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Früherer UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali ist tot

VideoTod von Boutros Boutros-Ghali
Der frühere UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali ist im Alter von 93 Jahren gestorben.

Der frühere UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali ist tot. Der ägyptische Diplomat ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Er war - als erster Afrikaner - zwischen 1992 und 1996 UN-Generalsekretär.

(16.02.2016)

Der ehemalige UN-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali ist tot. Er starb im Alter von 93 Jahren, wie der venezolanische UN-Botschafter Rafael Ramirez erklärte. Boutros-Ghali stand von 1992 bis 1996 an der Spitze der Vereinten Nationen. 

Ramirez verkündete Boutros-Ghalis Ableben zu Beginn eines Treffens des UN-Sicherheitsrats zur Jemen-Krise. Die 15 Mitglieder des Sicherheitsrats gedachten seiner unmittelbar mit einer Schweigeminute.

Einer der Architekten des Friedens mit Israel

Boutros (Peter) Boutros-Ghali wurde am 14. November 1922 in Kairo geboren. Er ist Kopte, also Angehöriger der christlichen Minderheit Ägyptens, und stammt aus einer reichen Landbesitzerfamilie. Sein Großvater Boutros Pasha, den islamische Eiferer ermordeten, brachte es bis zum Ministerpräsidenten (1908-1910). Boutros-Ghali studierte Rechts-, Wirtschafts- und Politikwissenschaften an der Universität Kairo und an der Sorbonne in Paris.

Seine berufliche Karriere begann 1949 als Dozent und später Professor der Universität von Kairo. Seine Spezialgebiete waren Völkerrecht und Internationale Beziehungen. Politisch Präsident Anwar el Sadat nahestehend, war Boutros-Ghali 1974 bis 1976 Mitglied des Politischen Büros der Arabischen Sozialistischen Union, der damaligen Einheitspartei. Als Sadat mit seiner aufsehenerregenden Reise nach Israel die festgefahrenen Fronten in Nahost wieder in Bewegung bringen wollte, wurde Boutros-Ghali als Staatsminister einer der maßgeblichen Architekten des Ausgleichs mit Israel.

1991 zum UN-Generalsekretär gewählt

Boutros-Ghali war der ruhende Pol in der ägyptischen Außenpolitik, die trotz innenpolitischer Risiken etwa im Golfkonflikt und Golfkrieg 1990/1991 konsequent auf die amerikanische Karte setzte. Im Juli 1991 schlug Kairo Boutros-Ghali für den frei werdenden Posten des UNO-Generalsekretärs vor: Die UN-Vollversammlung wählte ihn schließlich als Nachfolger von Javier Pérez de Cuéllar. Er war der erste Vertreter Afrikas an der Spitze der UNO. 

Im Urteil der Weltöffentlichkeit agierte Generalsekretär Boutros-Ghali weniger als oberster, auf Reformen bedachter Verwaltungsbeamter der UNO, sondern vielmehr als Krisenmakler, der sein Amt mit einem deutlich politischen Anspruch führte und der Entwicklungsarbeit wie den globalen Herausforderungen der Zukunft mindestens eben soviel Aufmerksamkeit schenkte wie der Friedenssicherung. 1993 reiste er sogar nach Nordkorea zu Vermittlungsgesprächen.

Seine Amtszeit war aber auch vom Zerfall Jugoslawiens, dem Völkermord in Ruanda und der Irak-Krise geprägt. Vor allem die USA kritisierten sein Krisenmanagement und verhinderten 1996 mit ihrem Veto eine zweite Amtszeit des Ägypters.

Irakkrieg als Verletzung der UN-Charta verurteilt

Boutros-Ghali blieb in der Politik, wurde Generalsekretär der Gemeinschaft frankophoner Staaten. Den Angriff der USA auf den Irak 2003 kritisierte er als Verletzung der UN-Charta. 2007 gehörte er zu den Unterzeichnern einer Kampagne, die sich für den Aufbau einer Parlamentarischen Versammlung bei den Vereinten Nationen einsetzte. Ein "Weltparlament" sollte den Initiatoren zufolge als Bindeglied zwischen UN-System, Regierungen, nationalen Parlamenten und Gesellschaften fungieren und für mehr Transparenz und Legitimation der Vereinten Nationen sorgen.

16.02.2016, Quelle: afp, reuters
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