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US-Vorwahlen New Hampshire: Zurück auf Los?

BildVorwahl in New Hampshire
Bernie Sanders in New Hampshire

Liegt in New Hampshire in Umfragen vor Hillary Clinton: Bernie Sanders

(Quelle: dpa)

VideoDie Wütenden von New Hampshire
Hillary Clinton spricht in New Hampshire

Hillary Clinton kämpft auch bei dieser Vorwahl mit Konkurrenz der Extreme. Sie setzt auf Kompromisse, in einem Land, das keine Kompromisse mehr will.

(08.02.2016)

VideoTV-Duell: Clinton vs. Sanders
Hillary Clinton und Bernie Sanders liefern sich bisher in den US-Vorwahlen der Demokraten ein spannendes Rennen.

Hillary Clinton und Bernie Sanders liefern sich bisher in den US-Vorwahlen der Demokraten ein spannendes Rennen. Nun trafen die Ex-First-Lady und der 74-Jährige in einer TV-Debatte aufeinander.

(05.02.2016)

Video"Endlich ein wahres Duell"
Hillary Clinton und Bernie Sanders im TV-Duell.

"Gerade weil das Ergebnis in Iowa so knapp war, stehen Hillary Clinton und Bernie Sanders stark unter Druck", sagt ZDF-Korrespondentin Ines Trams in Washington.

(05.02.2016)

Viele Wahlmänner sind es nicht, die die Kandidaten in New Hampshire hinter sich scharen können. Gleichwohl wird der Vorwahl dort einiges Gewicht beigemessen: Schält sich ein erster Trend heraus? 

Ein Diner an einer Straße in New Hampshire: "Seid Ihr mit einem der Bewerber hier?", will ein Mann wissen. Der Wahlkampf verfolgt die Einwohner des kleinen Bundesstaats im Nordosten der USA bis in die dunkelsten Sitzecken ihrer Schnellrestaurants. Wenn die Bewerber nicht selbst da sind, flimmern sie über Fernsehbildschirme an den Wänden. Nach Iowa steht hier am Dienstag die nächste Runde von Vorwahlen im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur bei Demokraten und Republikanern an. Alles auf Anfang oder setzt sich der Trend fort?

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Zumindest in Umfragen sieht es nach einer klaren Entscheidung aus: Der linke Bernie Sanders führt bei den Demokraten haushoch, der Milliardär Donald Trump liegt bei den Republikanern weit vorne. Allerdings gibt es nicht erst seit Iowa Zweifel, wie aussagekräftig solche Zahlen tatsächlich sind. Dort hatten Umfragen lange einen Sieg Trumps prophezeit, am Ende gewann Ted Cruz, der erzkonservative Senator von Texas. Trump wurde Zweiter.

Umfragen für jeden Geschmack

"Viele von ihnen sind problematisch", sagt der Politikwissenschaftler Dean Spiliotes über die Befragungen im Vorfeld. "Wir fokussieren uns zu stark auf sie. Und es gibt für so ziemlich jeden eine Umfrage, der ein bestimmtes Ergebnis sucht, was ihm gefällt."

Und in New Hampshire gibt es eine große Gruppe, die ein bisschen schwer einzuschätzen ist. Abstimmen dürfen nämlich alle registrierten Wähler - also nicht nur eingetragene Demokraten und Republikaner. Wer keiner der beiden Parteien angehört, ist als "unabhängig" registriert und kann sich frei zwischen den Bewerbern beider Parteien entscheiden. Und auch erst am Wahltag entscheiden, für welches Lager er überhaupt stimmen will.

Die unkontrollierte Mitte

Die Unabhängigen machen in New Hampshire rund 43 Prozent der Wähler aus, bei den Parteien sind es je etwa 30 Prozent. "Das macht es viel weniger berechenbar, weil die Parteien nicht kontrollieren können, was diese große Gruppe von Wählern in der Mitte tut", sagt Spiliotes.

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Susanna Dunbar gehört zu ihnen. "Ich war früher bei den Republikanern registriert, aber ich war so angewidert von dieser Partei, genauso wie von den Demokraten, dass ich jetzt als unabhängig gemeldet bin", sagt sie. Die 56-Jährige findet, dass ziemlich viel falsch läuft. Sie sorgt sich, dass wieder ein Demokrat ins Amt kommen könnte. Sie will deshalb Ted Cruz unterstützen. "Weil er wirklich an die Verfassung glaubt. Und er glaubt, dass Korruption falsch ist. Er ist bereit, für das zu kämpfen, woran er glaubt."

