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merkzettel

Konflikt am Persischen Golf Bahrain bricht Beziehungen zu Iran ab

BildProteste in Bahrain
Proteste in Bahrain gegen Hinrichtungen in Saudi-Arabien - Aufnahme vom 03.01.2016

Das zumeist sunnitische Bahrain ist ein enger Verbündeter Saudi-Arabiens. Nur wenige Stunden nach der Exekution des Geistlichen Nimr al-Nimr hatte es in Bahrain Demonstrationen gegen die Hinrichtung gegeben.

(Quelle: reuters)

VideoTeheran und Riad: Spannungen
Der saudische Außenminister Adel al-Dschubeir bei einer Pressekonferenz.

Saudi-Arabien hat seine diplomatischen Beziehungen zu Teheran abgebrochen. Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien war die saudische Botschaft in Teheran verwüstet worden.

(04.01.2016)

VideoLüders: "Hasspropaganda"
Michael Lüders (links) und Dunja Hayali

"Die Machtinhaber Saudi-Arabiens vertreten einen sunnitischen Islam, der dem schiitischen abschätzig gegenübersteht", so Nahost-Experte Michael Lüders. Saudi-Arabien fahre eine gefährliche Strategie.

(04.01.2016)

Video"Umdenken hat begonnen"
Dr. Markus Kaim, Nahost-Experte von der Stiftung Wissenschaft und Politik.

Im Konflikt mit Iran destabilisiere Saudi-Arabien die Region und die Chancen des Westens Einfluss zu nehmen seien gering, so Markus Kaim, Nahost-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik.

(03.01.2016)

Nach Saudi-Arabien haben auch die Golfmonarchie Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate ihre diplomatischen Beziehungen zu Iran abgebrochen. Damit verschärft sich der Konflikt am Persischen Golf, dessen Auswirkungen auf eine Reihe weiterer Konflikte in der Region absehbar sind. 

Saudi-Arabien bekommt bei seiner Konfrontation mit Iran Unterstützung von seinen sunnitisch regierten Nachbarn. Die Golfmonarchie Bahrain brach die Beziehungen zu Teheran ebenfalls ab. Bahrain gab den iranischen Diplomaten der Nachrichtenagentur BNA zufolge 48 Stunden Zeit, das Land zu verlassen und kündigte eine Schließung seiner Auslandsvertretung in Teheran an.

Die Entscheidung sei eine Reaktion auf die zunehmende "offene und gefährliche Einmischung" des Irans nicht nur in die Angelegenheiten Bahrains, sondern auch in die der anderen arabischen Staaten, hieß es. Das Königreich Bahrain ist ein enger Verbündeter Saudi-Arabiens und wird von einem sunnitischen Herrscherhaus regiert. Die Mehrheit der Bevölkerung ist jedoch schiitisch.

Vereinigte Arabische Emirate: Nur noch Geschäftsbeziehungen

Auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) stuften die diplomatischen Beziehungen herunter. Es werde nur noch Geschäftsbeziehungen geben, meldete die staatliche Nachrichtenagentur der VAE am Montag. Das Außenministerium habe den Botschafter der Emirate aus Teheran zurückgerufen. Zur Begründung hieß es, Iran habe sich fortgesetzt in die inneren Angelegenheiten der arabischen Staaten am Persischen Golf eingemischt. Der sunnitische Sudan schloss sich den Golfmonarchien an und brach ebenfalls die diplomatischen Beziehungen zum schiitischen Iran.

Am Wochenende teilte Saudi-Arabiens Außenminister mit: Sein Land habe sein Botschaftspersonal bereits aus Teheran abgezogen. Nun hätten die iranischen Diplomaten 48 Stunden Zeit, das Königreich zu verlassen. Vorausgegangen war die Stürmung der saudischen Botschaft in Teheran durch wütende Bürger in der Nacht zum Sonntag, nachdem die Ölmonarchie zuvor den prominenten schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr und 46 weitere Verurteilte hingerichtet hatte.

Iran: "Politik der Saudis hat nur Negatives gebracht"

Der schiitische Iran, der mit dem sunnitisch geprägten Saudi-Arabien um die Vormachtstellung in der Region ringt, hatte darauf empört reagiert. Der iranische Vizeaußenminister Hussein Amirabdullahian bezeichnete die Entscheidung Saudi-Arabiens als "voreilig".

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Der iranische Vizepräsident Ishagh Dschahngiri kritisierte die Entscheidung Saudi-Arabiens zum Abbruch der Beziehungen: "Die Politik der Saudis hat in den letzten Jahren für die Region nur Negatives gebracht." Auch die jüngste Entscheidung sei voreilig und irrational und würde nur zu mehr Spannungen in der Region führen.

"Schwerwiegender Bruch internationaler Konventionen"

Der saudische Außenminister Al-Dschubair nannte dagegen den Angriff auf die saudische Botschaft in Teheran einen "schwerwiegenden Bruch internationaler Konventionen". Er warf Teheran vor, die Führer des Terrornetzwerkes Al-Kaida zu schützen und Waffen zu schmuggeln. "Wir lehnen es ab, mit einem Staat zu tun zu haben, der Terrorismus unterstützt und Chaos und sektiererische Spannungen in der islamischen Welt verbreitet."

Das Verhältnis zwischen Iran und Saudi-Arabien war jahrzehntelang schwierig, die Eskalation vom Sonntag allerdings markiert einen lange nicht erreichten Tiefpunkt. Vor fast 28 Jahren, 1988, hatte Saudi-Arabien das letzte Mal die Beziehungen zu Iran abgebrochen.

