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Deutscher Arzt in Syrien "Behandle zuerst, was zuerst tötet"

BildDr. Wilk behandelt ein kleines Mädchen
Dr. Michael Wilk behandelt ein kleines Mädchen

"Das kleine Mädchen war angefahren worden. Wir konnten helfen. Es erwachte aus der Bewusslosigkeit", erzählt der Wiesbadener Arzt Dr. Michael Wilk in seinem "Tagebuch aus Syrien".

(Quelle: privat)

VideoHelden im Kriegsgebiet
Helden im Kriegsgebiet

Diese Notfallmediziner gehen nicht nur an syrische Grenzen, sondern auch an ihre eigenen. Hilfe leisten ist für sie eine Herzensangelegenheit.

(11.09.2017)

von Dr. Michael Wilk, Nordsyrien

Splitter entfernen, nähen, verbinden: Seit zwei Wochen ist der Wiesbadener Arzt Michael Wilk in Rakka in Nordsyrien und hilft im Kriegsgebiet, Menschen zu behandeln. Manchmal zu spät, manchmal helfen auch schon kleine Dinge. Davon erzählt Wilk hier im "Tagebuch aus Syrien".  

Tag 13 und 14: Irgendwo ist eine Mine explodiert - jetzt muss es schnell gehen

Ich stehe um 6:30 Uhr auf, um in den kühlen Morgenstunden ein wenig Zeit für mich zu haben. Das Haus, in dem unsere medizinische Versorgungsstation untergebracht ist, hat ein Flachdach. Dort schlafen einige Soldaten; die Waffen in Griffweite neben sich. Sie hatten Nachwache und ruhen sich nun etwas aus. Der "Trauma Stabilization Point" des kurdischen Roten Halbmonds wird - wie alle wichtigen Gebäude - rund um die Uhr bewacht. Auch wenn die Kämpfer des IS in Rakka zunehmend in einem immer kleineren Gebiet zusammengedrängt werden und wir im befreiten Gebiet unser Quartier errichtet haben, ist die Lage angespannt. Es wird immer mit Anschlägen gerechnet.

Dr. Michael Wilk ...
Michael Wilk

... ist Arzt, Psychotherapeut, Autor und Umweltaktivist. Seit 2014 hat Wilk mehrere humanitäre Hilfseinsätze in Rojava im Norden Syriens geleistet. Dieser Einsatz am Rande Rakkas ist nun sein sechster im Krisengebiet. Er berichtet von seinen Erfahrungen vor Ort in seinem "Tagebuch aus Syrien" bei heute.de.

Der Tag beginnt gnädig, in loser Folge kommen leichtere Fälle: Wundkontrollen, Bauchschmerzen und kleine Verletzungen. Erkrankte Frauen werden primär von Helferin Anoud versorgt, die sich von einem ihrer Kollegen unterstützen lässt, oder wenn nötig, ärztliche Hilfe anfordert.

Dann muss es plötzlich schnell gehen, irgendwo ist eine Mine explodiert. Der eingelieferte Mann, ein Zivilist, ist nicht mehr klar ansprechbar, er windet sich, stöhnt vor Schmerz beim Überheben von der Trage auf den provisorischen OP-Tisch. Sein eines Bein ist gebrochen. Der Mann blutet aus mehreren Wunden, seine Kleidung hat sich dunkel gefärbt.

Hemd und Hose wegschneiden, von allen Seiten Verletzungen sichten, venöse Zugänge legen, Sauerstoff - alles in kurzer Folge. Es gilt die Devise: Behandle zuerst, was zuerst tötet. Ein Splitter ist in den Brustkorb gedrungen, durch die Öffnung strömt Blut – und schlimmer - Luft hinein. Wir legen Drainagen, die kollabierte Lunge wird entlastet, der Patient intubiert (künstlich beatmet) und das Bein geschient. Beide Beine sind durchsiebt von kleinen Fremdkörpern, die tief ins Gewebe gedrungen sind. Wir nähen und verbinden, schicken den Patient auf die mehr als zweistündige Fahrt ins nördlichere Kobane. Ein erfahrener Anästhesiepfleger bekommt die Verantwortung für den Transport. Mehr können wir hier nicht für ihn tun.