Religion nicht so wichtig

Ted Cruz könnte es in New Hampshire aber schwerer haben als in in der vergangenen Woche. In Iowa konnte der 45 Jahre alte Senator aus Texas vor allem auf die Stimmen von evangelikalen Wählern zählen. Davon gibt es in New Hampshire nicht so viele. Ohnehin ist Religion hier nicht so wichtig. "Wir sind der am wenigsten religiöse Staat nach Vermont. In diesem Teil des Landes gibt es nicht viele Kirchgänger", sagt der Politikwissenschaftler Spiliotes.

Cruz und auch andere im republikanischen Feld schielen auf eine andere Gruppe. In New Hampshire gibt es eine große libertäre Bewegung. Mit dem Querdenker Rand Paul hätten sie eigentlich einen Republikaner gehabt, der ihre Ideale von weniger Staat und mehr Privatsphäre teilt. Aber Paul stieg in der vergangenen Woche aus dem Rennen aus.

Bei einer Fragerunde will ein Mann von Marco Rubio wissen, wen er und sein Sohn denn nun wählen sollten, jetzt da Rand Paul weg sei. Rubio lobt Paul in höchsten Tönen. "Ich will, dass die Bewegung, für die er steht, Teil der republikanischen Partei ist. Sie ist ein großartiges Gegengewicht in unserer Partei." Der 44 Jahre alte Senator aus Florida sieht seine Chance, zum Kompromisskandidaten zu werden, seit er in Iowa den dritten Platz bei den Republikanern holte.

Clintons Problem mit der Jugend

Hillary Clinton hat New Hampshire dagegen wohl schon aufgegeben. Sanders ist hier oben einfach zu stark, was zum Teil auch daran liegt, dass er aus dem Nachbarstaat stammt. Dabei konnte sich die Ex-Außenministerin noch die Unterstützung vieler hochrangiger Demokraten aus dem Staat sichern, darunter der Gouverneurin Maggie Hassan und der Senatorin Jeanne Shaheen.

Kleine Vorwahl, große Bedeutung

Den beiden ersten Vorwahlen kommt eine überproportionale Bedeutung zu. Wer schon dort schlecht abschneidet, gibt oft auf. In diesem Jahr könnte dieser Effekt in New Hampshire gut bei den Republikanern zu sehen sein, wo immer noch neun Bewerber am Start stehen. Umfragen zufolge dürfte der Milliardär Donald Trump den Sieg davontragen, gefolgt vom Senator Marco Rubio. Hier ist eine Vorentscheidung an der Spitze nicht zu erwarten. Vielmehr wird mit Spannung darauf geschaut, welcher der Kandidaten auf den hinteren Plätzen anschließend das Handtuch wirft. Bei den Demokraten gibt es nach Iowa dagegen nur noch das Duell zwischen Clinton und Sanders.

Und auch auf ihren Wahlkampf-Veranstaltungen jubeln ihr viele Frauen zu. Etwa die 58 Jahre alte Robin. "Wenn sie es nicht wird, bekommen wir wahrscheinlich in den nächsten 20 Jahren keine Frau als Präsidentin", sagt sie. "Ich sehe einfach niemanden sonst, der stark genug ist."

Aber Clinton hat ein Problem mit der Jugend: Bernie Sanders sammelte in Iowa in der Gruppe der 17- bis 29-jährigen Wähler der Demokraten satte 84 Prozent ein, Clinton nur 14. "Ich glaube, jüngere Frauen tun sich schwer mit ihr", sagt Robin. "Die wissen einfach nicht, wie hart es war, überhaupt an diesen Punkt zu kommen."

Hat sie das Zeug dazu?

Zumindest auf dem Papier würde Clinton eine Schlappe in New Hampshire kaum zurückwerfen - der Bundesstaat mit seinen 1,3 Millionen Einwohnern stellt nur wenige Delegierte für den Wahlparteitag. Aber nach dem hauchdünnen Sieg über Sanders in Iowa könnten die Zweifel wachsen, ob Clinton wirklich das Zeug hat, Barack Obamas Nachfolgerin zu werden.

