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Britischer Verleger Lord Weidenfeld gestorben

BildLord George Weidenfeld
Archiv - Der britische Verleger, Journalist und Diplomat Lord George Weidenfeld, am 08.09.2011 vor einer Pressekonferenz in Potsdam

Als politischer Kommentator war Lord George Weidenfeld bis ins hohe Alter gefragt.

(Quelle: dpa)

Der britische Verleger und Diplomat Lord George Weidenfeld ist tot. Der langjährige "Welt"-Autor starb am Morgen im Alter von 96 Jahren, teilte die Axel Springer SE mit. Als politischer Kommentator war er bis ins hohe Alter gefragt. 

Lord Arthur George Weidenfeld wurde am 13. September 1919 in Wien geboren und wuchs in einem großbürgerlichem jüdischen Haus auf. Weidenfeld studierte Jura an der Wiener Universität und an der Diplomatenschule. Als junger Mensch erlebte er in Wien das Aufkommen des Nationalsozialismus. Nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland durch Hitler und nach der Festnahme seines Vaters flüchtete er 1938 fast ohne Geld nach England, wo er sich zunächst notdürftig über Wasser hielt.

Während des Krieges arbeitete er von 1939 bis 1942 als Journalist am Monitoring Service der BBC. Sein Dienst "Germany day by day" wurde unentbehrlicher Bestandteil der BBC-Sendungen. Ab 1942 wurde er als Kommentator des BBC über Nachrichten aus Europa bekannt, war viel auf Reisen und stellte Kontakte her, die sich später für ihn als nützlich erwiesen. Zudem schrieb er für die liberale Zeitung "News Chronicle".

1949 politischer Berater in Israel

1948 gründete Weidenfeld zusammen mit Nigel Nicolson den Verlag "Weidenfeld & Nicolson", der nach zögerlichem Anlauf erst einige Jahre später erste Erfolge verzeichnen konnte.

Bei der Gründung des Staates Israel war Weidenfeld 1949 für ein Jahr Berater der israelischen Regierung und des ersten israelischen Präsidenten Chaim Weizmann. Er nannte diese Zeit das "aufregendste Jahr meines Lebens" und betonte auch später immer wieder seine unverbrüchliche Zuneigung zu Israel. 

Im Fokus: Werke über NS-Deutschland

London wurde für Weidenfeld zur zweiten Heimat. 1969 erhob ihn die Queen in den Adelsstand. Sein Verlag veröffentlichte in der Anfangszeit aufsehenerregende Titel wie "Lolita" von Wladimir Nabokov. Im Fokus standen allerdings Werke über das das nationalsozialistische Deutschland, etwa von Joachim Fest und Sebastian Haffner, aber auch die Memoiren Albert Speers. Ein weiterer Höhepunkt des Verlags war im Jahr 2005 die Herausgabe des biografischen Werks "Erinnerung und Identität" von Papst Johannes Paul II.

Den Weg des demokratischen Deutschland nach dem Ende der NS-Diktatur und auch später nach der Wiedervereinigung verfolgte er mit Sympathie. Immer betonte Weidenfeld seine große Wertschätzung für den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU). Ein besonderes Anliegen war dem viermal verheirateten Lord nach eigenem Bekunden der katholisch-jüdische Dialog. Aus erster Ehe hat er eine Tochter.

Lord Weidenfeld erhielt im Laufe seines Lebens zahlreiche Ehrungen - auch für seine Bemühungen um die europäische Integration.

20.01.2016, Quelle: dpa
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