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Syrien-Einsatz der Bundeswehr Deutsche klären auf - andere werfen Bomben

BildTornado der Bundeswehr
Tornado der Bundeswehr  am 05.01.2016

Von Mitte Januar an sollen insgesamt sechs der deutschen Aufklärungsjets von der türkischen Basis Incirlik aus für die Anti-IS-Koalition im Einsatz sein

(Quelle: dpa)

VideoIS verliert Territorium
Wie ein Sprecher der US-Armee in Bagdad erklärte, habe der IS im Irak 40 Prozent seines Gebiets verloren, in Syrien knapp 20 Prozent

Der IS hat offenbar 30 Prozent seines Territoriums verloren. Wie ein Sprecher der US-Armee in Bagdad erklärte, waren dies im Irak 40 Prozent und in Syrien 20 Prozent.

(06.01.2016)

VideoBundeswehr hat besondere Aufgabe
Hermann Bernd (links) und Major Gunnar Kratz

"Jeder neue Einsatz bringt neue Herausforderungen", sagt Major Gunnar Kratz, Bundeswehrpilot des Airbus A400M. In Incirlik "geht der Einsatz im Januar richtig los", sagt ZDF-Korrespondent Luc Walpot.

(10.12.2015)

VideoKrieg im Kopf
Afghanistan-Veteran Robert Sedlatzek-Müller im Gespräch mit Nadine Krüger

Die Bundeswehr ist an drei Einsätzen im Kampf gegen die Terror-Miliz IS beteiligt. Afghanistan-Veteran Robert Sedlatzek-Müller erzählt, welche psychischen Folgen ein solcher Einsatz haben kann.

(07.01.2016)

Bundeswehr-"Tornados" klären jetzt Stellungen der Terrormiliz IS auf. Brisant könnte werden, dass die Türkei Zugriff auf Aufklärungsdaten bekommt: Ankara sind die Kurden-Milizen in Syrien ein Dorn im Auge. 

Das deutsche Engagement im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat eine neue Dimension erreicht: Am Freitag starteten vom türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik aus erstmals Bundeswehr-"Tornados" zu Aufklärungsflügen über dem IS-Gebiet in Syrien und dem Irak. Nach knapp drei Stunden die erleichternde Nachricht: Die beiden "Tornados" sind ohne Zwischenfälle von der gefährlichen Mission zurückgekehrt. Auch wenn die Bundeswehr nicht selbst bombardiert: Deutschland dürfte durch das Engagement stärker ins Visier der IS-Terroristen geraten.

Gefährliche Mission

Vier "Tornados" sind seit Dienstag in Incirlik. Insgesamt sollen von Mitte Januar an sechs der deutschen Aufklärungsjets von der türkischen Basis aus für die Anti-IS-Koalition im Einsatz sein. Dass die Mission trotz aller Vorkehrungen gefährlich werden kann, zeigt der Fall des jordanischen Kampfpiloten Muas al-Kasasba. Er war Ende 2014 über der IS-Hochburg Al-Rakka im Norden Syriens abgestürzt. IS-Milizen verbrannten den 26-Jährigen bei lebendigem Leib - und veröffentlichten die Gräueltat auf einem Video im Internet.
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Der Einsatz gegen den IS ist nicht der erste der "Tornados" in einem Konfliktgebiet. Von 2007 bis 2010 flogen die deutschen Aufklärer über Afghanistan, was damals heftige Debatten auslöste. Aus den internationalen Truppen gab es Kritik, dass Deutschland nur aufklären, nicht aber selber Taliban-Ziele angreifen wolle. Kritiker in der Bundesrepublik befürchteten dagegen, die Aufnahmen der deutschen "Tornados" könnten für Bombenangriffe durch andere Nationen - etwa durch die Amerikaner - genutzt werden.

"Wir liefern Zieldaten für andere, damit die etwas draufwerfen."

Inzwischen ist die Sensibilität für solche Bedenken in Deutschland gesunken. Vor allem durch den Kampfeinsatz in Afghanistan ist die Öffentlichkeit inzwischen daran gewöhnt, dass die Bundeswehr auch in kriegerischen Konflikten mitwirkt. Zwar ist es nun in Syrien und dem Irak wieder so, dass die Deutschen aufklären und andere Mitglieder der US-geführten Koalition die Bomben werfen. Die Bundeswehr benennt das diesmal aber zumindest klarer als damals am Hindukusch.

"Die Aufklärungsziele sollen dem Kampf gegen den IS dienen. Sie dienen natürlich auch als mögliche Ziele für weitere Operationen", sagt ein Bundeswehr-Sprecher. Noch deutlicher formuliert es ein deutscher Sicherheitsexperte, der ungenannt bleiben möchte. "Wir machen da ja keine Landvermessung", sagt er. "Es geht um 'Targeting', auch wenn man das nicht gerne hört. Wir liefern Zieldaten für andere, damit die etwas draufwerfen."