"Es ist egal, ob sie mit neun, 17 oder 31 Prozentpunkten verliert", schreibt Harry Enten vom Wahlstatistik-Blog FiveThirtyEight. "Kommt zu der Fast-Niederlage von Iowa eine Niederlage in New Hampshire hinzu, wird es immer mehr heißen, dass Clinton in echten Schwierigkeiten steckt."

Vorwahl in New Hampshire

Staat im Nordosten

Karte: USA - New Hampshire

New Hampshire liegt im Nordosten der USA und gehört zu den Neuengland-Staaten. Es grenzt im Norden an Kanada. Mit einer Fläche von 24.216 Quadratkilometern ist der Bundesstaat nur etwa so groß wie Mecklenburg-Vorpommern. Gerade einmal 1,3 Millionen Menschen leben dort, also etwa so viele wie in München. 95 Prozent von ihnen sind weiß. Die Hauptstadt ist Concord. In dem "Granitstaat" gibt es eine kleine Bergbauindustrie. Neben dem Tiefengestein werden auch Sand, Kies und Edelsteine abgebaut. Die Wirtschaft ist sonst auf Dienstleistungen ausgerichtet. Der Tourismus spielt eine wichtige Rolle, vor allem der Wintersport.

Was passiert beim Primary in New Hampshire?

Im Primary-System können Bürger einen Tag lang in einem öffentlichen Wahllokal ihre Stimme abgeben. Dieser Modus gilt in der Mehrheit der Bundesstaaten, den ersten Primary hält New Hampshire am 9. Februar ab. In manchen Staaten dürfen nur registrierte Parteimitglieder teilnehmen, in anderen sind die Vorwahlen offen für alle.

Seit 1952 sind nur wenige zum US-Präsidenten gewählt worden, die nicht auch die Vorwahlen in New Hampshire gewonnen haben. John F. Kennedys Siegeszug im Jahr 1960 begann in diesem Staat und Ronald Reagan stoppte hier 1980 seinen innerparteilichen Widersacher George H. W. Bush bei den Republikanern. Hillary Clinton gewann 2008 in New Hampshire, unterlag Barack Obama aber später im weiteren Verlauf.

Vorwahlergebnis 2012

Die Vorwahl 2012 in New Hampshire gewann bei den Republikanern Mitt Romney, der später auch Herausforderer von Barack Obama wurde. Bei den Demokraten galt die Nominierung von Amtsinhaber Barack Obama bereits als sicher, in vielen Staaten trat er ohne Herausforderer an.

Wie geht es weiter?

Infografik: Suche nach einem Obama-Nachfolger

Nach dem Start in Iowa und New Hampshire folgen die Vorwahlen in dichtem Takt. Am 1. März stimmen am sogenannten Super-Dienstag gut ein Dutzend Bundesstaaten gleichzeitig ab, die meisten liegen im Süden der Vereinigten Staaten.

Ein weiteres wichtiges Datum ist der 15. März, wenn sich die Präsidentschaftsbewerber unter anderem in Florida und Ohio dem Votum der Wähler stellen. Die Abstimmungen ziehen sich bis in den Juni, bereits im Frühjahr könnten aber klare Favoriten feststehen.

Abschluss des Vorwahlprozesses sind die sogenannten Conventions, bei denen Delegierte aus allen Bundesstaaten den Kandidaten ihrer Partei auf den Schild heben. Die Zahl der Vertreter, die jeder Staat zum Wahlparteitag entsenden darf, hängt vor allem von seiner Bevölkerungsstärke ab. Die meisten Delegierten sind in ihrem Abstimmungsverhalten an die Vorwahlergebnisse aus ihrem Heimatstaat gebunden.

Bei den Republikanern kommen knapp 2.500 Delegierte vom 18. bis 21. Juli in Cleveland im Bundesstaat Ohio zur Convention zusammen. Der Nominierungsparteitag der Demokraten, zu dem sich gut 4.700 Delegierte versammeln, findet vom 25. bis 28. Juli in Philadelphia im Bundesstaat Pennsylvania statt.

Mit Material von afp, dpa

09.02.2016, Quelle: dpa, reuters
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