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merkzettel

Bundestag beschließt Verkaufsverbot Ausgedampft: Keine E-Zigaretten für die Jugend

BildFrau raucht E-Zigarette
Frau raucht E-Zigarette

(Quelle: dpa)

Kinder und Jugendliche dürfen fortan nicht nur keine Zigaretten rauchen – auch E-Zigaretten und E-Shishas dürfen ihnen nicht mehr verkauft werden. Auch nicht über Online-Shops. Der Bundestag hat eine entsprechende Gesetzeslücke nun geschlossen. 

Bislang waren elektronische Zigaretten vom Verkaufsverbot an Jugendliche ausgenommen, weil sie keinen Tabak enthalten. E-Zigaretten und E-Shishas simulieren praktisch das Rauchen, ohne Tabak zu verbrennen. Dabei werden Flüssigkeiten, sogenannte Liquids, verdampft. Der entstehende Nebel wird inhaliert. Dabei gibt es verschiedene Geschmacksrichtungen; die Produkte können nikotinhaltig oder nikotinfrei sein. Im Jugendschutzgesetz war bislang nur ein Verbot von Tabakwaren geregelt, E-Zigaretten und E-Shishas fielen nicht darunter.

E-Zigaretten als "Einstiegsdroge"

Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) nannte das beschlossene Abgabeverbot einen "Meilenstein für gesundheitlichen Verbraucherschutz". "E-Zigaretten und E-Shishas - egal ob mit oder ohne Nikotin - haben in den Händen von Kindern und Jugendlichen nichts zu suchen", erklärte Schmidt. Rauchen sei nicht harmlos, auch wenn es nach Kaugummi schmecke oder nach Melone rieche.

E-Zigarette kostet Kölner mehrere Zähne

Ein 20-jähriger Kölner ist bei der Explosion seiner E-Zigarette schwer verletzt worden. Das Opfer habe Schnitt- und Brandwunden im Gesicht erlitten sowie mehrere Zähne durch die Detonation verloren, berichtete die Polizei. Zuvor habe er Ersatzteile gekauft, darunter einen neuen Akku. Beim Ziehen am neu zusammengestellten Gerät sei dieses sofort explodiert.

Fälle explodierender E-Zigaretten waren zuvor bereits in den USA bekanntgeworden. Ähnliche Verletzungen hatte vor vier Jahren ein Mann in Florida erlitten. Damals hatte der Akku die Explosion verursacht, die auch noch das Haus des Opfers in Brand setzte. (Quelle: dpa)

"Auch nikotinfreie E-Zigaretten und E-Shishas schaden der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen", so die Parlamentarische Staatssekretärin im Familienministerium, Caren Marks (SPD). Zudem bestehe die Gefahr, dass die vermeintlich harmlosen nikotinfreie E-Zigaretten dazu verleiten, auf nikotinhaltige Zigaretten umzusteigen.

Neben Union und SPD stimmten auch die Grünen für den Gesetzentwurf der Koalition. Ihr drogenpolitischer Sprecher Harald Terpe sagte, trotz einiger Mängel werde der Jugendschutz mit dem Gesetz gestärkt. Die Linke beklagte hingegen fehlende Präventionsansätze und eine unsachliche Gleichsetzung von Tabak- und E-Zigaretten und enthielt sich deshalb der Stimme.

Dampf könnte Krebs auslösen

Blauer Dunst
Die Bundesregierung hatte das Verkaufsverbot mit den Gesundheitsrisiken des Sucht- und Nervengiftes Nikotin begründet, das auch beim Konsum von elektrischen Zigaretten und Shishas mit der Nikotinlösung eingeatmet werde. Aber auch der Konsum von nikotinfreien elektronischen Zigaretten und Shishas sei gesundheitsgefährdend, da beim Verdampfen Stoffe entstünden, die als möglicherweise krebsauslösend gelten.

Eine frühere Untersuchung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hatte ergeben, dass jeder fünfte Jugendliche im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren schon einmal eine E-Shisha und jeder siebte eine E-Zigarette probiert hat.

Fragen und Antworten zur E-Zigarette

Wie funktioniert die E-Zigarette?