Konfliktgeladen: Saudi-Arabien und Iran

Dauerhaft gespanntes Verhältnis

Infokarte: Saudi-Arabien

Die Beziehungen zwischen dem schiitischen Iran und dem sunnitischen Saudi-Arabien sind schon seit der Islamischen Revolution 1979 gespannt, auch wenn es gelegentlich Tauwetter im Verhältnis der beiden regionalen Rivalen gab. Nun hat Saudi-Arabien wegen Angriffen auf seine diplomatische Vertretung im Iran die diplomatischen Beziehungen gekappt. Dies markiert einen Tiefpunkt im Verhältnis beider Staaten.

Beziehungen vor der Revolution

Unter dem früheren iranischen Staatsoberhaupt Schah Mohammed Reza Pahlavi hatte der Iran ein schwieriges Verhältnis zu Saudi-Arabien. Doch verbesserten sich die Beziehungen gegen Ende seiner Herrschaft. Unter anderem gehörten beide Länder zu den Gründungsmitgliedern der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC).

Beziehungen nach der Revolution

Saddam Hussein

Nach dem Sturz des Schahs und der Besetzung der US-Botschaft in Teheran wurde Saudi-Arabien schnell zum wichtigsten Verbündeten Amerikas in der Region. Im Krieg zwischen dem Iran und dem Irak in den 1980er Jahren unterstützte Saudi-Arabien den Irak - trotz Bedenken des Königreichs wegen des irakischen Diktators Saddam Hussein. In dem Krieg kamen eine Million Menschen ums Leben.

Hadsch-Unruhen 1987

Muslime zum Höhepunkt des "Hadsch" in Mekka

Bei der jährlichen muslimischen Pilgerfahrt zu heiligen Stätten des Islam in Saudi-Arabien kam es 1987 zu Blutvergießen, als Iraner eine politische Demonstration veranstalteten. Iranische Pilger lieferten sich später Kämpfe mit saudischen Bereitschaftspolizisten. Mindestens 402 Menschen kamen ums Leben. Nach iranischer Darstellung sollen sogar 600 seiner Pilger getötet worden sein. Die Polizei habe mit Maschinengewehren auf die Menschenmenge geschossen. In Teheran griffen Demonstranten die Botschaften Saudi-Arabiens, Kuwaits, Frankreichs und des Iraks an.

Abbruch der Beziehungen 1988

1988 kappte Saudi-Arabien die Beziehungen mit dem Iran - unter Verweis auf die Unruhen beim Hadsch im Vorjahr und iranische Angriffe auf die Schifffahrt im Persischen Golf. Die Iraner reagierten mit einem Boykott der muslimischen Pilgerfahrt in den Jahren 1988 und 1989. 1991 stellten die beiden Länder die diplomatischen Beziehungen wieder her.

Spannungsabbau

Der Kronprinz von Saudi-Arabien Abdullah bin Abdul Aziz al-Saud und der Iranaische Präsident Mohammad Khatami am 8.12.1997

Nach dem Amtsantritt des gemäßigten iranischen Präsidenten Mohammed Chatami 1997 verbesserten sich die bilateralen Beziehungen. Nach historischen Besuchen des saudischen Kronprinzen Abdullah in Teheran im Dezember 1997 und Chatamis in Saudi-Arabien im Mai 1999 wurde das Verhältnis noch besser.

Atomstreit

Mahmud Ahmadinedschad

In Saudi-Arabien setzten neue Bedenken ein, als gegen Teheran wegen seines umstrittenen Atomprogramms internationale Sanktionen verhängt wurden. Sorgen bereitete auch die zunehmend scharfe Rhetorik des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Neues Misstrauen in Saudi-Arabien schürte das iranische Atomabkommen mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland vom Sommer 2015. In den Bürgerkriegen in Syrien und im Jemen unterstützen Saudi-Arabien und der Iran gegnerische Seiten.

Hadsch-Katastrophe 2015

Zugedeckte tote Pilger liegen auf Tragen neben einem Rettungsfahrzeug

Am 24. September kam es bei der Pilgerfahrt Hadsch in Saudi-Arabien zu einer Massenpanik. Nach Angaben des Königreichs wurden 769 Pilger getötet. Einer Zählung der Nachrichtenagentur AP zufolge lag die Opferzahl jedoch bei über 2.400. Laut dem Iran kamen mindestens 464 iranische Pilger ums Leben. Das Land machte saudische "Inkompetenz" für die Todesfälle verantwortlich.

Hinrichtung eines iranischen Scheichs 2016

Anhänger von Scheich Nimr al-Nimr hält sein Porträt hoch (Archivbild)

Am 2. Januar richtete Saudi-Arabien den schiitischen Geistlichen Scheich Nimr al-Nimr und 46 weitere Personen hin. Al-Nimr war eine zentrale Figur bei Protesten der schiitischen Minderheit in Saudi-Arabien, die vom Arabischen Frühling inspiriert waren. Seine Hinrichtung löste im Nahen Osten Demonstrationen und Angriffe auf diplomatische Einrichtungen Saudi-Arabiens im Iran aus. Das Königreich kündigte daraufhin an, die diplomatischen Beziehungen mit dem Iran abzubrechen.

Quelle: ap

04.01.2016, Quelle: dpa, ap
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