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Es folgen allein am heutigen Vormittag noch zwei weitere Patienten mit Sprengverletzungen. Der IS hat bei seinem Rückzug viele Häuser vermint, um die angreifenden Männer und Frauen der "Syrischen Demokratischen Kräfte" (SDF) am Vorrücken zu hindern. Die Sprengfallen sind perfide: Dünne, kaum sichtbare Schnüre sind gespannt, um die Zünder auszulösen. Minen können unter Spielzeug liegen und beim Aufheben explodieren. Minen finden sich unter Leichen, die geborgen werden müssen. Minen sind am Straßenrand unter Sand und Schutt versteckt.

Wenn wir mit den Ambulanzen unterwegs sind, bleiben wir strikt auf dem schon befahrenen Weg, keiner von uns würde in ein Haus gehen, das nicht zuvor durchsucht und freigegeben worden ist. Genau das jedoch passiert, wenn die zuvor geflüchteten Menschen aus den Flüchtlingscamps nördlich von Rakka zurückkehren. Allein im eineinhalb Stunden entfernten Ain Issa harren in Zelten über 10.000 Menschen unter miesen Bedingungen aus.

Diejenigen, die Staub und Hitze nicht mehr aushalten, oder Angst haben, ihr zurückgelassenes Hab und Gut an Plünderer zu verlieren, und deshalb zurückkehren, bezahlen das Betreten ihres Hauses nicht selten mit dem Leben.

Es wird ein langer Tag: Kaum zu Bett, heißt es wieder aufstehen. Um halb zwei Uhr nachts wird der vorerst letzte Patient gebracht. Ein junger Mann mit schweren Gesichtsverletzungen. Ein Motorradunfall. Wir müssen nähen.

Tag 12: Zum Trost ein Ballon mit aufgemaltem Gesicht

Der frühe Morgen ist die angenehmste Tageszeit, bevor sich mit höher steigender Sonne alles in einen Backofen verwandelt. Unser Koch Hamid hat das Frühstück vorbereitet, dass wir wie gewohnt, am Boden sitzend einnehmen. Sesam, Marmelade, Joghurt, Olivenöl, Käse und natürlich Fladenbrot. Wir trinken gesüßten Tee. Danach Training der Helfer; die Patienten, die am Morgen spärlicher kommen als abends, müssen eine Weile warten. Nur echte Notfälle werden sofort versorgt.

Dr. Michael Wilk schult Helfer

Dr. Michael Wilk schult Helfer
Quelle: privat

Der neue Defibrillator, die Spende einer Hilfsorganisation, an den kurdischen roten Halbmond, ist ein Alleskönner, aber auch eine Herausforderung. Als Trainer und Berater soll ich die Helfer fit machen für den richtigen Umgang mit dem Gerät. Die Reanimation, das Vorgehen bei starken Blutungen und die Behandlung bestimmter Herzrhythmusstörungen durch Elektroschock stehen ebenso auf dem Programm. Hinzu kommt die Behandlung von psychischen Ausnahmezuständen und auch die eigene psychische Verfassung ist Thema, gerade für Menschen, die mit wenig Pausen über lange Zeit extrem belastenden Situationen ausgesetzt sind.

Neben kriegsbedingten Verletzungen versorgen wir mit dem "Trauma Stabilization Point" des kurdischen Roten Halbmonds mangels vorhandener Krankenhäuser auch die umliegende Bevölkerung bei einfachen Problemen: Ein kleiner Junge ist gestürzt, wir nähen die große Platzwunde auf seiner Stirn. Anoud assistiert. Mit 48 Jahren gehört die erfahrene Helferin zu den Älteren im Team und trägt als einzige der Frauen Kopftuch. Ihre beiden Söhne kämpfen bei den kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG gegen den IS. Ihr Mann betreibt einen kleinen Laden. Befragt, warum sie nicht geflohen sei, antwortet sie, dass sie ihre Söhne niemals allein lassen würde. Diese stünden nicht nur an der Front, sondern engagierten sich auch leidenschaftlich für den Aufbau einer basisdemokratischen Gesellschaft.

Die Stirn des Jungen ist versorgt. Der Kleine bekommt zum Trost einen aufgeblasenen Handschuh mit aufgemaltem Gesicht von mir. Ich bekomme einen Tee. Es sind durchaus die scheinbar kleinen Dinge, die einem Freude bereiten. Dies umso mehr in einer Atmosphäre des Krieges und des Terrors, dessen Wucht geeignet ist, wie in Dantes Inferno "jede Hoffnung fahren zu lassen".

