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Auschwitz-Befreiung Knobloch sieht wachsende Bedrohung für Juden

BildCharlotte Knobloch
Charlotte knobloch am 27.01.2016 im Plenarsaal des Landtages in Dresden

(Quelle: dpa)

VideoHolocaust-Ausstellung in Berlin
Kanzlerin Merkel neben einem Kunstwerk der Holocaust-Ausstellung im Historischen Museum in Berlin.

Kanzlerin Merkel eröffnete die Holocaust-Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin. Die Ausstellung umfasst Bilder jüdischer Häftlinge aus Konzentrationslagern, Arbeitslagern und Ghettos.

(26.01.2016)

Die ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sieht eine wachsende Bedrohung für Juden in Deutschland. In einer Gedenkstunde zum Holocaust rief sie dazu auf, den Satz "Wir sind das Volk" wieder ernster zu nehmen und forderte "aufrechte Patrioten". 

Im sächsischen Landtag ist an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert worden. Als Gastrednerin forderte die Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch mehr Patriotismus und Selbstbewusstsein in Deutschland. Zugleich warnte die ehemalige Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland eindringlich und in einer sehr persönliche Rede vor dem wiedererstarkenden Antisemitismus in Deutschland und ganz Europa.

Judenfeindlichkeit wieder "salonfähig"

"71 Jahre nach dem Holocaust werden auch in Europa wieder Menschen ausgegrenzt, diffamiert und ermordet, weil Sie Juden sind", sagte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ist. Das sei ein Armutszeugnis. Knobloch betonte: "Sprachlosigkeit und Ratlosigkeit können wir uns nicht erlauben". Nicht zuletzt stehe die europäische Idee auf dem Spiel.

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Webstory: Das Auschwitz-Album
Judenfeindlichkeit sei "längst wieder salonfähig geworden". Sie wuchere an den "schmutzigen Rändern Rechts und Links", aber auch in der Mitte der Gesellschaft, sagte Knobloch. Kritik übte sie auch an der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung, zu der keine Patrioten gehörten, sondern "Scharfmacher". Das betreffe auch Teile der Partei AfD, die radikal rechts und nationalistisch sowie von Neonazis unterwandert sei.

Der Ruf nach aufrechten Patrioten

Knobloch appellierte auch, den Satz "Wir sind das Volk" als Demokraten ernst zu nehmen. "Überlassen Sie das Wir nicht den Falschen, den ideologischen Scharfmachern und Hetzern", forderte sie. "Wir müssen aufrechte Patrioten sein - nicht trotz, sondern wegen unserer schrecklichen Geschichte", fügte sie hinzu.

Auch der sächsische Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) rief zu mehr gesellschaftlicher Wachsamkeit und noch mehr politischer Entschiedenheit gegen antisemitisches Gedankengut und antijüdische Ressentiments auf. "Es beschämt mich, wenn Juden in Europa heute wieder in Angst leben, wenn sie wieder ihr Judentum in der Öffentlichkeit verbergen müssen und aus Europa emigrieren", sagte Rößler.

"Respekt statt Hetzparolen"

Der stellvertretende Ministerpräsident Martin Dulig (SPD) betonte in seinem Grußwort: "Wir brauchen Streit um die Sache und Respekt statt Hetzparolen". Wenn es ein Vermächtnis von Auschwitz für die heutige Zeit gebe, dann sei es "die besondere Achtung vor den grundlegenden Werten Vielfalt, Toleranz und Mitgefühl in einer pluralen Gesellschaft".

An der Gedenkstunde im Plenarsaal des Sächsischen Landtags nahmen mehr als 300 geladene Gäste aus Politik und Gesellschaft teil, darunter zahlreiche Vertreter von Opferverbänden. Unter den Vertretern aus Kirchen und der jüdischen Gemeinden war Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing und der Dresdner Rabbiner Alexander Nachama. Musikalisch gestaltet wurde die Gedenkstunde durch den Synagogenchor Dresden.

Der Internationale Holocaust-Gedenktag wird seit 2006 jeweils am Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau (27. Januar) begangen. Rund 1,1 Millionen Menschen, vor allem Juden, wurden in Auschwitz umgebracht. Insgesamt wurden in den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nationalsozialisten rund sechs Millionen Juden ermordet.

Holocaust-Gedenktag

27. Januar

Holocaust-Mahnmal in Berlin

Am Holocaust-Gedenktag wird weltweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Am 27. Januar 1945 waren die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz von der Roten Armee befreit worden. Lesungen, Konzerte, Theateraufführungen oder Gedenkmärsche sollen die Erinnerung an den Nazi-Terror wachhalten. Nach einem UN-Beschluss gibt es den weltweiten Gedenktag seit 2006. Zuvor wurde er bereits in mehreren Ländern begangen, in Deutschland seit 1996 als Tag des Gedenkens an die NS-Opfer auf Anregung des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog.

27.01.2016, Quelle: von Christoph Arens, kna
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