24.05.2016
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Bundesbildungsministerin Wanka: Flüchtlinge haben Pflicht zur Integration

BildJohanna Wanka
Bundesbildungsministerin Johanna Wanka am 17.12.2015 in Berlin

(Quelle: dpa)

VideoBayern: Grenzen selbst überwachen
Bayerischer Innenminister Joachim Herrmann (CSU)

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) findet die Grenzkontrollen durch die Bundespolizei nicht ausreichend. Deshalb will er eigene Polizisten zur Grenzüberwachung einsetzen.

(27.12.2015)

VideoGauck lobt Helfer
Bundespräsident Joachim Gauck nach seiner Weihnachtsansprache.

Bei seiner Weihnachtsansprache hat der Bundespräsident mit Blick auf die Flüchtlingssituation die vielen Helfer gelobt. Angriffe auf wehrlose Menschen seien zu verachten und zu bestrafen, so Gauck.

(25.12.2015)

VideoWeihnachten an der Grenze
Weihnachten in der Flüchtlingsunterkunft.

Flucht kennt keine Feiertage: Auch über Weihnachten kommen wieder viele Flüchtlinge an der österreichisch-deutschen Grenze an. Für die Helfer heißt das: Weihnachten in der Flüchtlingsunterkunft.

(26.12.2015)

Bildungsministerin Wanka (CDU) zufolge haben alle Flüchtlinge, die in Deutschland bleiben dürfen, die Pflicht, sich zu integrieren. "Wer dauerhaft hierbleibt, muss unsere Sprache lernen, unser Wertesystem kennen und die Regeln der Demokratie akzeptieren", erklärte sie. 

"Integration muss verbindlich sein", sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka der "Passauer Neuen Presse". Doch Integration sei kein Automatismus. Es bedürfe großer Anstrengungen, die Flüchtlinge fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Sprachkurse müssten daher für alle Flüchtlinge verbindlich sein - nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen und Jugendliche, denn "Sprache ist die Eintrittskarte in unsere Gesellschaft".

Bürger sollen Lernbegleiter werden

Nötig seien konkrete Maßnahmen, weil ein Teil der Flüchtlinge nur eine geringe Schulbildung habe oder nicht lesen und schreiben könne, betonte die CDU-Politikerin: "Der Bund ermöglicht etwa, dass die Volkshochschulen Lernbegleiter ausbilden können: Ganz normale Bürgerinnen und Bürger, die lernen, wie sie Flüchtlingen die ersten Sätze in deutscher Sprache beibringen können."

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Dabei gehe es um Sätze und Redewendungen, die man jeden Tag brauche - im Supermarkt, in der Bahn, auf dem Amt. "So wollen wir ab März schon etwa 35.000 Flüchtlinge im Jahr 2016 erreichen. Wer sich als Lernbegleiter engagiert, erhält dafür auch eine kleine Aufwandsentschädigung."

Integration und Grenzkontrollen

Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat eine Integrationspflicht für Flüchtlinge verlangt. Im Bayerischen Rundfunk forderte er: "Unsere Rechtsordnung und unsere Wertevorstellungen müssen von den Menschen, die hier dauerhaft leben wollen, akzeptiert werden. Diese dürfen nicht nach anderen Grundsätzen nebenher leben." Eine solche Regelung sei auch im Interesse der Migranten, "um ihre Chancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt zu nutzen". Die Integrationsfrage dürfe nicht den Migranten überlassen werden, "sondern wir müssen sie darauf verpflichten, unsere Rechtsgrundsätze zu akzeptieren, anzunehmen und zu erlernen."

In Anbetracht der Terrorgefahr und der anhaltend hohen Flüchtlingszahlen forderte der CSU-Politiker, die Grenzkontrollen auszuweiten. So gebe es eine ganze Reihe von Grenzübergängen an Bundes- und Staatsstraßen, die nicht kontrolliert würden. Er habe deshalb dem Bund angeboten, diese Kontrollen mit dem Personal der bayerischen Polizei durchzuführen. Das Bundesinnenministerium habe dies aber abgelehnt, so Herrmann. "Da scheint es um Prestigefragen zu gehen."

Bund will Länder bei Schulen entlasten

Wanka bezeichnete es als "riesige Herausforderung", 2016 Hunderttausende Flüchtlingskinder an deutschen Schulen aufzunehmen. Dabei müsse und wolle der Bund die Länder unterstützen: "Allein für die Betreuung minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge gibt der Bund im nächsten Jahr 350 Millionen Euro aus. Entlastungen wie diese sorgen dafür, dass die Länder mehr in ihre Schulen investieren können."

