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Fremdenfeindlichkeit Nach Clausnitz: Tillich verurteilt Gewalt

VideoTillich: "Das ist nicht tolerierbar"
Stanislaw Tillich und Claus Kleber

Man müsse versuchen den Menschen die Ängste zu nehmen, so Tillich. Angst rechtfertige kein menschenverachtendes Handeln oder auch Gewalt gegenüber Anderen.

(22.02.2016)

VideoÖzdemir kritisiert Fremdenhass
Flüchtlingsunterkunft in Clausnitz

Die fremdenfeindlichen Vorfälle in Clausnitz und Bautzen sorgen bundesweit für Entsetzen. Grünen-Chef Özdemir hat der sächsischen Landesregierung eine Verharmlosung des Rechtsradikalismus vorgeworfen.

(22.02.2016)

VideoAsylheim in Bautzen brennt
Ein großer Feuerwehrwagen vor der brennenden Flüchtlignsunterkunft.

Im sächsischen Bautzen hat ein für Flüchtlinge vorgesehenes Gebäude gebrannt. Die Polizei berichtet von Anwohnern und teils alkoholisierten Schaulustigen, die Löscharbeiten behinderten.

(21.02.2016)

VideoPolizei verteidigt Vorgehen
Polizei Sachsen.

Nach den Diskussionen über den Einsatz vor einem Flüchtlingsheim im sächsischen Clausnitz verteidigt die Polizei ihr Vorgehen. Auch bei den Flüchtlingen sei es zu Provokationen gekommen.

(20.02.2016)

Nach den Vorfällen in Clausnitz hat Sachsens Ministerpräsident Tillich eine sachliche Debatte zur Asylpolitik gefordert. Die "schließt Gewalt aus", betonte er im ZDF heute journal. Zuvor hatte die Bundesregierung die Ereignisse verurteilt. Der Leiter der Unterkunft in Clausnitz wurde von seinem Amt entbunden. 

Heimleiter Thomas Hetze soll "eine andere Aufgabe" innerhalb des Unternehmens bekommen, das für den Betrieb der Flüchtlingsunterkunft zuständig ist, erklärte der Landrat von Mittelsachsen, Matthias Damm (CDU). Darauf habe er sich mit der Betreiberfirma geeinigt.

"Entscheidung zum Schutz seiner Person"

Noch ist den Angaben zufolge nicht abschließend geklärt, wer die Heimleitung künftig übernehmen soll. Die Betreuung der Flüchtlinge sei für den Übergang aber weiterhin gesichert, hieß es. Trotz der Entscheidung stellte Damm sich am Montag abermals hinter den umstrittenen Heimleiter. Dieser könne eine nicht zu beanstandende Arbeit vorweisen, erklärte Damm.

"Wir haben die Entscheidung zum Schutz seiner Person und durch die bundesweite Diskussion über ihn getroffen", fügte er hinzu. Zugleich laufe aber auch im Landratsamt die Aufarbeitung der Vorkommnisse vom Donnerstagabend. So werde etwa die Vorgehensweise bei der Information der Bürger geprüft.

Bruder hatte Protest-Mob mitorganisiert

Im Clausnitz hatte am Donnerstag ein Mob mehr als zwei Stunden einen mit Flüchtlingen besetzten Bus blockiert, als die Asylbewerber in ihre Unterkunft gebracht werden sollten. Die aggressiven Pöbeleien der Fremdenfeinde hatten bundesweit Entsetzen hervorgerufen. Für Empörung sorgte auch, dass der Heimleiter der Unterkunft ein AfD-Mitglied ist und als einer der wenigen von der genauen Ankunftszeit der Flüchtlinge wusste. Am Sonntagabend war zudem bekanntgeworden, dass sein Bruder den Protest mitorganisiert hatte.

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"Wie kaltherzig, wie feige muss man sein, um sich vor einem Bus mit Flüchtlingen aufzubauen und zu pöbeln und zu grölen, um den darin sitzenden Menschen, darunter zahlreiche Frauen und Kinder, Angst zu machen", sagte Regierungssprecher Seibert am Montag. Er betonte, es sei gut, dass es in Sachsen wie auch in ganz Deutschland Menschen gebe, die tagtäglich zeigten: "Unser Land ist anders."

Protest vor Unterkunft verurteilt

Deutschland wisse unabhängig von der politischen Diskussion in der Flüchtlingsfrage, dass es im Kern um Menschen in Not gehe. "Und die behandeln wir mit Anstand und mit Mitgefühl", sagte Seibert. Darin sei sich die Bundesregierung mit "der ganz großen Mehrheit der Menschen in Deutschland einig". Wer Angriffe wie in Clausnitz hingegen gut heiße, der müsse eine klare Antwort von allen staatlichen Kräften und auch von der großen Mehrheit der Bürger bekommen.

Auch Landrat Damm verurteilte die Art des Protestes vor der Unterkunft. "Eine ablehnende Minderheit vermittelt ein Menschenbild, welches unserer Region überhaupt nicht entspricht", sagte der CDU-Politiker.

Stichwort: Mob

Der "Mob" erlebt in Deutschland eine traurige Renaissance. Der Ausdruck bezeichnet eine unkontrollierte wütende Volksmenge, die oft von Hetzern aufgestachelt ist. Das Wort wurde laut Duden im 18. Jahrhundert aus dem Englischen übernommen und geht auf das lateinische "mobile vulgus" - das wankelmütige Volk - zurück. Weiterentwickelt wurde es in den Ausdrücken "Mobbing" und "Flashmob". Ein Wesenszug des Mobs ist, dass er von Gefühlen wie Hass oder Frustration angetrieben wird und nicht überlegt handelt.

In der Geschichte gingen solche Ausbrüche des "Volkszorns" oft mit Lynchjustiz einher. So wurde einer der ersten bürgerlichen Regierungschefs Europas, der Niederländer Johan de Witt, 1672 von einem Mob buchstäblich in Stücke gerissen, nachdem ihn zahlreiche Flugschriften der Korruption beschuldigt hatten. Sämtliche Vorwürfe gegen ihn erwiesen sich später als haltlos. (Quelle: dpa)

22.02.2016, Quelle: dpa, afp
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