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Arztreport der Barmer GEK Studie: Drei Millionen leiden ständig an Schmerz

BildVolksleiden: Rückenschmerzen
Frau mit Rückenschmerzen am Ischiasnerv

(Quelle: imago)

VideoLeben mit dem Schmerz
Mann mit chronischen Schmerzen nach Bandscheibenvorfall

Schmerzen ohne Ende, aber kein Arzt, der helfen kann? Mit Hilfe der multimodalen Schmerztherapie kann Menschen mit chronischen Schmerzen geholfen werden. "Volle Kanne" verrät, wie die Therapie läuft.

(02.06.2015)

VideoKranke Seele, kranker Körper
Screenshot

Sieben von 100 Erwachsenen in Deutschland leiden nach aktuellen Studien an chronischen Schmerzen. Schmerz ist eine elementare Form menschlichen Empfindens und jeder Mensch kennt sie.

(03.09.2015)

Mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland haben ständig Schmerzen - Tendenz steigend. Die Zahl der Diagnosen hat sich innerhalb eines Jahrzehnts mehr als verdoppelt, rechnet der neue Arztreport der Barmer GEK vor. 

In Deutschland diagnostizieren Ärzte immer häufiger chronische Schmerzen. Im Jahr 2014 lag die Zahl der entsprechenden Diagnosen bei rund 3,25 Millionen - das entspricht vier Prozent der Bevölkerung. 2005 lag die Rate noch bei knapp 1,6 Prozent. Das geht aus dem jüngsten Arztreport der Barmer GEK hervor.

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Bei Frauen treten chronische Schmerzen demnach deutlich häufiger auf als bei Männern, wobei die Zahl der Betroffenen bei beiden Geschlechtern im Alter steigt. Dem Report zufolge litten 2014 in der Altersgruppe der über 80-Jährigen rund 13 Prozent der Patienten an chronischen Schmerzen  - das entspricht rund 140.000 männlichen und 440.000 weiblichen Patienten.

"Nationales Gesundheitsziel"

Die Krankenkasse forderte mehr Anstrengungen für die Behandlung der Betroffenen: Nur jeder fünfte Schmerzpatient werde auch angemessen versorgt, kritisiert der Report. Insgesamt waren es 2014 rund 655.000 Menschen. Damit hätten gezielte Behandlungen zwar kontinuierlich zugenommen, reichten aber nicht aus.

"Angesichts von Millionen Betroffenen muss die Bekämpfung des chronischen Schmerzes zu einem nationalen Gesundheitsziel werden", forderte Barmer-Chef Christoph Straub. Dafür sei eine "durchgängige Versorgungskette" bei der Behandlung der Patienten notwendig, die vom Krankenhaus bis in die ambulante Versorgung reichen müsse. Hausärzte sollten dabei die Funktion von Lotsen übernehmen.

Vier bis fünf Medikamente am Tag

Patienten mit chronischen Schmerzen nehmen im Durchschnitt jeden Tag 4,5 verschiedene Medikamente und damit deutlich mehr als Kranke, die keine chronischen Schmerzen haben. Die häufigste Begleiterkrankung sind zusätzliche Rückenschmerzen.

Links
Barmer GEK Arztreport (pdf)
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Aus den Bundesländern kommen der Studie zufolge unterschiedliche Zahlen: Während in Brandenburg mit rund 5,8 Prozent der Anteil der Patienten mit chronischen Schmerzen am höchsten ist, sind die Menschen in Bremen am seltensten (2,9 Prozent) von diesen Leiden betroffen. Das könnte damit zusammenhängen, dass Schmerzpatienten in den Städten schneller geholfen wird als auf dem Land. In den großen Städten werden dem Report zufolge 24 Prozent mehr Dauerschmerz-Patienten versorgt als bundesweit und 41 Prozent mehr als auf dem Land. Auch im Umland der Städte finden sich eher Ärzte und Behandlungszentren für Schmerzpatienten als in der Provinz.

Der Arztreport 2016 basiert auf Daten von rund 8,6 Millionen Versicherten der Krankenkasse.

Diagnose Schmerz: Daten und Fakten

Mehr Schmerzdiagnosen

Schmerzen ohne direkten Bezug zu einer anderen organischen Krankheit wurden nach den Daten aus dem neuen Arztreport der Barmer GEK 2014 bei 3,25 Millionen Menschen diagnostiziert. Die Zahl der Fälle ist stark gestiegen. Mehr als vier Prozent der Bundesbürger sind betroffen - 2005 waren es 1,6 Prozent. Die Dunkelziffer von Betroffenen ohne einschlägige Diagnose gilt als hoch. Die Zahl der ambulant behandelten chronischen Schmerzpatienten ist laut Report deutlich gestiegen - auf 655.000 im Jahr 2014.

Die Diagnose "Schmerz", bei der die Ärzte eine körperliche Ursache annehmen, macht mit rund vier Fünftel den größten Anteil aus. Hier gab es seit 2005 einen Anstieg um 72 Prozent. Bei der Diagnose "Anhaltende Schmerzstörung", die eher auf die Psyche zurückgeführten Schmerz umfasst, war der Anstieg bei kleineren Fallzahlen noch höher.

Insgesamt sind chronische Schmerzen laut Statistik bei Frauen häufiger. Bei den 60- bis 64-Jährigen erhielten 4,5 Prozent der Männer und 6,6 Prozent der Frauen die Diagnose «Schmerz». Bei den über 90-Jährigen sind es fast 10 Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen. In jüngeren Altersgruppen ist die Diagnose weit seltener.

Dauer und Begleiterkrankungen

Im Durchschnitt dauert die Leidensgeschichte eines Schmerzpatienten sieben Jahre. Nach Angaben der Bundesärztekammer kämpft jeder Fünfte sogar 20 Jahre und länger gegen die Beschwerden.

Chronische Leiden am Muskel-Skelett-System - vor allem der Wirbelsäule - kommen besonders oft bei Schmerzpatienten vor, ebenso wie bestimmte Krebserkrankungen. Über die Zusammenhänge gibt die Studie keinen Aufschluss. Mögliche Gründe reichen von einer Zunahme von Einflüssen wie schmerzauslösenden Körperhaltungen oder von Stress bis hin zu mehr Diagnosen wegen steigender Aufmerksamkeit der Ärzte.

Was Ärzte und Kassen fordern

Laut Deutscher Schmerzliga und weiterer Fachorganisationen oft über Umwege - es fehle an einer Vernetzung innerhalb der medizinischen Fachgebieten. Erste Anlaufstelle sei oft die Apotheke. Patienten wüsten oft nicht einmal, dass es Ärzte mit einer speziellen schmerzmedizinischen Ausbildung gebe. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin meint, für eine flächendeckende Versorgung seien mindestens 10.000 Schmerzmediziner nötig. Derzeit gebe es nur 400 Ärzte, die in Vollzeit Schmerzpatienten versorgen.

Die Mediziner setzten sich auf einem Ärztetag bereits vor zwei Jahren für mehr und bessere Schmertherapie ein - unter anderem durch Teams verschiedener Fachrichtungen. Die Akutschmerztherapie in den Kliniken müsse gestärkt werden. Barmer-GEK-Chef Christoph Straub mahnt durchgreifende Verbesserungen an: "Angesichts von Millionen Betroffenen muss die Bekämpfung des chronischen Schmerzes zu einem nationalen Gesundheitsziel werden."

23.02.2016, Quelle: epd, afp, dpa
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