Tagebuch aus Syrien

Tag elf: Ein Moment der Hilfslosigkeit

Es war eine unruhige Nacht. Nicht nur die um Viertel vor fünf ertönende Tonbandstimme des Muezzins lässt mich aufschrecken, sondern das die ganze Nacht anhaltende Bombardement. Der IS verfügt nur noch über circa 20 Prozent der Stadtfläche und ist massiv unter Beschuss. Betroffen somit auch eine unbekannte Anzahl Zivilpersonen, darunter viele Kinder.
Das Quietschen von Bremsen und das Schlagen schwerer Fahrzeugtüren lässt mich in die Kleider springen und zum Tor des Trauma-Versorgungspunkts eilen, normalerweise kündigen diese Geräusche das Eintreffen eines oder mehrerer Verletzter an. Als ich jedoch in den Laderaum eines eingetroffenen Militärfahrzeuges blicke, sehe ich Kinderleichen, dicht an dicht, notdürftig verhüllt mit Decken. Vier Kinder und eine Frau, bedeuten mir die Gesten der kurdischen Milizsoldaten. Zeitgleich trifft ein Pkw ein, wehklagende Frauen brechen schreiend vor uns zusammen, als wir die toten Körper im Hof unseres Stützpunktes ablegen. Die Gesichter, Körper und Glieder von Projektilen durchschlagen und zerfetzt, starre Kinderaugen.

Letztlich ist nicht zu klären, was genau geschehen ist. Vermutlich geriet die junge Mutter im Morgengrauen zwischen die Fronten. Bei einer Untersuchung der Leichen konnte ich zumindest keine Hinweise auf eine Erschießung aus nächster Nähe feststellen.

In einem solchen Moment reagieren Menschen unterschiedlich, manche reden, andere schweigen in sich gekehrt, ernste und traurige Gesichter, auch wütende Verwünschungen. Danach beginnen wir mit unserer Arbeit, versorgen eintreffende Patienten, der Koch begibt sich in die Küche, Routine kann auch guttun. Allen ist der Tod vertraut, die Männer und Frauen des kurdischen roten Halbmonds kennen ihn seit Beginn des Krieges 2011. Viele haben Brüder und Schwestern im Kampf mit dem IS verloren, auch ich habe in Syrien und als Notarzt genug gesehen. Und doch sind vor allem tote Kinder immer wieder ein Moment des Horrors, der Hilflosigkeit und auch der Wut. Niemals sind Kinder mehr Opfer als in den Kriegen der Erwachsenen.

Tag neun und zehn: Die Sorge um die Kinder

Der Halteplatz unserer Rettungswagen ist außerhalb der Rakka-Feuerzone und damit einerseits sicher genug, andererseits nah genug der Front, um Verletzte möglichst zeitnah aufzunehmen. Draußen stehen Kinder am Straßenrand, eingehüllt in die Staubwolken vorbeifahrender Autos. Der allgegenwärtige Staub dürfte das geringste Problem dieser Generation sein. Nicht nur die direkte Bedrohung durch Bomben und Minen, sondern auch die Perspektivlosigkeit ist bedrückend.

In vielen Gesprächen erfahre ich, dass es die Sorge um die Kinder ist, die Menschen zur Flucht treibt. Sherwan 29, Zahnarzt und Koordinator beim kurdischen Roten Halbmond, übersetzt mir ins Englische, weil ich weder Kurdisch noch Arabisch spreche. Sherwan ist mir in den Jahren der Zusammenarbeit zum Freund geworden. Er entstammt einer Jesidischen Familie, einer vom IS besonders unmenschlich behandelten Minderheit.

Sherwans Familie brachte sich in Sicherheit und floh nach Deutschland. Er blieb, um zu helfen, den kurdischen Roten Halbmond mitaufzubauen. Sherwan koordiniert die Zusammenarbeit mit internationalen Hilfsorganisationen und verschafft der unabhängigen Organisation so die Mittel zum Aufbau von Ambulanzen und ganzen Krankenhäusern.

Ich habe Sherwan auf meiner ersten Reise nach Rojava/Nordsyrien kennengelernt und weiß um seine tiefe Zerrissenheit und Sorgen. Als ältester Sohn müsste er sich um seinen kranken, alten Vater und seine Familie kümmern, andererseits sieht er seine Aufgaben in der Fürsorge für Viele und im Wiederaufbau.
Ich denke: Wer vor dem IS-Terror aus Rakka fliehen konnte, kann sich glücklich schätzen. Trotz des allgegenwärtigen Mangels gibt es im mehrheitlich von Kurden bewohnten Rojava Schulunterricht. Am wiederaufgebauten Hospital von Serekanije hat eine Medizinschule die Arbeit aufgenommen.

