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Wells’ "Vom Ende der Einsamkeit" Ein unfassbar trauriges Meisterstück

VideoWells: "Vom Ende der Einsamkeit"
Benedict Wells

Wie kommt man durchs Leben, wenn man als Kind seine Eltern verloren hat? Der 31-jährige Schriftsteller Benedict Wells geht dieser Frage in seinem neuen Roman "Vom Ende der Einsamkeit" nach.

(28.02.2016)

VideoBenedict Wells im Interview
Der Schriftsteller Benedict Wells

Der Schriftsteller Benedict Wells über seinen neuen Roman „Vom Ende der Einsamkeit“

(28.02.2016)

von Claudio Armbruster

Es geht um das Überwinden der Angst. Der Angst vor dem Verlust, der Angst vor der Einsamkeit. Es geht um die Frage: Wie kommt man durchs Leben, wenn man als Kind seine Eltern verloren hat? Das ist das Thema des neuen Romans von Benedict Wells. 

Wie kann ein 31-Jähriger so ein unfassbar trauriges Buch schreiben? "Das hat mich am Anfang selbst überrascht", erzählt uns Wells. "Aber im Laufe des Schreibens ist mir klar geworden, dass das einfach das wichtigste Buch für mich ist, weil das meine Themen sind. Und deswegen wollte ich mir auch so viel Zeit nehmen wie möglich – ich habe 7 Jahre lang daran gearbeitet."

Nicht autobiographisch - aber echte Gefühle

Die Geschichte geht, sehr stark abgekürzt, so: Eine Familie mit drei Kindern, alles ist gut und fröhlich – bis die Eltern bei einem Autounfall ums Leben kommen. Die Kinder kommen in ein Internat, müssen lernen, mit dem Verlust, der Trauer, der Einsamkeit zu leben und ohne Eltern erwachsen zu werden. Jahre später bekommt Jules, der jüngste der drei, selbst Kinder. Er versucht, ein glückliches Leben zu führen – doch die Vergangenheit holt ihn und seine Geschwister ein. Im Buch heißt es: "Eine schwierige Kindheit ist wie ein unsichtbarer Feind. Man weiß nie, wann er zuschlagen wird."

Was im Roman passiert, habe er nicht selbst erlebt. Aber er habe vieles empfunden, was passiert ist. "Und beim Schreiben ist es oft so: Wenn ich etwas Schönes oder auch etwas Trauriges erlebe, dann nehme dieses Gefühl und schreibe damit eine Szene, in der etwas ganz anderes passiert. Das heißt: Schwarz auf weiß, auf dem Papier ist mir das nie passiert", so Wells. Aber das Gefühl hinter der Szene, "das ist echt".

"Der Schriftsteller werden, der dieses Buch schreiben kann"

Wir haben Benedict Wells schon einmal getroffen, vor 5 Jahren. Da lebte er noch in Barcelona und hatte bereits 3 Romane veröffentlicht, ohne je studiert zu haben, das Schreiben hat er sich selbst beigebracht. Und jetzt berichten wir also wieder über ihn. Weil sein neuer Roman so überraschend anders ist als die davor. Und weil wir wissen wollten, wie es dazu kommen konnte. Was er in den letzten 5 Jahren gemacht hat.

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Als der Mittdreißiger seine ersten Bücher schrieb, war er deutlich jünger. "Und ich hatte nach drei Büchern das Gefühl: Jetzt könnte ich das mal in Angriff nehmen und habe aber auch gemerkt: ich muss besser werden, ich muss was verändern, ich muss was Neues wagen." An diesem Roman hat er lange gearbeitet. In den ersten drei oder vier Jahren hat er es nach eigener Aussage nicht geschafft, besser zu werden, etwas zu verändern, etwas Neues zu wagen. "Es war eben ein Gefühl, an diesem Buch zu wachsen. Ich musste der Schriftsteller werden, der dieses Buch schreiben kann."

Sein Meisterstück

Vor fünf Jahren nannten wir ihn noch "Ausnahmetalent" – es war noch nicht ganz klar, wohin die Reise geht. Jetzt ist es klar: Der kann Schreiben! "Vom Ende der Einsamkeit" ist eine fesselnde, berührende, traurige Geschichte, die den Leser, aber nicht traurig entlässt. So viel darf schon verraten werden: Dieser neue Roman ist sein Meisterstück.

28.02.2016
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