Autobauer selbst in den USA auf deutsch Reklame machte, ist bereits passé.

11.01.2016, Quelle: dpa
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