Wie bitter nötig eine medizinische Infrastruktur in Rojava ist, zeigt ein Beispiel vom heutigen Tag: In Quamishlo, der Hauptstadt Rojavas, hat es einen Anschlag gegeben. Ein vierjähriges Kind verlor dabei sein Leben, sieben Menschen wurden schwer verletzt. Sie werden inzwischen vom kurdischen Roten Halbmond notversorgt.

Tag acht: Viele Verwundete ohne Chance

Um von einer Seite Rakkas auf die andere zu gelangen, muss die Stadt nördlich umfahren werden. Der IS sitzt in der Stadt, im Süden ist der Euphrat. Wir brauchen drei Stunden, um von dem westlich gelegenen ersten "Trauma Stabilization Point" (TSP1) zum östlichen TSP2 zu gelangen. Dieser Versorgungspunkt liegt wesentlich näher zur Front. Unweit werden schwere Geschütze abgefeuert.
Ich bin hier, um an einer Absprache zwischen Nichtregierungsorganisationen, dem kurdischen Roten Halbmond und einem Vertreter der "Syrischen Demokratischen Kräfte" teilzunehmen. Es gilt, Kräfte zu bündeln angesichts mangelnder Ressourcen - und mit Blick auf den sich immer enger um den IS zusammenschnürenden Frontverlauf. Eines der Hauptprobleme sind die langen Transportwege von Schwerverletzten zu einem funktionierenden Krankenhaus. In manchen Fällen kommen zweieinhalb Stunden einem Todesurteil gleich.

Am Ende der heutigen Zusammenkunft steht die Absichtserklärung, im nächstgelegenen Hospital eine Blutbank einzurichten. Ein mageres Ergebnis. Alle Helfer und Helferinnen geben ihr Bestes, aber der Mangel an Material und Geld sowie die Aspekte der persönlichen Gefährdung durch die Arbeit in einem Kriegsgebiet zeigen schnell die Grenzen auf. Auch machen sich Zukunftssorgen breit, denn der IS hat das Gebiet massiv vermint. Wie eine zurückkehrende Zivilbevölkerung medizinisch versorgt werden soll, ist derzeit noch ungewiss.

Schnell holt einen das Hier und Jetzt wieder ein: Ein Pickup bringt einen Verletzten. Der junge Mann ist nicht mehr ansprechbar, der Blutdruck fallend, das Einschussloch im Unterbauch zwingt zu schnellem Handeln. Die Prognose ist denkbar schlecht, wir kämpfen um den Patienten. Er verstirbt eine halbe Stunde später.

Tag sechs und sieben: Erste Hilfe, begrenzt

Unser Versorgungspunkt liegt aus Sicherheitsgründen außerhalb der Kampfzone von Rakka. Es sind wenige Fahrminuten über holprige Straßen bis zu dem Bereich, in dem die Rettungswagen vom kurdischen Halbmond die Verletzten laden und die ersten Maßnahmen einleiten. Nur drei bis vier gepanzerte Fahrzeuge sind in der Lage, Schwerverwundete direkt aus der Feuerzone zu bergen und sie den Rettungswagen zu übergeben.

Wir sind diesmal primär für die Versorgung von Zivilisten zuständig, ein ähnlicher "Trauma Stabilization Point" untersteht dem Militär. Im Bedarfsfall wird jeder Mensch versorgt, im Notfall muss behandelt werden. Das gilt selbstverständlich auch für verletzte IS-Kämpfer. Im vergangenen Jahr, bei den Kämpfen um Manbij, musste ich mehrfach erleben, dass verwundete IS-Kämpfer sich nicht von Krankenschwestern berühren lassen wollten. Es gibt jedoch Situationen, da kann auf Patientenwünsche wenig Rücksicht genommen werden, vor allem wenn es um Leib und Leben geht.

Die Distanzen sind ein großes Problem. Die nächsten Krankenhäuser, die eine definitive Versorgung vornehmen können, sind mindestens zweieinhalb Stunden entfernt. Wir können mit unserem kleinen OP und begrenzten Mitteln kleine und mittlere Wunden versorgen. Patienten mit zerschossenen Knochen und anderen schweren Verletzungen müssen verlegt werden. Der Transport von Rakka nach Tall Abyad, Kobane oder Quamishlo ist eine Herausforderung für die Fahrer der Ambulanzen und ein Hochrisiko für die Patienten. Nötig wäre ein Fronthospital mit einigen Betten, es fand sich jedoch keine Organisation und keine NGO, die in der Lage und Willens gewesen wäre, dieses Hospital rechtzeitig einzurichten.