Wie in jedem Krieg treffen auch in Syrien die Bomben nicht immer die beabsichtigten Ziele. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, bei einem Luftangriff der US-geführten Koalition am Donnerstag - also vor Beginn des "Tornado"-Einsatzes - seien acht Kinder und drei Frauen getötet worden.

Aufklärungsdaten gehen auch an Türkei

Für politische Brisanz könnte beim "Tornado"-Einsatz sorgen, dass Aufklärungsdaten auch der Türkei zugänglich gemacht werden. Die Türkei betrachtet die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) in Nordsyrien als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die türkische Luftwaffe greift PKK-Stellungen in der Südosttürkei und im Nordirak immer wieder an. Die Regierung in Ankara droht zudem, sie werde nicht zulassen, dass die YPG ihren Machtbereich an der türkischen Grenze weiter ausdehnt. Westliche Staaten sehen in den Kurden-Milizen in Nordsyrien dagegen die dringend benötigten Bodentruppen gegen den IS - die sonst niemand stellen möchte.

"Was Aufklärungswert hat, wird an alle Partner weitergegeben", sagt der Bundeswehr-Sprecher. "Das, was von Nutzen ist, wird in die Datenbank der Anti-IS-Koalition eingespeist. (...) Es gibt keinen Grund dafür, dass die Türkei bestimmte Bilder nicht sehen darf." Die Türkei sei schließlich nicht nur Teil der Koalition, sondern auch Nato-Partner. Der Sprecher betont allerdings: "Nicht die Kurden sind Ziele, sondern der IS." Der deutsche Sicherheitsexperte warnt dennoch: "Wir dürfen bloß nicht in die Situation kommen, dass wir den Türken Informationen im Kampf gegen die Kurden geliefert haben."

Das Engagement der Bundeswehr im Ausland

Afghanistan

Afghanische Soldaten

Nach dem Ende des Isaf-Kampfeinsatzes sind am Hindukusch in der Mission Resolute Support noch knapp 900 Soldaten zur Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Streitkräfte stationiert. Ein weiterer Bundeswehrangehörige arbeitet für die UN-Unterstützungsmission Unama.

Kosovo

Mit rund 700 Soldaten ist der Kfor-Einsatz der Bundeswehr unter dem Nato-Schirm zur Stabilisierung des jungen Balkanstaats fast genauso stark wie die Afghanistan-Mission. Aufgabe der ausländischen Streitkräfte im Kosovo ist weiterhin die Stabilisierung des Landes.

Türkei

Wegen des Bürgerkriegs in Syrien beteiligt sich die Bundeswehr mit etwa 250 Soldaten im Nato-Rahmen an der Mission Active Fence zur Sicherung der Grenze zwischen beiden Ländern. Mit Patriot-Abwehrsystemen im Süden der Türkei wird der Bündnispartner vor Geschossen aus der Luft geschützt.

Irak

Knapp 90 Bundeswehrsoldaten bilden in der nordirakischen Kurdenmetropole Erbil einheimische Kämpfer aus. Angesichts des Vormarschs der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat beliefert Deutschland die kurdischen Peschmerga zudem mit Waffen und anderem Militärmaterial.

Libanon

An der UN-Mission Unifil zum Schutz der libanesischen Mittelmeerküste beteiligt sich die Bundeswehr mit knapp 140 Soldaten. Die Mission unterstützt den Libanon bei der Küstensicherung und soll vor allem Waffenschmuggel verhindern.

Somalia

An der EU-Mission Atalanta gegen somalische Piraten vor der Küste des Landes ist die Bundeswehr mit 280 Soldaten beteiligt. In einer EU-Ausbildungsmission in Somalia selbst sind acht deutsche Soldaten eingesetzt.

Mali und Senegal

Bei einer EU-Ausbildungsmission in Mali sind etwa 150 deutsche Soldaten im Einsatz. An der UN-Mission Minusma zur Stabilisierung des westafrikanischen Landes, die in Mali und im Senegal operiert, beteiligen sich acht Bundeswehrangehörige.

Südsudan und Sudan

Rund 15 Bundeswehrsoldaten sind in der UN-Mission Unmiss im Südsudan im Einsatz. Ziele sind der Staatsaufbau in dem seit vier Jahren unabhängigen Land und der Schutz von Zivilisten. An der UN-Mission Unamid in der sudanesischen Krisenregion Darfur sind neun Soldaten beteiligt.

Westsahara und Liberia

In der Westsahara ist die Bundeswehr mit vier Soldaten in der UN-Mission Minurso engagiert. Ziel ist ein Referendum über den Status der von Marokko besetzten früheren spanischen Kolonie. In der UN-Mission Unmil zur Stabilisierung Liberias sind drei Bundeswehrangehörige eingesetzt.

Mittelmeer

Ohne Mandat sind Marineschiffe mit rund 310 Soldaten im Einsatz, um Flüchtlinge zu retten. Die EU arbeitet zudem an einer größeren Mission gegen Schlepper. An der Nato-geführten Operation Active Endeavour zur Sicherung der Seewege ist die Bundeswehr derzeit nicht aktiv beteiligt.

Quelle: Christof Meißner

08.01.2016, Quelle: von Can Merey, dpa
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