E-Zigarette mit Ladekabel

Elektronische Zigaretten bestehen in der Regel aus einem Akku, einem Verdampfer und einem "Tank", der mit Flüssigkeit (sogenanntem Liquid) befüllt wird. Eine oder mehrere Heizspiralen im Verdampfer erhitzen das Liquid, so dass es verdampft.

Im Gegensatz zur traditionellen Zigarette findet kein Verbrennungsprozess statt.

Welche Substanzen enthalten E-Zigaretten?

Schachtel für E-Zigaretten

E-Zigaretten werden mit Flüssigkeit, sogenannten Liquids, befüllt. Aufgrund der großen Produktvielfalt gibt es bisher keine Liste der verwendeten Stoffe. Derzeit gibt es rund 7.000 verschiedene dieser Flüssigkeiten.

Die Liquids sind ein Gemisch aus vier Hauptbestandteilen: Propylenglykol, Glycerin, Aromastoffen und Wasser - und enthalten wahlweise zusätzlich den Suchtstoff Nikotin. Sie schmecken nach Pina Colada, Käsekuchen oder Kirsche. Die exotischen Sorten machen allerdings nur 30 Prozent der Verkaufszahlen aus, während 70 Prozent der verkauften Liquids nach Tabak schmecken.

Sind E-Zigaretten eine gesunde Alternative?

Zigaretten und e-Zigaretten gleichermaßen unerwünscht

Forscher sind sich einig, dass E-Zigaretten weniger gesundheitsschädigend sind als Tabakzigaretten. Beim klassischen Rauchen werden durch den Verbrennungsprozess Kohlenmonoxid, Teer und andere giftige Chemikalien erzeugt. Die E-Zigaretten dampfen nur und kommen deshalb ohne diese Substanzen aus. Raucher, die ihr Laster ablegen möchten, aber die Nikotinsucht nicht besiegen können, greifen vermehrt zur E-Zigarette.

Ärzte und Forscher sehen die E-Zigarette allerdings nicht als geeignetes Mittel zur Rauchentwöhnung. Zwar sind E-Zigaretten weniger gesundheitsschädlich für das Herz, doch etwa Lungenerkrankungen können nach heutigem Kenntnisstand nicht ausgeschlossen werden.

Wie gefährdet sind Passivraucher?

Mann raucht E-Zigarette im Gegenlicht

Bisherige Untersuchungen und Studien haben keine signifikante Schadstoffbelastung durch E-Zigaretten für Dritte gezeigt. Beim Rauchen von Tabakzigaretten ist der sogenannte Nebenstrom für Umstehende besonders schädlich. Der Nebenstrom entsteht, wenn der Raucher nicht aktiv an der Zigarette zieht, sondern der Tabak nur verglimmt.

Beim Dampfen von E-Zigarette entsteht hingegen kein Nebenstrom. Allerdings sind Wissenschaftler vorsichtig in ihrer Beurteilung. Auch hier spielt die breite Produktpalette eine Rolle: "Von außen ist nicht zu erkennen, womit E-Zigaretten gefüllt sind und welche Stoffe freigesetzt werden", sagt Frank Henkler, Biochemiker am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Wie ist die Gesetzeslage?

Demo für E-Zigarette

Im Rahmen der Debatte um eine Tabak-Produktrichtlinie beschloss das Europäische Parlament im Jahr 2013 stärkere Regulierungen für E-Zigaretten. Dieser Beschluss folgte auf einen langjährigen Streit, wie die E-Zigarette rechtlich einzustufen sei: Ist die E-Zigarette ein Genussmittel oder ist das Dampfen dem Rauchen von Tabakzigaretten gleichzustellen? Auch eine Deklaration als Arzneimittel war im Gespräch, was dazu geführt hätte, dass E-Zigaretten nur in Apotheken hätten verkauft werden dürfen.

Die EU entschied sich für einen Mittelweg. Im Mai 2016 wird die neue Tabak-Produktrichtlinie in Kraft treten, die auch für E-Zigaretten gilt. Hersteller müssen demnach den zuständigen Behörden alle Inhaltsstoffe und resultierende Emissionen mitteilen. Zudem wird es eine Höchstgrenze für Nikotin geben: Maximal 20 Milligramm dürfen in einem Milliliter Liquid (entspricht einer Liquidkapsel) enthalten sein.

(von Jana Sepehr)

28.01.2016, Quelle: afp, dpa
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