Der Kampf gegen den IS, wird am Boden durch die "Syrischen Demokratischen Kräfte" (SDF), einem Zusammenschluss aus kurdischen, arabischen, turkmenisch-kurdischen und assyrisch-aramäischen Kräften, vorangetrieben. Der hohe Anteil von kämpfenden Frauen unter den kurdischen Einheiten ist hier legendär, auch die Oberkommandierende ist eine Kurdin aus Rakka. Unterstützt werden die SDF durch die Luftwaffe der USA und durch Spezialeinheiten. Der Militäreinsatz wird zum Teil mit neuester Technik geführt. Die Versorgung von Kranken und Verletzten, vor allem der Zivilbevölkerung, befindet sich leider auf einem ganz anderen Niveau.

Wir wissen nicht genau, wie viele Zivilisten und Kämpfer des IS sich noch in der Innenstadt von Rakka aufhalten. Als vor zwei Wochen das Kinderkrankenhaus aus den Händen des IS befreit werden konnte, fand man dort eine hohe Anzahl Toter (einzelne Berichte sprechen von 1.000 Menschen) und 200 lebenden zivilen Gefangenen im Gebäude.


Tag fünf: zerstörte medizinische Infrastruktur

Mit der aufgehenden Sonne hören die Einschläge der Bomben auf. Die US-Luftwaffe fliegt ihre Einsätze gegen die Stellungen des IS nachts. Im Schutze der Dunkelheit nehmen die Kämpfe zu. Nun aber frühstücken wir auf dem Boden sitzend gemeinsam - die Ambulanzfahrer, die Schwestern und Pfleger, ein neu eingetroffener Orthopäde. Anschließend besprechen wir die Behandlungsfälle des vergangenen Tages, ich gebe Tipps und Hinweise zur Optimierung in der Behandlungsstrategie von Notfällen.

Der kurdische Rote Halbmond betreibt in der 50 Kilometer entfernten Stadt Tabqa eine Tagesambulanz. Wir werden gebeten, die dortige Situation zu recherchieren und zu klären, ob in Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen eine Geburts- und Gynäkologie-Abteilung installiert werden kann. Tabqa, die Stadt am größten syrischen Staudamm, ist zu großen Teilen ein Trümmerfeld. Noch vor vier Monaten tobten dort heftige Kämpfe, bevor der IS zum Rückzug gezwungen werden konnte.

Das staatliche Krankenhaus, ein großer Komplex, war zuvor für die Versorgung von mehr als einer Million Menschen - auch aus dem Umland - zuständig. Nun liegt es zum Teil in Trümmern. Der IS hatte es mit Betonverstärkungen und Erdwällen in eine Festung verwandelt. Im Keller wurde operiert, auch die Leichen wurden hierher verbracht. Ein leichter Verwesungsgeruch liegt in der Luft, als wir mit Taschenlampen die Katakomben der Klinik begutachten.

Fast alles ist zerstört, die Einrichtung liegt in Trümmern, nur wenige Bereiche sind noch halbwegs nutzbar. Immer wieder wird klar, das Desaster endet nicht mit der Vertreibung des IS. Es fehlt an so vielem. Die Voraussetzungen, in der zerstörten Klinik eine gynäkologische und geburtshilfliche Abteilung aufzubauen, sind schlecht. Ob es sinnvoller ist, die Klink wieder aufzubauen oder eine neue zu bauen, muss als erstes geklärt werden.

Tag vier: Verletzte an Rakkas Stadtrand

Die Fahrt von Quamishlo im Nordosten Syriens nach Rakka führt uns über flaches Land. Schnurgerade Straßen durchschneiden Ackerland. Abgeerntete Weizenfelder, verbrannt durch die Sonne. Gelegentlich Schafherden, später auch Kamele, neben Tank- und Lastwagen. Nach fünf Stunden erreichen wir Rakka. Der "Trauma Stabilization Point", die erste Auffangstation für Verletzte, liegt an der Stadtgrenze.