Auf die Frage nach studierenden Flüchtlingen sagte Wanke, an einigen Universitäten hätten Flüchtlinge bei Vorlesungen den Gasthörerstatus erhalten: "Wir wissen noch nicht, wie viele Flüchtlinge bei uns studieren wollen und werden. Klar ist: Die fachlichen Standards werden nicht gesenkt. Nur wer studierfähig ist, kann auch an die Uni."

2015 - Das Jahr der Flüchtlinge

Januar

80 Flüchtlinge suchen in der Thomaskirche in Kreuzberg Kirchenasyl

Ende des Monats löst Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) einen Streit ums Kirchenasyl aus. Er wirft den Kirchen vor, sich über geltendes Recht hinwegzusetzen. Ende Februar einigen sich Staat und Kirche auf ein neues Verfahren mit engerer Kooperation zwischen Gemeinden und Behörden.

Im Januar wurden 25.042 Asylanträge in Deutschland gestellt.

Februar

Rettung von Flüchtlingen

In der Nacht auf den 9. Februar birgt die italienische Küstenwache einen Kutter mit 105 Insassen, die über das Mittelmeer nach Europa flüchten wollten. Sieben Menschen sind bei der Überfahrt erfroren. Weitere 18 Menschen sterben beim Transport nach Lampedusa. In den Tagen darauf ertrinken wahrscheinlich mehr als 300 Menschen.In ihrem wöchentlichen Podcast dringt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am 14. Februar auf eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge in der EU.

Im Februar wurden 26.083 Asylanträge in Deutschland gestellt.

März

Flüchtlinge in Deutschland - Aufnahme vom 12.02.2015

Am 11. März landet in Hannover der 50. Charterflug mit Flüchtlingen aus Syrien, die über ein 2013 aufgelegtes Kontingent in Deutschland aufgenommen werden. Die insgesamt 20.000 Plätze werden bis zum Sommer ausgeschöpft sein.Am 13. März beschließt das Bundeskabinett den Ländern für 2015 und 2016 jeweils 500 Millionen Euro mehr für die Versorgung der Flüchtlinge zu geben. Ländervertreter fordern erstmals auch eine dauerhafte Beteiligung des Bundes an den Kosten.

Im März wurden 32.054 Asylanträge in Deutschland gestellt.

April

Deer ausgebrannte Dachstuhl der zukünftigen Unterkunft für Asylbewerber in Tröglitz

Am Osterwochenende wird auf die Asylunterkunft in Tröglitz (Sachsen-Anhalt) ein Brandanschlag verübt. Der Ort war bereits vorher in die Schlagzeilen geraten, weil der Bürgermeister Markus Nierth im März wegen rechtsradikaler Anfeindungen von seinem Amt zurückgetreten war.

Nach einem Bootsunglück ertrinken mehr als 800 Flüchtlinge vor der libyschen Küste. Bei einem Krisentreffen am 20. April in Brüssel beschließen die EU-Innen- und Außenminister, die Seenotrettung im Mittelmeer auszubauen.Im Streit um eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge auf alle EU-Länder spricht sich Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am 29. April für eine Quote aus, die in vielen Ländern auf Ablehnung stößt.

Im April wurden 27.178 Asylanträge in Deutschland gestellt.

Mai

Archiv - Dimitris Avramopoulos bei einer Pressekonferenz in Brüssel am 18.11.2015

Bei einem Treffen am 8. Mai verspricht Kanzlerin Merkel den Bundesländern ein Maßnahmenpaket zur Beschleunigung für Asylverfahren.

Der EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos stellt am 27. Mai Details des Quotenvorschlags zur Verteilung von Flüchtlingen vor. Zunächst sollen 60.000 Menschen aus Griechenland, Italien und Ländern des Nahen Ostens auf alle EU-Länder verteilt werden. Die Regierungen stimmen schließlich zu, bis Jahresende wird aber erst ein Bruchteil der Flüchtlinge tatsächlich verteilt sein.

Im Mai wurden 25.992 Asylanträge in Deutschland gestellt.

Juni

Asylgegner im sächsischen Freital

Die Internationale Organisation für Migration erklärt am 9. Juni, dass im Laufe des Jahres bereits mehr als 100.000 Flüchtlinge über den Seeweg nach Europa gekommen sind. Die Bundesregierung hebt ihre Prognose über die erwartete Zahl der Flüchtlinge an. Sie rechnet jetzt mit 450.000 Asylsuchenden bis Ende des Jahres.

Im sächsischen Freital sorgen Proteste gegen eine Asylbewerberunterkunft bundesweit für Empörung. Bis Ende des Monats registrieren die Sicherheitsbehörden für das erste Halbjahr 150 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte - ein neuer Höchststand.

Im Juni wurden 35.449 Asylanträge in Deutschland gestellt.