Die Kämpfer des IS sind in Rakka eingeschlossen, Tausende Zivilisten befinden sich im umkämpften Zentrum. Ganze Stadteile wurden vom IS vermint, Scharfschützen schießen auf alles, was sich in Schussweite bewegt. Die Trauma Points sind überlebenswichtig, denn die Krankenhäuser Rakkas sind völlig zerstört, befinden sich zudem auf dem Gebiet des IS. Neben Verletzten von der Front nutzt auch die Zivilbevölkerung der Umgebung die Stationen, um sich behandeln zu lassen. Vom Zentrum Rakkas sind die Einschläge der Bomben zu hören.

Tag drei: Massenflucht aus der Kampfzone

Quamishlo ist mit circa 400.000 Menschen die größte Stadt Rojavas. Die Zentrale von Herva Sor, dem kurdischen Roten Halbmond, ist wie alle wichtigen Gebäude gesichert. Zu groß ist die Angst vor Selbstmordattentaten durch den IS. Eine Schranke und ein bewaffneter Posten sind ebenso selbstverständlich wie die häufigen Kontrollposten auf den zentralen Ein- und Ausfallstraßen der größeren Orte.

Die Versorgung von im Krieg Verletzten beginnt nicht vor Ort, sondern mit einer logistischen Herausforderung: Wie viele Helfer und Helferinnen, wie viele Rettungswagen, welche Mengen an Medikamenten werden wo und wann benötigt? Wir sitzen beisammen und planen: Die frontnahen Versorgungsstationen in Rakka müssen verlegt werden. Wird die Distanz zur Kampfzone zu groß, kostet das Menschenleben.

Zeitgleich ist die 150 Kilometer entfernte Großstadt Dayr az Zaur schwer umkämpft. Der IS wird dort von Süden durch Truppen des Assad-Regimes bedrängt, von Norden rücken Einheiten der "Syrischen Demokratischen Kräfte" (SDF) vor, dem kurdische und arabische Kämpfer angehören. Die Zivilbevölkerung ist zu Tausenden auf der Flucht. Der kurdische Rote Halbmond hat größte Mühe, die medizinische Basisversorgung entlang der Fluchtroute nach Norden sicherzustellen.

Tag eins und zwei: Auf Umwegen nach Nordsyrien

Ankunft am Flughafen Erbil, Nordirak: Der Wechsel vom herbstlich kühlen Deutschland in die mit über 40 Grad glühend erscheinende kurdische Metropole treibt einem den Schweiß auf die Stirn. Wer nach Nordsyrien in die mehrheitlich von Kurden bewohnte Region Rojava will, ist gezwungen, Umwege in Kauf zu nehmen. Der Weg von der Türkei aus ist verbaut - im wahrsten Sinne des Wortes: Die türkische Regierung hat im vergangenen Jahr eine Hunderte von Kilometern lange Mauer an der Grenze zu Nordsyrien errichtet.

Es ist meine sechste Reise ins Krisengebiet, ich bin unterwegs nach Rakka, hier unterhält der kurdische Rote Halbmond zwei so genannte "TSP", "Trauma Stabilization Points". Verletzte müssen versorgt und für die Weiterfahrt stabilisiert werden. Mit unterwegs ist Torsten Lengfeld aus Mainz, er wird Unterricht in Physiotherapie erteilen.

Nach zwei weiteren Stunden Fahrt passieren wir die Stadt Duhok, von hier sind es noch eineinhalb Stunden bis zum Grenzübergang. Das Passieren der Grenze zwischen Irak und Syrien ist nur mit Zustimmung der Nordirakischen Kurdischen Regionalregierung möglich, da die Systeme der Selbstverwaltung und der Basisdemokratie im konservativeren Irak kritisch und als Konkurrenz gesehen werden. Nur die Überquerung des Tigris im flachen Fährboot mit Außenborder und eine erneute zweistündige Fahrt trennen uns von Quamishlo, der Hauptstadt Rojavas. Im Hauptquartier des kurdischen Roten Halbmonds werden wir erwartet.

Hintergrund: Kampf um Rakka

gefechte in der altstadt von rakka am 12.08.2017

Die Gefechte in der syrischen Großstadt Rakka, die der "Islamische Staat" (IS) im Jahr 2014 faktisch zu seiner Hauptstadt in Syrien ernannt hatte, werden mit großer Härte fortgeführt.

Die "Syrischen Demokratischen Kräfte" (SDF), dem kurdische und arabische Kämpfer angehören, erobern seit Juni immer größere Teile Rakkas. Dabei werden die SDF-Einheiten von den USA mit Luftangriffen und Spezialeinheiten unterstützt.
(Marcel Burkhardt)

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26.09.2017
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