Juli

Flüchtlinge in Griechenland - Aufnahme vom 20.07.2015

Laut UNHCR haben seit Jahresanfang 78.000 Flüchtlinge Griechenland erreicht - mehr als sechsmal so viele wie im Vorjahreszeitraum. Die Fluchtroute von Syrien über die Türkei und den Balkan gerät verstärkt in den Fokus.

Im Juli wurden 37.531 Asylanträge in Deutschland gestellt.

August

Rechter Aufmarsch in Heidenau - Aufnahme vom 28.08.2015

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) verkündet am 19. August eine neue Prognose, wonach er bis zu 800.000 Flüchtlinge in diesem Jahr erwartet. Grundlage der Prognose sollen künftig nicht mehr die Asylantragszahlen sein, sondern die Zahl der über die Länder tatsächlich registrierten Flüchtlinge. Beide Zahlen waren aufgrund des Antragsstaus immer weiter auseinander geklafft.

Am 25. August twittert das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: "#Dublin-Verfahren syrischer Staatsangehöriger werden zum gegenwärtigen Zeitpunkt von uns weitestgehend faktisch nicht weiter verfolgt." Syrer, die über ein anderes EU-Land eingereist sind, können damit in Deutschland bleiben. In der Folge drängen noch mehr Flüchtlinge in die Bundesrepublik.

Bundespräsident Joachim Gauck besucht am 26. August eine Erstaufnahmeeinrichtung in Berlin. Kanzlerin Merkel ist am gleichen Tag in Heidenau, wo es zuvor heftige Ausschreitungen beim Protest gegen eine Asylunterkunft gegeben hatte. Merkel betont nach ihrem Gespräch mit Flüchtlingen, es gebe keine Toleranz gegenüber denen, die die Würde anderer Menschen infrage stellten. Entfernt stehende Heidenauer buhen sie aus.

Im August wurden 36.422 Asylanträge in Deutschland gestellt.

September

Angela Merkel und Viktor Orban

Kanzlerin Merkel entscheidet in einem Telefonat mit Ungarns Ministerpräsident Orbán, Flüchtlinge weiter nach Deutschland reisen zu lassen. Die Asylsuchenden hatten unter teils katastrophalen Umständen in Ungarn ausgeharrt. Die Entscheidung bringt ihr auch innerhalb der Union viel Kritik ein. Merkel bleibt bei ihrer Haltung. Das Asylrecht kenne keine Obergrenze, erklärt sie.

Am 18. September übernimmt der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, die Leitung des unter Druck stehenden Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Nach wie vor gelingt es der Behörde nicht, Asylanträge schneller zu bearbeiten. Der Antragsstau wächst weiter.

Bund und Länder einigen sich am 24. September auf eine Verteilung der Flüchtlingskosten. Der Bund zahlt ab 2016 eine Pauschale von 670 Euro pro Flüchtling bis zum Ende des Asylverfahrens. Im Gegenzug stimmen die Länder einer Reihe von Verschärfungen im Asylrecht zu, die wenig später vom Bundestag verabschiedet werden.

Im September wurden 43.071 Asylanträge in Deutschland gestellt. Registriert wurden 164.000 Flüchtlinge.

Oktober

Peter Altmeier

Am 7. Oktober beschließt das Bundeskabinett eine Neuordnung seiner Flüchtlingspolitik. Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) wird zum Flüchtlingskoordinator ernannt.

In der CSU stößt Merkels offene Haltung gegenüber den Flüchtlingen immer mehr auf Ablehnung. Forderungen werden laut, Schnellverfahren in sogenannten Transitzonen an der Grenze einzuführen, den Familiennachzug einzuschränken und eine Obergrenze für die Aufnahme zu definieren.

Im Oktober wurden 54.877 Asylanträge in Deutschland gestellt. Registriert wurden 181.000 Flüchtlinge.

November

Wolfgang Schäuble (CDU)

Am 30. November beschließt der Bundestag den Haushalt 2016, der mehr als acht Milliarden Euro zusätzlich für die Versorgung und Integration von Flüchtlingen vorsieht. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) erklärt, die Bewältigung der Flüchtlingszahlen habe Priorität.

Im November wurden 57.816 Asylanträge in Deutschland gestellt. Registriert wurden 206.000 Flüchtlinge.

Dezember

Weihnachtsfeier mit Flüchtlingen

Anfang Dezember meldet Bayern, dass die Zahl der insgesamt in diesem Jahr registrierten Flüchtlinge die Grenze von einer Million überschritten hat.

Auf ihren Parteitagen fordern SPD und CDU europäische Kontingente zur Aufnahme von Flüchtlingen. CDU-Parteichefin Merkel gelingt es, dass im Leitantrag der Christdemokraten die Forderung nach einer Obergrenze für die Aufnahme ausbleibt.

(Quelle: epd)

28.12.2015, Quelle: kna
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